Erlebnisse, Anekdoten, Berichte und Erinnerungen – Geschichte erzählt

Joseph Beuys im Goethe-Institut Genua
Von Bernhard Wittek

Joseph Beuys im Goethe-Institut Genua 1978. Foto: Dr. Bernhard WittekDie einzige Individualausstellung mit Werken von Joseph Beuys, an der ein Goethe-Institut als Mitveranstalter beteiligt war, wurde im Sommer 1978 in Genua gezeigt. Dabei half der Künstler tatkräftig ein kurzfristig aufgetretenes Finanzproblem zu beseitigen.

Das Institut hatte für seine Kostenbeteiligung an der Schau "Tracce in Italia" (Spuren in Italien) einen vom genehmigten Jahresetat nicht gedeckten Betrag zugesagt, darunter auch für den Ankauf mehrerer hundert Kataloge. Der Institutsleiter schilderte dem Künstler schuldbewusst die Bredouille, in die er damit geraten war und bat den prominenten Gast, möglichst alle Kataloge zu signieren, da diese sich so leichter verkaufen ließen, um das Defizit wenigstens etwas auszugleichen.

Beuys, der eigentlich wegen des von ihm immer persönlich überwachten Aufbaus und zur Vernissage der Ausstellung nach Genua gereist war, willigte sofort ein. Nach einem bescheidenen Versöhnungsimbiss im Institut signierte er ganze Stapel von Katalogen.

Sie wurden schon bei der Eröffnung, zu der eine oberitalienische Fan-Gemeinde bis aus dem schweizerischen Tessin nach Genua gefunden hatte, sehr gut verkauft, so dass dem Münchner Antiquariat für Kunstkataloge, das sich interessiert gezeigt hatte, nicht mal hundert Exemplare weitergereicht werden konnten.

Die Kassenprüfung im Goethe-Institut Genua durch den Kanzler des Generalkonsulats Genua verlief am Jahresende 1978 jedenfalls so problemlos wie immer.

Die Beuys-Ausstellung fand starken Anklang und bestärkte den damals für ein deutsches Kulturinstitut nicht eben geschätzten Ruf, das Genueser Institut stehe bei der Programmarbeit ziemlich links. Das umfassende Beuys-Werksverzeichnis der englischen Kritikerin Caroline Tisdall, das 1979 erschien, zeigt unter anderem ein Foto von der Eröffnung mit Beuys, dem kommunistischen Kulturdezernenten Genuas und dem Leiter des Goethe-Instituts mit der Bild-Unterschrift "Discussion with representatives of the Italian Communist Party", einem Text, den Genuas bürgerliches Blatt seinerzeit genüsslich zitierte.
Von Bernhard Wittek