Fußball

Zeichnung auf grünem Grund

Legs of a Football Player/ Beine eines FußballspielersLegs of a Football Player/ Beine eines FußballspielersWenn für die Kunst Kasimir Malewitschs schwarzes Quadrat das abstrakte, absolute Nichts ist, aus dem heraus sich die Malerei der Moderne entwickelt, ist für den Fußball das grüne Rechteck des Rasens der Nullpunkt, auf dem sich das große Spiel entfaltet.

Dass das Fußballfeld mit seinen Abmessungen von 100 x 65 Metern einem überdimensionalen Bild ähnelt, ist in diesem Zusammenhang bezeichnend. Fußball ist vor allem zunächst einmal Fläche und Linie, und das Spiel kollektive Zeichnung: Seitenlinie, Halbkreis, Torlinie, Elfmeterpunkt, Eckpfosten, ja das Torgehäuse selbst, sind geometrische Kategorien, die das grüne Rechteck gliedern.

Das Spiel ist eine Komposition aus Strichen und Kreisen, die von den Spielern, vom Trainer und manchmal auch vom Zufall entworfen werden. Leidenschaft, Kraft, Eleganz und Intuition sind Kategorien, die lediglich dabei helfen, die richtige Linie zu finden. Die schönste, zwingendste und dynamischste Zeichnung, welche die gegnerischen Linien durchbricht, gewinnt schließlich. Um diese ideale Linie ging es schon Wassily Kandinsky, einem der größten Zeichner, der in unzähligen Studien den Stellenwert eines jeden Punkts und einer jeden Kurve analysierte. Aus diesen unfertigen Übungen entstand dann letztlich das große Gemälde, die überragende Komposition. "Ein großes spitzes Dreieck in ungleiche Teile geteilt, mit der spitzesten, kleinsten Abteilung nach oben gewendet - ist das geistige Leben schematisch richtig dargestellt" (1). Bei der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1978 entstand das Tor beim 1:0 - Sieg Italiens über Argentinien aus einem perfekt gezeichneten Dreieck, in dem sich die gegnerische Abwehr verlor.

Der Fußballtrainer experimentiert mit verschiedenen Aufstellungen und taktischen Anordnungen, sei es das klassische 1-2-3-5, das moderne 1-4-4-2 oder gar wie in den 40er Jahren bei Argentinien das kuriose 1-10, bei dem jeder Spieler jede Position wahrnahm.

In Kunst und Fußball wird der Raum, der zwar begrenzt ist, aber eine unendliche Zahl von Kombinationen und Konfigurationen zulässt, ständig gegliedert, wieder aufgebrochen und neu geordnet. Je freier, unberechenbarer die Anordnung, desto besser. Linien, die nicht tragen, werden aufgelöst, Unsicherheiten übermalt, Striche verstärkt.

Fußball und Kunst sind letztlich eine Wettstreit zeichnerischer Systeme.

In der Kunst gilt die Zeichnung als frei fließendes und nach allen Seiten hin offenes Medium. Mithilfe der Zeichnung stellt sich der Künstler in einem Akt urtümlicher Mitteilung der Welt. Zeichnung ist ständig in Bewegung und schwer fassbar. Man sieht nicht das Ding selbst, sondern seine Andeutung, die Möglichkeit seiner Vollendung lediglich. Ihr Anspruch auf Unvollständigkeit und ihr altertümlicher handwerklicher Charakter fordern Technologie und Wissenschaft heraus und schaffen ein Gegenmodell zur verwalteten Welt. Die Zeichnung verkörpert die geträumte Welt des Künstlers und baut eine Brücke zwischen seiner Imagination und jener des Betrachters. Kein Wunder, dass die Zeichnung gerade heute wieder ein privilegiertes Medium der Gegenwartskunst geworden ist. Wer fühlte sich bei der Aufzählung dieser Merkmale nicht auch an den Fußball erinnert?

Robert Mangolds Serie "Column Paintings" (2002) besteht aus geometrischen Kreisen und Linien, die sich zunächst voneinander abwenden und sich dann allmählich auf gegnerisches Terrain vorwagen um, endlich, ganz ineinander verschlungen, ein sanftes Spiel von Wellenbewegungen zu beginnen.

