Passagen

Ein Lied für Humboldt

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Der chilenische Schriftseller verabschiedet sich von der Zeitschrift HUMBOLDT mit einem Lied zu Ehren ihres Namensgebers und geistigen Patrons: Alexander von Humboldt.

Alexander von Humboldt –
sein Name klangvoll und tiefgründig

In der Pazifischen Meeresströmung
wusste er zwei Welten zu vereinen

Das wunderbare altehrwürdige Amerika
dargebracht der Göttin seiner europäischen

Wissbegierde. Nicht bloß Träumerei
von fremder Pflanzenkunde,

Sondern Plackerei
des Reisens und die Gefahr

Der Flüsse, die Amerika nähren
Mit Sinn, ohne etwas preiszugeben von

Der Götter und der Meere
der Gebirge und der Himmelskunde

Überquellendem Leben,
das Humboldt fühlt

Pflanzen lassen sich nicht klassifizieren
ohne sie anzufassen

Man kann nicht begreifen
den Orinoco

Ohne ein wenig eingetaucht zu sein
in seine Wasser

Darin gleichen sich
der Weise und der Dichter

Beide vermögen zu errichten
einen Kosmos

In dem in Gleichklang pochen
Blume und Stern

Buch und Sternsystem
Messung und Irrweg

Preußenschloss
und hoher Andentempel

Mit viel Geduld
betrieb er Lebenswissenschaft

und der Wissenschaft verlieh er
Leben, das sich vervielfacht

Humboldt, wohlklingender Name
und tiefer Gesang
Antonio Skármeta
(1940, Antofagasta) ist ein chilenischer Schriftsteller. Von 1973 bis 1989 lebte er in Berlin im Exil. Nach der Wiedereinführung der Demokratie in seinem Heimatland war er, von 2000 bis 2003, chilenischer Botschafter in Berlin. Seine Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und einige davon, wie „El cartero de Neruda“, wurden mit großem Erfolg verfilmt (Der Postmann (orig. Il Postino)). Unter den wichtigsten Auszeichnungen befindet sich der in Spanien verliehene Planeta-Preis für seinen Roman „El Baile de la Victoria“.

Übersetzung aus dem Spanischen: Isabel Rith-Magni
Copyright: Goethe-Institut e. V., Humboldt Redaktion
Juni 2013
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