Beispielgebende Innovationskraft: die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) gehört mit ihrem Bestand von über 6 Millionen Medieneinheiten zu den größten wissenschaftlichen Bibliotheken in der Bundesrepublik – und ist eine der innovativsten.
Als Goethe 1801 die Göttinger Universitätsbibliothek besuchte, um „die Lücken des historischen Teils der Farbenlehre […] abschließlich auszufüllen“, zeigte er sich begeistert. In seinen Tag- und Jahresheften rühmt er neben den Beständen vor allem die Kompetenz und Hilfsbereitschaft der Bibliotheksmitarbeiter, die dafür sorgten, dass Goethe seine Zeit in Göttingen „mit dem größten Nutzen“ verbringen konnte.
Auch heute setzen sich die mittlerweile rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen dafür ein, die Nutzer bei Forschung und Lehre so umfassend wie möglich zu unterstützen. Und so belegt die SUB Göttingen seit Jahren im bundesweiten Bibliotheksranking BIX regelmäßig einen der Spitzenplätze in ihrer Kategorie der zweischichtigen Universitätsbibliotheken, also von Einrichtungen, die mehrere Teilbibliotheken umfassen. 2002 wurde sie vom Deutschen Bibliotheksverband sogar zur „Bibliothek des Jahres“ gewählt.
Umfassende Unterstützung für Forschende
Die SUB Göttingen ist ständig dabei, ihre Dienstleitungen für Studierende und Forschende weiterzuentwickeln. „Dabei arbeiten wir besonders eng mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen“, erklärt Norbert Lossau, der die Bibliothek seit 2006 leitet.
Beispiele für diese enge Kooperation sind der Göttinger Universitätsverlag, der die Wissenschaftler der Hochschule beim elektronischen wie printbasierten Publizieren ihrer Forschungsergebnisse unterstützt, oder das Großverbundprojekt zum Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung für die Geisteswissenschaften (TextGrid), aber auch das neue, fakultätsübergreifende Zentrum der Universität Göttingen, das Göttingen Centre for Digital Humanities, in dem die SUB als Ko-Trägereinrichtung fungiert.
Ausbau der digitalen Bibliothek
Die im Jahre 1734 gegründete Bibliothek betreut im Rahmen des Sondersammelgebietsprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft 17 Fachgebiete – darunter Anglistik, Geschichte, Politik und Verfassung des angloamerikanischen Kulturraums, Forstwissenschaften, Geografie und reine Mathematik. Für ihre Sondersammelgebiete entwickelt sie virtuelle Fachbibliotheken, die traditionelle Bibliotheksmedien und elektronische Materialien zu einem nahtlosen Fachinformationssystem verbinden.
Die SUB arbeitet zudem konsequent und kooperativ am Ausbau und an der Ausgestaltung der digitalen Bibliothek. Mit weiteren 13 wissenschaftlichen Bibliotheken ist sie seit 2002 am Projekt DigiZeitschriften beteiligt, in dessen Rahmen wissenschaftliche Fachzeitschriften digitalisiert und Forschern in aller Welt über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Heute stehen 155 Zeitschriftentitel aus 19 Disziplinen online.
Gutenberg digital
Zudem engagiert sich die Bibliothek stark auf dem Gebiet der dauerhaften Archivierung digitaler Objekte – etwa in nestor, dem deutschen Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung. Das Göttinger DigitalisierungsZentrum (GDZ) wirkt als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum weit über die Grenzen Niedersachsens und der Bundesrepublik hinaus. Es entwickelt prototypische Systeme, übernimmt Dienstleistungen für andere Bibliotheken und digitalisiert seltene Bestände der Bibliothek selbst. Ein Beispiel dafür ist die Göttinger Gutenberg-Bibel, die im Februar 2002 in das UNESCO-Verzeichnis „Memory of the World“ aufgenommen wurde. Die 1.282 Seiten der auf Pergament gedruckten Bibel – das wertvollste Stück aus dem Göttinger Bestand von rund 3.100 Inkunabeln – sind im Internet zugänglich.
Nationale wie internationale Kooperationen
Eine beispielhafte Innovationskraft strahlt die Abteilung Forschung & Entwicklung der Bibliothek aus. Sie arbeitet weltweit mit zahlreichen Partnern in unterschiedlichsten Kooperationsprojekten zusammen, um neue, zukunftsorientierte Dienstleistungen zu entwickeln, die im digitalen Informationszeitalter allen Nutzern zugute kommen.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von nationalen, aber auch internationalen Standards. Das geschieht etwa im Rahmen der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI), deren Geschäftsstelle an der SUB angesiedelt ist. Hier arbeiten Bibliotheken, Medien- und Rechenzentren mit vereinten Kräften an der Entwicklung von Informationsinfrastrukturen an den Hochschulen.
In dieser Richtung soll es auch in Zukunft weitergehen. „Dafür wünsche ich mir eine verlässliche, gute Grundausstattung für Personal und Finanzen. Nur so können wir wesentliche Services weiterhin qualitativ hochwertig anbieten und zugleich Innovationen im Schwerpunktbereich ‚Digitale Information’ über den Rahmen von Projektförderungen hinaus nachhaltig verstetigen“, sagt Norbert Lossau.
„Man fühlt sich wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet“, so beschrieb Goethe seinen Aufenthalt an der Bibliothek der Universität Göttingen. Gut 200 Jahre später sind, neben den Beständen, vor allem die Kompetenz und Innovationsfreude der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das große Kapital der Bibliothek.
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Oktober 2010
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Links zum Thema
- Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen


- Göttinger Universitätsverlag


- TextGrid

- Göttingen Centre for Digital Humanities

- nestor, deutsches Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung


- Göttinger DigitalisierungsZentrum


- Gutenberg digital – Göttinger Gutenberg-Bibel


- Projekt DigiZeitschriften


- Deutsche Initiative für Netzwerkinformation