Julie Mehretus Bild "Rise of the New Suprematists" scheint alle Zeichnungen eines imaginären Spiels zu akkumulieren und übereinander zu legen. Kurzpassspiel und lange Flanken kreuzen sich. Einzelaktionen und kollektive Anstrengungen lösen sich ab. Bald rotten sich wie im amerikanischen Football kleine Grüppchen zusammen, bald zerfallen alle gut einstudierten Formationen. Ihre Sinfonie aus organischen Linien und Farbfetzen gruppiert sich ständig neu in einer jähen Abfolge von Missklängen und Wohlklängen, die mal kleine Explosionen auslösen, dann wieder neue Energie sammeln, um sich endlich, wenn genügend kritische Masse hergestellt ist, in wütenden Blitzen zu entladen, die über den Bildrand hinausschießen.

Gemälde und Fußballplatz sind von rigiden Außenlinien begrenzt, die sie von der sog. realen Welt trennen, wobei offen bleibt, wo genau die Wirklichkeit beginnt und wo Leinwand bzw. Rasen aufhören, oder umgekehrt, wo die Realität endet und Spiel und Kunst ihren Anfang nehmen. Maler und Fussballspieler arbeiten sozusagen am Rand der Welt.

Die Parallelen erschöpfen sich jedoch nicht in der Formensprache. Beide transzendieren den Alltag und schaffen einen "idealen Planeten"(2).

Zu dieser Gleichsetzung von Bild und Fußballfeld passt auch, dass auf beiden Flächen symbolische Werte verhandelt und Metaphern geschaffen werden:Wie das Kunstwerk seine eigene Welt eröffnet, ist auch der Fußball im ureigensten Sinn des Worts "Weltanschauung". Und wie die Kunst die "gewohnten Bezüge zur Welt und zur Erde verwandelt" (3), verrückt auch der Fußball unsere Wahrnehmung der Welt.

Dort, wo die Kunst die Zeichnung verlässt und in die dritte Dimension vorstößt, trifft sie wiederum auf den Fußball, der plastischsten Sportart überhaupt. Abwehrreihen werden wie Skulpturen aufgestellt und Dribbelkünstler wie Götzen verehrt. Roberto DaMatta schreibt: "Der Gebrauch des Fußes erzwingt, anders als der Gebrauch der Hand, die Einbeziehung des ganzen Körpers, wobei sich besonders die Beine, die Hüfte und die Taille hervortun, Körperteile, die in der brasilianischen Gesellschaft äußerst symbolbefrachtet sind." (4)

Paradoxerweise ist der gelungene Torschuss der große Spielverderber, da er jenen dramatischen Moment festhält, wo der Ball im Netz physisch die Grenzlinie überquert und den freien, nichthierarchischen Raum des Spiels verlassen hat. Damit ist die Niederlage eingeleitet, die in der realen Welt ständig lauert. Auch für den Torschützen ist es meist nur ein Pyrrhussieg, denn im nächsten Moment kann seine Mannschaft dasselbe Schicksal ereilen.

Von der Warte der Kunst aus betrachtet, ist also das 0 : 0 Unentschieden das ideale Ergebnis, weil es allen Akteuren den traumatischen Absturz erspart und einen antihegemonialen Zustand garantiert. Nur solange kein Tor fällt, ist das Spiel "reines, uninteressiertes Wohlgefallen" (Kant) und "nutzlos" wie die Kunst, was aber beileibe nicht heißen soll, dass beide überflüssig wären.

Aus der Tiefe des Raums

Fußball und Kunst fördern Bilder zutage, die aus der Tiefe des Raums kommen, um eine schöne Metapher des deutschen Fußballs zu benutzen. Ein Vorstoß aus diesem Niemandsland hat immer etwas Sublimes an sich. Raum bezeichnet hier nicht in erster Linie eine physische, sondern eine abstrakte, spirituelle Dimension. Die Tiefe des Raums scheint ins Bodenlose, ja ins Unendliche verlängert zu sein, wo Unterbewusstsein, Imagination und das kollektive Gedächtnis der Menschen angesiedelt sind. Künstler und Spieler loten dieses Inkommensurable immer wieder aufs neue aus. Vorstöße aus der Tiefe des Raums haben deshalb in Fußball wie in Kunst immer etwas Unvorhersehbares und Rätselhaftes an sich.

