„Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“: Gabriele Beger zieht Bilanz

Mit „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ fand Ende 2008 erstmals eine bundesweite Aktionswoche für Bibliotheken statt. Die Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) Gabriele Beger zieht Bilanz – und blickt in die Zukunft: Die nächste Aktionswoche wird vom 6. bis 13. November 2009 stattfinden.
Frau Beger, welches Ziel hat „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ verfolgt?
Wir wollten auf die Bedeutung von Bibliotheken in unserer Gesellschaft aufmerksam machen und die Politik dafür sensibilisieren, dass Bibliotheken ihre Aufgaben nicht ohne eine verlässliche Finanzierung erfüllen können. Wir wollten dies aber nicht durch Statements oder gar Jammern tun, sondern mit vereinten Kräften zeigen, was wir leisten können.
15.000 Stunden Programm
Was ist in der Aktionswoche alles gelaufen?
Wir hatten über 4.500 Veranstaltungen in ganz Deutschland – insgesamt 15.000 Stunden Programm mit Autorenlesungen, Bibliotheksnächten, Ausstellungen, Gesprächsreihen, Mitmachaktionen und vielem mehr.
Was hat Sie am meisten gefreut?
Dass sich sehr, sehr viele Bibliotheken an der Aktion beteiligt haben. Und auch die erfolgreiche Pressearbeit. Bibliotheken zu vermarkten ist sehr schwer, und es ist auch nicht leicht, mit einer Kampagne Interesse zu wecken. Aber es ist uns gelungen, dass große Zeitungen wie „Die Zeit“ mit kostenlosen, großformatigen Annoncen für die Kampagne geworben haben.
Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden. Der Pressespiegel ist beachtlich. Es gab über 190 Berichte über die Bibliothekswoche. Und zum Abschluss der Kampagne brachte das Deutschlandradio Kultur zur besten Sendezeit eine Talkshow zum Thema Bibliotheken.
Wir haben auch sehr viel Feedback aus Behörden und anderen politischen Kreisen bekommen. Besonders froh sind wir natürlich, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Finanzierung der Kampagnen für 2009 und 2010 zugesagt hat.
Der Anfang war erfolgreich
Haben sich Ihre Erwartungen also erfüllt?
Ja. Aber wir sind uns auch bewusst, dass das erst ein Anfang war. Man kann sicher vieles noch besser machen.
Was muss sich verbessern?
Unsere Evaluation hat zum Beispiel ergeben, dass unsere Plakate, auf denen Prominente zu sehen waren, zu Irritationen geführt haben. Die Leute dachten zum Teil, dass diese Prominenten bei den Aktionen vor Ort anwesend wären. Gerade aus kleineren Kommunen kam auch der Wunsch nach mehr Mustern für die lokale Pressearbeit. Zudem wurde der Zeitpunkt der Aktionswoche kritisiert, weil sie in mehreren Bundesländern in die Schulferien fiel.
Migration als Schwerpunkt
Zurzeit planen Sie bereits die nächste Aktionswoche ...
Die nächste Kampagne wird vom 6. bis 13. November 2009 stattfinden. Diesmal ist der Vorlesetag, den die Stiftung Lesen jedes Jahr veranstaltet, der Schlusspunkt der Kampagne.
Wird es diesmal ein Motto oder ein anderes Konzept für die Veranstaltungen geben?
Auf jeden Fall soll die Vielfalt der Veranstaltungsformen erhalten bleiben. Sie zeigt ja letztlich, wie vielfältig die Leistungen der Bibliotheken sein können.
Wir wollen allerdings die Bibliotheksleistung vor dem Hintergrund von Migration stärker herausstellen. Die jüngste Studie der Stiftung Lesen zum Leseverhalten in Deutschland von 2008 hat gezeigt, dass die Bibliotheken Institutionen sind, die von allen Bürgern gleichermaßen angenommen werden. Bürger mit Migrationshintergrund besuchen Bibliotheken genauso oft, wenn nicht sogar häufiger, als originäre deutsche Bürger. Wir sehen darin eine große Verantwortung für die Bibliotheken.
Per Bücherzug nach Österreich
Gibt es Pläne für eine internationale Zusammenarbeit?
Wir haben die Grundidee für die Kampagne ja von unseren österreichischen Kolleginnen und Kollegen übernommen. Jetzt überlegen wir, ob wir uns terminlich schrittweise annähern können. Eine Idee ist dabei, einen Zug von Deutschland nach Österreich fahren zu lassen, der die Kampagne weiterträgt. Auch andere europäische Staaten überlegen, Bibliothekskampagnen zu starten.
Welche Tipps würden Sie ihnen geben?
Macht es nicht ad hoc, bereitet es gut vor. Wenn man einmal begonnen hat, muss man die Gewissheit haben, dass man eine solche Kampagne auch die nächsten Jahre realisieren kann.
Das steht und fällt natürlich mit der Finanzierung. Man braucht einen verlässlichen Partner. Die Mittel, die man dafür zentral aufbringen muss, sind nicht unerheblich. Allein für die Koordination der Aktionswoche haben wir aus den Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine halbe Stelle eingerichtet. Die Finanzierung einer solchen Kampagne lässt sich jedenfalls nicht mit ein paar Sponsoringbriefen erledigen.
führte das Gespräch. Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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Mai 2009
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