Digitale Bibliotheken

Geisteswissenschaftliche Plattform mit Potenzial: perspectivia.net

Screenshot von perspectivia.net; © perspectivia.netScreenshot von perspectivia.net; © perspectivia.netPerspectivia.net ist eine internationale und interdisziplinäre Online-Publikationsplattform für die Geisteswissenschaften. Das Portal soll helfen, die wissenschaftliche Kommunikation weiterzuentwickeln und zu intensivieren – über alle Grenzen hinweg.

Um den inhaltlichen Austausch von Wissenschaftlern und deren weltweite Kommunikation zu fördern, haben sich in den letzten Jahren neue Modelle für die Publikation von Forschungsergebnissen entwickelt. Ein Beispiel ist die Max Planck Digital Library. Dort können Wissenschaftler, die an Einrichtungen der Max-Plank-Gesellschaft arbeiten, online publizieren.

Eine solche Online-Plattform gibt es nun auch im Bereich der Geisteswissenschaften. Perspectivia.net ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziertes Kooperationsprojekt der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA) und der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB).

Neun Institute – eine Publikationsplattform

Gudrun Gersmann; © Deutsches Historisches Institut (DHI)„Das Ziel unserer mehrsprachigen Publikationsplattform ist es, die exzellenten Forschungsleistungen der deutschen geisteswissenschaftlichen Institute im Ausland besser sichtbar zu machen und den internationalen Austausch zu intensivieren“, erklärt Gudrun Gersmann, die das Projekt leitet. Sie ist die Direktorin des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Paris.

Perspectivia.net ist im Herbst 2008 online gegangen. „Diese gemeinsame Publikationsplattform ist ein Serviceangebot für die neun Auslandsinstitute und ihre Kooperationspartner“, sagt Michael Kaiser, der stellvertretende Projektleiter und Redakteur des Portals. „Hier können wir die Ergebnisse der Institute bündeln. Gleichzeitig bleibt aber auch erkennbar, welches Institut – von Tokio bis Washington – für welche Forschungsaktivitäten steht und für welche Publikationen verantwortlich ist.“

Barrierefrei publizieren

DHI-Fachzeitschrift Francia; © Deutsches Historisches Institut (DHI)Perspectivia.net garantiert einen barrierefreien Zugang. „Wir fühlen uns dem Open-Access-Prinzip zur Förderung des freien wissenschaftlichen Austauschs verpflichtet“, sagt Kaiser. „Unsere Inhalte sind für jeden Interessierten gratis verfügbar. Sie können unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden – und so die internationale Forschung befruchten.“

Daher ist die Publikationsplattform für Gudrun Gersmann auch ein wichtiges Mittel zur Internationalisierung. „Am DHI Paris sind unter den Nutzergruppen auch zahlreiche frankophone Wissenschaftler, die keinen Zugriff auf hervorragende Bibliotheken haben. Sie arbeiten in Ländern, in denen eine Bibliothekskultur nur in einer ruinösen Form existiert. Die Möglichkeit, online etwa auf die Francia, die Fachzeitschrift des DHI Paris, zugreifen zu können, verbessert ihre Arbeitsbedingungen enorm.“

Bibliothekarisches Know-how

Magazin der Bayerischen Staatsbibliothek; © Bayerische StaatsbibliothekFür die Technik im Hintergrund hat perspectivia.net einen kompetenten Kooperationspartner gefunden. „Das Zentrum für elektronisches Publizieren der Bayerischen Staatsbibliothek München hilft uns dabei, die Texte so aufzubereiten und zu erschließen, dass sie über Suchmaschinen und Bibliothekskataloge optimal recherchierbar sind“, sagt Kaiser. „Daher brauchen wir diese bibliothekarische Expertise unbedingt.“

Daneben ist die Bayerische Staatsbibliothek auch für die sehr wichtige Frage der Langzeitarchivierung verantwortlich. „Schließlich sollen die Daten nicht nur ein paar Jahre verfügbar sein“, wie Kaiser betont, „sondern prinzipiell bis ans Ende der Welt."

Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft

Screenshot von perspectivia.net; © perspectivia.netAuf Perspectivia.net können alle klassischen wissenschaftlichen Publikationsformen realisiert werden. Hier erscheinen Zeitschriften, Buchreihen, Monographien, Rezensionen, Sammelbände, Vorträge und Tagungsdokumentationen. Dabei werden zum einen Texte publiziert, die eigens für das Portal geschrieben wurden; zum anderen werden aber auch in erheblichen Umfang bereits gedruckte Publikationen der Institute im Nachhinein digitalisiert und online zur Verfügung gestellt.

„Natürlich ist zum Beispiel auch die Publikation von Quelleneditionen oder von audiovisuellen Dateien möglich“, erklärt Michael Kaiser. „Hier sind noch längst nicht alle reizvollen Möglichkeiten, die das Medium bietet, ausgeschöpft.“ Für den stellvertretenden Projektleiter und Redakteur des Portals ist dies auch nicht verwunderlich: „Schließlich sind wir erst seit neun Monaten online. Aber für die Weiterentwicklung des Portals wünschen wir den Fachkollegen noch mehr Offenheit und Mut, neue Wege zu beschreiten. In perspectivia.net ist noch viel mehr drin."

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009

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