Wer sich in ein abstraktes Bild von Mark Rothko versenkt, gewahrt diese Tiefe, aus der ein unaufhörlicher Energiestrom zu fließen scheint, und wer den Spielaufbau einer guten Mannschaft betrachtet, wird eine ähnlich magische Anziehungskraft spüren. Anmut, Seele und Wunder sind religiöse Begriffe, die nicht umsonst auch in der Welt des Fußballs immer wieder auftauchen. Fußball und Kunst schaffen aber auch einen neuen Begriff von Zeit. Die reale Zeit wird für die Dauer des Spiels bzw. des Kunstgenusses aufgehoben.

Die Tiefe von Raum und Zeit hat aber noch eine weitere Konsequenz fürs Spiel: Gelingen und Misslingen liegen extrem nahe beieinander. Wolfgang Welsch spricht von der "Kontingenz" (5) des Fußballs. In jedem Moment steht alles auf der Kippe, und das Blatt kann sich augenblicklich wenden. Ob ein 50 Meter- Traumpass wirklich ankommt, kann von winzigen Details abhängen, einschließlich der Witterung. Auch in der modernen Kunst spielen Zufälligkeiten eine Rolle, etwa wenn der Künstler ein "work in progress" unternimmt oder wenn das Publikum in eine künstlerische Aktion miteinbezogen wird. Selbst in sog. autonomen Werken wie etwa einer Fotografie werden sich gelegentlich kleine Fehler technischer Art oder nicht gewollte Unregelmäßigkeiten einschleichen, die sich dem Willen des Künstlers entziehen.

"Das Leben eines Fußballspielers beginnt mit einem Ball aus alten Socken. Niemand außer dem lieben Gott weiß zu sagen, wer über das Schicksal dieser magischen Verbindung zwischen Kind und Spielzeug gebietet. Was wir jedoch mit Sicherheit wissen, ist, dass eines schönen Tages durch wundersame Fügung dieser Stoffball sich in eine Kristallkugel verwandelt. Und diese, jetzt schon mehr Fee als Spielzeug, ist es, die dem Jungen sagt, wie das Abenteuer seines Lebens ausgehen wird." (6)

Kunstfußball gegen Kraftfußball (futebol arte vs futebol força)

In keinem anderen Land hat der Fußball einen ähnlich hohen Kunststatus und ästhetischen Reiz erreicht wie in Brasilien. Tatsächlich ist diese Sportart im Land des fünfmaligen Weltmeisters zu einem Kulturgut (patrimônio) geworden, das nicht weniger Wertschätzung genießt als die Tempel der Hochkultur. Dem Kraftfußball der Europäer setzen Brasilien und Lateinamerika den Kunstfußball entgegen. Nirgendwo sonst ist das Fußballspiel so sehr zum Symbol fürs Mysterium des Lebens geworden. Fußball ist Teil der Gesellschaft, und die Gesellschaft spiegelt sich in komplexer Weise im Spiel wider, weshalb der Fußball, ebenso wie der Karneval, als ernstzunehmende Angelegenheit gilt. Er ist also beileibe kein Opium fürs Volk, sondern eine seltene Form mündigen Bürgersinns (cidadania) und gelungenen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ein Baustein in der positiven Geschichte des Landes, die ohne Ressentiments und Verletzungen erzählt werden kann: "Stärker als unsere Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und unsere Philosophie, ja stärker als unsere Kunst und Literatur ist es der Fußball, der einen privilegierten Raum eröffnet, in dem die Themen unseres zukünftigen Schicksals verhandelt werden. Dieser Raum handelt nicht nur von der anonymen Menge, die nie einen Bürgermeister, Abgeordneten oder Richter findet, wenn er gebraucht wird, sondern vor allem von einer fundamentalen symbolischen Möglichkeit. Denn im Fußball (und im Sport allgemein) ergibt sich die Gelegenheit, einen ideologischen Code in einen visuellen, auditiven, taktilen und körperlichen Code zu verwandeln, womit die eigentliche Erfahrung des Menschseins erfasst wird."(7)

