Digitale Bibliotheken

kulturerbe-digital.de: Das Informationsportal für Digitalisierungsprojekte

Copyright: Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Institut für Museumsforschung; EUBAMDr. Stefan Rohde-Enslin; Copyright: Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Institut für Museumsforschung; EUBAMWer sich über Digitalisierungsprojekte informieren will, die in deutschen Bibliotheken, Archiven und Museen sowie in der Denkmalpflege durchgeführt werden, ist bei kulturerbe-digital.de genau richtig.

Dass zwei Institutionen in Nürnberg zusammen eine Sammlung von 1.340 Handwerkerdarstellungen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert digital erschlossen haben, dass der erste und bis heute umfangreichste, aber unveröffentlicht gebliebene Atlas zur deutschen Sprache nun elektronisch publiziert wird, dass Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus in Audio- und Video-Interviews über eine Online-Plattform zugänglich gemacht werden – Informationen solcher Art sind nicht nur für diejenigen, die selbst ein Digitalisierungsprojekt in Angriff nehmen möchten, von großem Interesse.

Zu finden sind solche Projekte und deren Ansprechpartner über eine komfortable wie einfache Suchfunktion auf der Website "kulturerbe-digital.de". Das Informationsportal zu Fragen der Digitalisierung im Kulturbereich enthält mittlerweile über 830 Projekte von 562 Institutionen – und wächst ständig weiter.

Aktivitäten sichtbar machen und vernetzen

Copyright: Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Institut für Museumsforschung; EUBAMZwei Ziele beschreibt Dr. Stefan Rohde-Enslin für das Angebot, das er betreut: "Wir machen sichtbar, was im Bereich der Digitalisierung von Kulturgut passiert. Unser Informationsportal soll einen Überblick darüber schaffen, was an Digitalisierungsprojekten läuft. Das ist wichtig, wenn es beispielsweise darum geht, den Aufbau einer deutschen digitalen Bibliothek – und damit einen allgemeinen und leichten Zugang zu kulturellen und wissenschaftlichen Inhalten – strategisch zu planen."

Doch die Website ist nicht nur für die Entscheidungsebene – für Politiker und Kultusminister – von Bedeutung, sondern auch für die Praktiker: "Sie leistet Hilfe zur Vernetzung. Wenn jemand in Köln vorhat, historische Glasdias zu digitalisieren, dann gibt unsere Website Hilfestellung dabei, denjenigen in seiner Nähe zu finden, der so etwas Ähnliches schon einmal gemacht hat."

Mit ein paar Mausklicken findet man die richtigen Ansprechpartner – und zwar nicht nur für die technischen Herausforderungen, sondern auch bei Fragen zu Förderanträgen oder zur Organisation und Durchführung von Projekten. Denn: Neben den Nachweisen über laufende und abgeschlossene Projekte können auch Handreichungen, Arbeitsmaterialien und Richtlinien zur Digitalisierung von Kulturgut sowie Informationen zur Förderung und zu Förderern auf der Internetseite abgerufen werden.

Initiativen aus vier Kulturbereichen

Copyright: Digitalisierungszentrum der SLUB in DresdenDer Aufbau des Portals wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Getragen wird es von der EUBAM-Arbeitsgruppe (EUBAM steht für Europäische Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive, Museen und Denkmalpflege).

"Unser Projekt hat sozusagen zwei Füße", erläutert Rohde-Enslin. "Der eine Fuß ist eine von EUBAM erstellte Liste, der andere ist die Datenbank des ehemaligen Digital Library Forums, die die von der DFG oder vom Bundesforschungsministerium geförderten Digitalisierungsprojekten umfasste. Die Inhalte dieser beiden Sammlungen haben wir zusammengeführt und nun wächst darauf ein neuer Körper."

Zwar gibt es – so ist Rohde-Enslins Eindruck – in den vier Bereichen Bibliotheken, Archive, Museen und Denkmalpflege mittlerweile etwa gleich viele Projekte und Initiativen. "Doch die vier Sektoren sind verschieden. Im Bereich Bibliotheken werden einem die Informationen schon entgegengerufen, während man zum Beispiel bei den Museen etwas genauer hingucken muss. Doch wenn man das tut, entdeckt man ganz viel."

So vollständig wie möglich

Schnell wurde bei der Arbeit an der Datenbank aber auch deutlich, dass die Einteilung in die vier Bereiche im Grunde unzureichend ist. "Unter kulturerbe-digital.de finden Sie auch Projekte, die an Unis durchgeführt werden, und eine ganze Reihe von E-Learning-Projekten. Daneben gibt es Aktivitäten in privaten Firmenarchiven und vieles mehr."

Auch das ist ein Grund dafür, dass die Datenbank immer unvollständig sein wird. "Es passiert irrwitzig viel an ganz vielen Stellen. Wir können nichts anders tun, als der Vollständigkeit immer hinterherhecheln. Erreichen werden wir sie wohl nie."

Meldungen und Rückmeldungen der Nutzer

Copyright: Digitalisierungszentrum der SLUB in DresdenFür den kontinuierlichen Aufbau der Datenbestände sind die Portalbetreiber vor allem darauf angewiesen, dass die Verantwortlichen ihre Digitalisierungsprojekte selbst melden. Das Prozedere soll dabei in Zukunft einfacher werden. "Wir möchten das Portal partizipativer gestalten. Jeder soll dann sein Projekt direkt selbst eintragen können. Zudem planen wir weitere Elemente des Web 2.0, die unter anderem die Vernetzung der Projektleiter unterstützen sollen."

Daneben wünscht sich Stefan Rohde-Enslin mehr Feedback, das zeigt, an welcher Stelle die Nutzer Informationen vermissen oder wo sie Verbesserungspotenzial sehen. Denn: "Wir wollen nicht nur, dass kulturerbe-digital.de heftig genutzt wird, sondern auch dass es immer besser wird."

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion

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Juli 2008

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