Erlebnisse, Anekdoten, Berichte und Erinnerungen – Geschichte erzählt

Frau Goethe
Von Brigitta Zaman

Einmal, nur einmal im Leben Frau Goethe sein, das war mir vergönnt. Ich lief über den Flur vor meiner Bibliothekstür im Goethe-Institut Karachi, als mir ein Besucher auffiel, der sich hilfesuchend umsah.

Ein Gast ist heilig, das lernt man nicht nur in islamischen Ländern; so war meine Frage "Can I help you?" selbstverständlich. Nach längerem Zögern: „You must be Frau Goethe!“ Es verschlug mir ein wenig die Sprache. Aber es war ein erhebendes Gefühl – nur musste ich ihn ja aufklären, wie lange Goethe schon in seligen Gefilden weilte, und hier neben der Tür stand der übliche weiße Alabasterkopf des Johann Wolfgang von Goethe.

Ja, verheiratet war er auch, seine Frau hieß Christiane; aber auch sie lebte (natürlich) nicht mehr. Sorry, sorry ... den ganzen Tag hatte ich Flügel und schwebte beglückt nach Hause. Christiane wird mir verzeihen.
Von Brigitta Zaman, ehemals Ortskraft-Bibliothekarin in Karachi, April 2011