Es ist kein Wunder, dass angesichts dieses politischen und ästhetischen Potenzials einige der größten brasilianischen Dichter und Denker den Fußball gepriesen haben. José Lins do Rego sieht den Fußball als Orakel, in dem sich die ganze brasilianische Gesellschaft offenbart, Nelson Rodrigues als Apostolat und Gilberto Freire als irrationalen Impuls auf der ständigen Suche nach Sublimierungen. Das Fußballportugiesisch enthält zahlreiche Ausdrücke, die der Kunst entlehnt sind. "O jogador faz uma pintura"oder "ele pinta o sete" sind Beispiele, wo aus dem Fußballspieler ein Maler wird. Attribute wie elegant, subtil, genial oder raffiniert, die benutzt werden, um einen Roman, einen Film oder ein Gemälde zu beschreiben, finden auch auf den Fußball Anwendung.

Roberto DaMatta vergleicht den Fußball mit einer riesigen Leinwand, auf die nicht nur ein "technisches Drama" projiziert wird, sondern auch ein subtiles Geflecht von Anspielungen auf soziale Beziehungen, Leben und Schicksal. "Wer in die hintersten Ecken unseres Landes vordringt, wird zwei vorherrschende Bezugspunkte der Menschen beobachten: einer gilt der Kirche auf dem Hügel, der andere dem Fußballplatz in den Wiesen des Tals." (8)

Politisch gesehen ist der Fußball dadurch vorbildlich, dass seine Regeln für alle gelten. Er ist ein gerechter und demokratischer Zustand, der längst nicht in allen Bereichen der Gesellschaft vorhanden ist, wo "Fouls" an der Tagesordnung sind. Im Fußball wird niemand durch Abstammung, Gönner oder Regierungsdekret befördert. Was zählt, ist allein die individuelle Leistung. Die Moral des Wettkampfs ist zwingender als der kategorische Imperativ.

Aus diesem Grund war der Fußball in Brasilien für die ärmeren Bevölkerungsschichten immer schon ein Sprungbrett, um dem Stigma der Niederlagen und des Elends zu entkommen. Fußball ist also zutiefst sozial. "Im Reich der Abstraktion ist jede Form gleichberechtigter Bürger", schrieb Kandinsky.

Dazu kommt, dass der Fußball wie auch die Künste eine seltene Plattform bieten, wo die sog. Dritte Welt den wirtschaftlich entwickelteren Ländern auf gleicher Augenhöhe begegnen kann.

Passionsgeschichte Fußball

"Alles, was ich über England und Europa weiß, habe ich nicht in der Schule gelernt, sondern bei Auswärtsspielen meiner Mannschaft und im Sportteil der Zeitung. Und die Hooligans haben mir Soziologie beigebracht" (9), schreibt der englische Schriftsteller Nick Hornby in "Fever Pitch", einer kleinen Passionsgeschichte des Fußballs, in der er in fast religiösem Eifer die Höhen und Tiefen im Leben eines Fans von Arsenal London nachzeichnet. Nicht der Sieg der eigenen Mannschaft steht dabei im Mittelpunkt - obwohl ein Tor in letzter Minute fast orgiastische Zustände auslösen kann -, sondern der Fußball als alternativer Way of Life. Von Zusammengehörigkeitsgefühl ist die Rede, von Glauben, Katharse, Frustration und geheimer Erfüllung. Einem verlorenen Spiel nachzutrauern ist genauso sinnlos, wie den Tod von King Lear zu beklagen.

