Erlebnisse, Anekdoten, Berichte und Erinnerungen – Geschichte erzählt

Auto auf der Lagerhalle
Von Karl Heinz Buschmann

Oktober 1964 war mein Dienstantritt als Leiter der neugegründeten Zweigstelle des Goethe-Instituts in Rourkela, Indien. Der Liftvan war mit dem Schiff in Kalkutta (heute Kolkata) eingetroffen. Er war einfach auf den Lastwagen gekippt worden, so dass die schweren Sachen auf den zerbrechlichen und leichteren lagen. Aber dank der guten Verpackung hielt sich der Schaden in Grenzen. Es fehlte nur noch das Auto. Dieses kam mit einem anderen Schiff aus Hamburg. Name und ungefähre Ankunft in Kalkutta waren bekannt, es gab aber keine verlässliche Auskunft.

Einige Zeit später traf ich einen deutschen Ingenieur, der eine fast unglaubliche Geschichte zu erzählen wusste. Während er im Hafen von Kalkutta eine Maschine suchte, entdeckte er auf dem Dach einer Lagerhalle einen schwer beschädigten Wagen deutschen Fabrikats. Nach der Beschreibung konnte es sich nur um unser Auto handeln.

Mit den Papieren machte ich mich sofort auf den Weg. Im Hafen stellte sich heraus, dass es sich bei dem havarierten Fahrzeug tatsächlich um mein von Hamburg verschifftes Auto handelte. Was war passiert? Das Schiff, mit dem der Wagen verfrachtet wurde, hatte Kalkutta gar nicht angelaufen. Im Hafen von Chittagong war die für Kalkutta bestimmte Fracht auf ein anderes Schiff umgeladen worden und so stand mein Auto nach der Entladung unbeachtet auf dem Kai. Dort fing eine Jutesendung Feuer. Kurz entschlossen waren Trossen schnell um den Wagen gelegt und dieser auf das Dach einer Lagerhalle gehievt..

Das Auto wurde gerettet, aber die Karosserie total verformt. Nach Regelung der finanziellen und bürokratischen Angelegenheiten konnte der stark in Mitleidenschaft genommene Wagen in Empfang genommen werden.

In Deutschland hatte man nach Angaben der Spedition die Batterieverbindung unterbrochen und auch den Benzintank geleert. Das Auto hätte also fahruntüchtig sein sollen. Als ich aber den Zündschlüssel einsteckte und den Anlasser bediente, sprang der Motor sofort an. Der Treibstoff, der sich noch im Tank befand, reichte bis zur nächsten Tankstelle.

Ohne Zwischenfälle wurde die über tausend Kilometer lange Strecke nach Rourkela zurückgelegt. Der Wagen erhielt in mühevoller Kleinarbeit geschickter Mechaniker sein ursprüngliches Aussehen zurück und leistete fünf Jahre problemlos seinen Dienst.
Von Karl Heinz Buschmann