Bibliotheken in Deutschland – Fachdiskussion

Open-Access-Modelle – neue Wege für Wissenschaftsverlage

Logo von Open Access; © openacces.netLogo von Open Access; © openacces.netWas noch vor wenigen Jahren in vielen Verlegeraugen als Schreckgespenst daherkam, gehört heute für die meisten Wissenschaftsverlage zum Alltagsgeschäft. Mit neuen Geschäftsmodellen sind qualitätsgesicherte Publikationen und Open Access kein Widerspruch.

Es mag paradox klingen: Wenn im August 2010 der erste Band der Reihe Topoi. Berliner Studien der Alten Welt im Verlag De Gruyter erscheint, dann macht der traditionsreiche Berliner Wissenschaftsverlag einen großen Schritt in eine neue Welt.

Gleichzeitig mit dem Erscheinen des Buchs nämlich werden die hier gebündelten Forschungsergebnisse des Exzellenzclusters „Topoi“ auch in digitaler Form im Internet frei zugänglich gemacht. „Diese Buchreihe ist für uns ein Pilotprojekt für eine Verbindung des Open-Access-Gedankens mit der verlegerischen Betreuung von wissenschaftlichen Publikationen“, erläutert Sven Fund, der Geschäftsführer von De Gruyter.

Mit Open Access Geld verdienen

Cover von „Babylon“ des Exzellenzclusters „Topoi. Berliner Studien der Alten Welt“; © De Gruyter VerlagDie Diskussion um Open-Access-Publikationen wird in Deutschland vor allem in den Geisteswissenschaften noch sehr kontrovers geführt. Allenthalben stößt die recht junge Publikationsform – bei Wissenschaftlern wie Verlegern – auf Vorbehalte. Doch immer mehr Wissenschaftsverlage stellen sich der neuen Herausforderung. Sie entwickeln Geschäftsmodelle, die auf die politische Forderung der Wissenschaftsorganisationen antworten. Und die lautet: Die Ergebnisse der aus öffentlichen Geldern finanzierten Forschung sollten kostenfrei für alle zugänglich sein.

„Wir nehmen die Forderung nach Open Access nicht als eine Gefährdung wahr. Aber natürlich muss klar sein, dass Open Access nicht bedeuten kann, dass die Verlage ihre Dienstleistungen kostenfrei zur Verfügung stellen“, erklärt Fund. Seiner Meinung nach sehen „alle Verlage, die bereits mit Open Access Erfahrung gesammelt haben, dass das ein faires, transparentes Modell sein kann, mit dem man auch Geld verdienen kann.“

Keine Kosten für den Nutzer

Open Access-Plattform des Springer Verlags; © Springer VerlagDas Open-Access-Modell, das De Gruyter vor einem Jahr präsentiert hat, heißt „De Gruyter Open Library“. Es sieht vor, dass aus allen Publikationen, also Zeitschriften wie Büchern, Beiträge gegen Autorenbezahlung online freigeschaltet werden können – und zwar ab dem Zeitpunkt, zu dem das Werk gedruckt oder als E-Book vorliegt. „Das Besondere an unserem Modell ist, dass wir die Open-Acces-Erlöse nutzen, um den Ladenpreis unserer Publikationen zu senken“, sagt Sven Fund. Dabei zahlen die wissenschaftlichen Autoren den Beitrag für Open Access in den seltensten Fällen selbst. Meist wird er von Forschungsförderungseinrichtungen übernommen.

Ein ganz ähnliches Modell bietet auch der Springer Verlag an. Bereits seit Sommer 2004 haben die Autoren die Wahl zwischen dem althergebrachten Subskriptionsmodell und dem neuen „Springer Open Choice“. Auch hier trägt dann der Autor und nicht der Nutzer die Kosten für den verlegerischen Service und der jeweilige wissenschaftliche Beitrag steht der Öffentlichkeit frei zur Verfügung.

Sven Fund; © De Gruyter VerlagDie Bedenken, dass die Verlage bei selbst bezahlten Beiträgen die Qualitätskontrolle aussetzen könnten, zerstreut Sven Fund schnell. „Kein renommierter Verlag kann es sich leisten, schlechte Qualität zu publizieren. Damit würde man Zeitschriften und Buchreihen selbst zerstören.“ Jeder Beitrag durchlaufe nach wie vor einen Prozess der Qualitätssicherung und werde durch eine Peer Review beurteilt. „Wenn ein Beitrag bei uns eintrifft, wissen wir noch gar nicht, ob er auch ‚open access‘ erscheinen soll. Die Autoren müssen darüber erst bei der Autorenkorrektur – also ganz am Ende des verlegerischen Prozesses – entscheiden.“

In Zukunft alles Open Access?

Open Access-Plattform des Springer Verlags; © Springer VerlagBei De Gruyter hat man mit der „Open Library“ gute Erfahrungen gemacht. Das Modell werde überall dort sehr stark angenommen, wo der Einfluss von Förderorganisationen relativ groß ist – so zum Beispiel bei den Exzellenzclustern der DFG. Und wie geht die Entwicklung weiter? Für Sven Fund liegt die Zukunft weiterhin in hybriden Modellen, die mit einer Art Mischkalkulation arbeiten. Er ist skeptisch, ob Publikationsmodelle, die ausschließlich über die Forschungsförderung finanziert werden, eine dauerhafte Lösung sein können.

„Es gibt zwar heute schon einige wissenschaftliche Bereiche, in denen ausschließlich Open Access publiziert wird“, erläutert Fund. „Doch das sind extrem kleine, hochspezialisierte Nischen, wie zum Beispiel die Hochenergiephysik“, erläutert Fund. Und so bleiben die Wissenschaftsverlage wohl noch für einige Zeit zumindest mit einem Bein in der alten Welt.

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2010

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