Digitale Bibliotheken

Europeana.eu: Europas kulturelles Online-Gedächtnis

Zeitleiste von Europeana.eu; © Europeana.euLogo von Europeana.eu; © Europeana.euMona Lisas Lächeln, Beethovens Neunte, Shakespeares Sonette: Mit Europeana.eu sind digitalisierte Kulturschätze aus den europäischen Bibliotheken, Archiven und Museen nur einen Mausklick entfernt. Im April 2009 startete das Portal in seine zweite Phase.

„Kultur. Denken“: Mit diesem Slogan beschreibt Europeana.eu seine Ziele selbst. Das Portal verspricht nicht nur einen schnellen, einfachen Zugang zu den Kulturschätzen Europas. Es geht beim Projekt auch um deren Wirkung. „Europeana ist mehr als eine Bibliothek”, erklärte dementsprechend José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, bei der Eröffnung des Portals. „Sie inspiriert die Europäer des 21. Jahrhunderts dazu, der Kreativität ihrer innovativen Vorfahren nachzueifern.“

Bestätigung im Zusammenbruch

Zeitleiste von Europeana.eu; © Europeana.euAls der Prototyp des Portals Ende 2008 freigeschaltet wurde, bot er den Kulturinteressierten den freien Zugriff auf vier Millionen digitale Bilder, Texte, Tonaufnahmen und Videos aus 1.000 europäischen Bibliotheken, Archiven und Museen. Einen Tag später musste die Europeana vom Netz genommen werden: Sie war dem immensen Ansturm der Nutzer nicht gewachsen.

„Dabei hatten wir schon mit vielen Besuchern gerechnet”, erklärt Dr. Britta Woldering, die für die Deutsche Nationalbibliothek die Arbeiten an Europeana.eu koordiniert. Auf fünf Millionen Nutzer pro Stunde war der Prototyp ausgelegt. Tatsächlich waren es dann doppelt so viele. Einen Monat später wurde die Online-Bibliothek mit vervierfachter Serverleistung ein zweites Mal eröffnet. „Letztlich bewerten wir den Zusammenbruch heute als sehr positiv”, resümiert Woldering. „Schließlich wird daran deutlich, wie groß das Interesse ist.“

Die Technik für die Bilderflut

Mit dem Prototypen von Europeana.eu ist die erste Projektphase, die unter dem Namen EDLnet begann, abgeschlossen. Und mit der neu gegründeten „European Digital Library Foundation“ steht nun auch die Organisationsstruktur des Portals.

Inzwischen arbeitet man an einer „Europeana Version 1.0“. Sie soll den derzeitigen Prototypen bereits im Sommer 2010 ablösen. „Die Technik steht so weit”, sagt Woldering. „Jetzt kommt es darauf an, die Systemarchitektur so anzupassen, dass sie mit einer ständig wachsenden Menge von digitalen Objekten umgehen kann.“ Bis Mitte 2011 soll es dann vier weitere Versionen mit immer mehr Funktionen und besseren Suchmöglichkeiten geben.

Ein explodierendes Angebot

Vorläuferversion von Europeana.eu; © Europeana.euDie größte Herausforderung bleibt die schiere Masse, die die Europeana verarbeiten muss. Bis 2010 sollen zehn Millionen Bilder, Texte, Tonwerke und Videos aufgenommen werden. Gleichzeitg schreiten die Digitalisierungsaktivitäten in den kulturellen Institutionen der EU-Mitgliedsstaaten kontinuierlich voran. So wird wohl die Zahl der digitalen Objekte, auf die die Europeana in Zukunft verlinken wird, explodieren. „Überhaupt sind die Arbeitsabläufe in einem Unternehmen dieser Größenordnung nur handhabbar, wenn alle Beteiligten die existierenden Standards korrekt anwenden“, betont Britta Woldering.

Große Aufgaben sieht Woldering auch im Bereich der Lizenzierung: „Da gibt es noch einiges zu regeln, denn das Urheberrecht ist in Europa noch nicht harmonisiert.“ Auch über die langfristige Finanzierung des Portals wird noch verhandelt. „Wenn die Europeana ein nachhaltiger Service sein soll, dann brauchen wir Planungssicherheit“. Laut Wodering hat die EU-Kommission bereits die Hälfte der benötigten Mittel zugesagt, die sich 2011 voraussichtlich auf rund 2,7 Millionen Euro belaufen und bis 2015 auf etwa 3,6 Millionen Euro steigen werden. „Die andere Hälfte könnten dann die 27 EU-Mitgliedstaaten eventuell selbst aufbringen. Wir sind guter Dinge, dass das klappen wird.“

Was machen die Anderen?

Europapuzzle; © dpa/picture-allianceWie rasant sich Europeana.eu entwickeln wird, hängt vor allem von den sogenannten Aggregatoren ab. Das sind Portale, die das digitalisierte Material von einer ganzen Reihe von Institutionen sammeln und zugänglich machen. Ein Beispiel dafür ist The European Library, in dem die europäischen Nationalbibliotheken ihre digitalen Objekte bündeln. Nach ihrem Vorbild konzipieren zurzeit unter anderem die europäischen Filmarchive ihr Fachportal European Film Gateway, das der Europeana zuarbeiten wird.

Darüber hinaus werden in vielen EU-Staaten nationale Portale aufgebaut, so auch in Deutschland. „Die Deutsche Digitale Bibliothek steht kurz vor Abschluss der Planungsphase“, sagt Woldering. Bis zum ersten Prototypen wird es wohl aber noch mindestens zwei Jahre dauern. Was über Jahrhunderte hinweg an inspirierenden Kulturleistungen entstanden ist, lässt sich eben nur Schritt für Schritt digital erschließen.

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2009

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