Die Stunde der Wahrheit, ihr großes Dilemma und ihre Unwägbarkeit beschreibt Peter Handke am Beispiel eines verzweifelten Torhüters: "Der Tormann überlegt, in welche Ecke der andere schießen wird. Wenn er den Schützen kennt, weiß er, welche Ecke er sich in der Regel aussucht. Möglicherweise rechnet aber auch der Elfmeterschütze damit, dass der Tormann sich das überlegt. Also überlegt sich der Tormann weiter, dass der Ball heute einmal in die andere Ecke kommt. Wie aber, wenn der Schütze noch immer mit dem Tormann mitdenkt und nun doch in die übliche Ecke schießen will?" (10)

Es mag lächerlich sein, dass 22 erwachsene Männer einem Lederball nachjagen. Der wahre Fan wird sich aber nicht von der Überzeugung abbringen lassen, dass das sogenannte "wirkliche" Leben nicht annähernd soviel Farbe und Delirium bereithält wie das Ballspiel. Man nehme nur die verschiedenen Formen von Lärm in einem vollbesetzten Stadion: das förmliche, rituelle Geräusch, wenn die Spieler den Rasen betreten, der spontane Aufschrei, wenn sich etwas Aufregendes ereignet hat, das Crescendo des Geheuls beim Angriff oder sein plötzliches Diminuendo beim Gegentor. "Die Affekte der Hoffnung, der Furcht, der Freude, des Zorns, des Hohns, die jeden Augenblick ihre Rolle wechseln" (11), machen das Spiel aus.

Der Fußball verspricht Emotion und Spannung und intensive Erfahrung von Lust und Unlust, die weit über unseren Alltag hinausgeht. Johan Huizinga bezeichnet diese gesteigerte affektive Intensität als "heiligen Ernst" (12)

Der Sport durchbricht die Grenzen physischer Leistungsfähigkeit und setzt kollektive Sehnsüchte und Mythen frei. Die Kunst befragt diese Phänomene kritisch und verwandelt sie in Sujets und Formen, die ästhetische, soziale und philosophische Fragestellungen aufwerfen.

Bei aller Sympathie zum Sujet darf freilich nicht übersehen werden, dass der professionelle Fußball mit seinen Berufsspielern, Vereinsbossen, Groupies, Marketing-Strategen und seinem modernen Dandytum auch längst zu einer Bühne der Eitelkeiten und zu einem Spielball politischer und kommerzieller Interessen geworden ist. Auch hierin ist er dem Kunstbetrieb mit seinen Malerfürsten, Modegalerien und Biennale-Karussells nicht unähnlich. Unberührt davon bleibt aber in beiden Fällen, in der Kunst wie im Fußball, die Essenz ihrer humanen Botschaft, ihr theatralischer Glanz und ihre befreiende Wirkung.

Zur Stunde des Eröffnungsspiels der argentinischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1978 hielt Jorge Luis Borges in Buenos Aires einen Vortrag über Tod und Unsterblichkeit. Das zeitliche Zusammenfallen beider Veranstaltungen war vom Dichter als subtile Kritik am schnöden Spektakel inszeniert worden. Borges konnte aber nicht ahnen, dass seine Rede den Fußball selbst adeln würde, geht es doch gerade bei diesem Spiel ums Weiterleben nach jenem letzten Tor, das wir alle einmal durchschreiten müssen.

Fußnoten:
1) Wassily Kandinsky: Über das Geistige in der Kunst. 1952
2) Eduardo Galeano: El Fútbol a sol y sombra. Montevideo, 1995
3) Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes. Frankfurt, 1936
4) Jair de Souza: Futebol-Arte. Sao Paulo, 1998
5) Wolfgang Welsch: Sport : Ästhetisch betrachtet, Kunstforum, Band 169
6) Armando Nogueira, in: Jair de Souza: Futebol-Arte
7) Roberto DaMatta: Universo do Futebol. Rio de Janeiro, 1982
8) João Lyra Filho. In: Futebol-Arte
9) Nick Hornby. Fever Pitch. London, 1992
10) Peter Handke. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Frankfurt, 1970
11) Immanuel Kant: Kritik der ästhetischen Urteilskraft
12) Johan Huizinga: Homo Ludens, Vom Ursprung der Kultur im Spiel. 1938

Alfons Hug
ist Leiter des Goethe-Instituts Rio de Janeiro und Kurator.

Juni 2004

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