Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek: ein stetig wachsendes Erfolgsmodell

An der Universitätsbibliothek Regensburg ist vor über zehn Jahren ein Service für Bibliotheken und Forschungseinrichtungen entstanden, der immer stärker genutzt wird und heute zu den größten Datenbanken für elektronische Zeitschriften weltweit gehört.
Während in der Welt der Finanzen EZB für Europäische Zentralbank steht, verbindet man diese Abkürzung in der Welt der Forschung und Lehre mit einem Service der Regensburger Universitätsbibliothek, der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek.
Die EZB bietet einen komfortablen, strukturierten und einheitlichen Zugang zu elektronisch erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Aufgenommen werden alle Zeitschriften, die Artikel im Volltext anbieten. Mittlerweile umfasst sie 34.000 Titel zu allen Fachgebieten – und sie wächst weiter: Allein im Jahr 2007 sind über 4.000 Titel hinzugekommen.
Wie beliebt dieser Service bei seinen Nutzern ist, zeigen die Zugriffszahlen. Mehr als 16 Millionen Nutzungen allein im Jahr 2007 sprechen für die große praktische Bedeutung der EZB.
Mehr Service durch Arbeitsteilung
Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek arbeitet als kooperativer Service. Die teilnehmenden Forschungseinrichtungen und Bibliotheken kooperieren bei der Sammlung der Titel und pflegen die Daten gemeinsam in einer zentralen Datenbank."Die Bibliotheken, die bei uns teilnehmen", erklärt Martin Scheuplein von der EZB, "haben sehr viele Online-Zeitschriften abonniert. Vielfach gibt es da Probleme, den Nutzern mitzuteilen, welche dieser Zeitschriften in der eigenen Einrichtung lizenziert ist."
In der EZB-Datenbank sind alle Informationen zu den Zeitschriften und Lizenzen hinterlegt. Ein Internet-Portal bietet den Nutzern komfortable Recherchefunktionen und ein leicht zu durchschauendes Ampelsystem zeigt an, ob der gesuchte Artikel frei zugänglich ist.
Ausbau eines Erfolgsmodells
Entstanden ist die EZB vor über zehn Jahren. Die Idee dafür kam aus der Universitätsbibliothek Regensburg. Mit Landesmitteln wurde damals ein Portal für elektronische Zeitschriften für bayerische Hochschulbibliotheken geschaffen. 1997 ging es online.
"Das System hat sich dann relativ schnell verbreitet", berichtet Martin Scheuplein. Die EZB erhielt zahlreiche Anfragen von Bibliotheken aus allen Bundesländern. Mit Fördergeldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesforschungsministerium wurde die EZB zu einem bundesweiten Service ausgebaut.
Mittlerweile sind mehr als 430 Bibliotheken im In- und Ausland an diesem Kooperationsprojekt beteiligt. Der Großteil sind deutsche Forschungseinrichtungen, doch auch Kollegen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei, der Schweiz, Italien, Kroatien, Polen, Rumänien und den USA arbeiten im Rahmen der EZB zusammen.
Konsequente Weiterentwicklung für die Nutzer
Der Erfolg des Projektes lässt die Verantwortlichen in Regensburg jedoch nicht müde werden. Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek wird kontinuierlich nach den Bedürfnissen der Nutzer erweitert und ausgebaut.Neben der Integration neuer Suchfunktionen erfolgten zuletzt auch Anpassungen an neue Lizenztypen. "Vor zehn Jahren hatte jede Bibliothek eigene Lizenzen, die wir in der EZB nachgewiesen haben", erläutert Scheuplein. "Mittlerweile gibt es ganz verschiedene Lizenzierungsmöglichkeiten. Ein Beispiel sind die sogenannten Konsortien, in denen sich Bibliotheken zusammentun und Lizenzpakete einkaufen; ein anderes Beispiel sind die Nationallizenzen der DFG. Für diese neuen Lizenztypen haben wir Funktionserweiterungen in der EZB geschaffen – um den Bibliotheken möglichst wenig Arbeit zu machen."
Gute Perspektiven für weitere Vernetzung
Zudem sind die Mitarbeiter der EZB rege dabei, ihr System mit anderen digitalen Bibliotheksangeboten zu vernetzen. Dazu wurde eine Schnittstelle geschaffen, die es ermöglicht, die EZB mit anderen Datenbanken zu verknüpfen. So gibt es in zahlreichen Bibliothekskatalogen und Fachdatenbanken, aber auch im interdisziplinären Wissenschaftsportal vascoda einen Link zu einer EZB-Zwischenseite, die über die Zugriffsrechte informiert und von der man schließlich zum gewünschten Zeitschriftenartikel gelangt.
Stark beschäftigt die Regensburger zurzeit ein von der DFG gefördertes Kooperationsprojekt mit der Zeitschriftendatenbank (ZDB) in Berlin, dem Nachweisinstrument für Zeitschriften in Deutschland. Ein Ziel des Projektes ist es, ein Produkt zu entwickeln, mit dem man die Verfügbarkeit sowohl gedruckter als auch elektronischer Zeitschriften recherchieren kann. Damit soll sich der Nutzer deutlich schneller als bisher darüber informieren können, auf welchem Weg er einen Zeitschriftenaufsatz beziehen kann – unabhängig davon, ob dieser in seiner Forschungseinrichtung als Online-Dokument oder in gedruckter Form vorliegt.
Elektronische Zeitschriften müssen von Bibliotheken teuer eingekauft werden. "Mittlerweile dürften die Lizenzen, die in der EZB verwaltet werden, einen Wert von mehreren hundert Millionen Euro haben", schätzt Scheuplein. Schmunzelnd fügt er hinzu: "Diese Summe ist zwar nur ein Bruchteil vom Tagesumsatz der großen EZB, doch dafür arbeiten wir effektiver. Während in Frankfurt mehr als 1000 Mitarbeiter damit beschäftigt sind, den europäischen Finanzmarkt zu betreuen, besteht unsere Infrastruktur lediglich aus vier Arbeitsplätzen, einem Hochleistungsserver, einigen Softwarekomponenten und vielen kreativen Ideen."
arbeitet als freie Publizistin in Bonn
Übersetzung: Edda Webels
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April 2008











