Bildungskonzepte in Deutschland

Damit das „E“ selbstverständlich wird – Förderung von E-Learning an Hochschulen

Logo von Elan; © E-Learning Academic Network NiedersachsenOliver Vornberger © Oliver VornbergerE-Learning soll helfen, die Qualität der Lehre an Hochschulen zu verbessern. In Niedersachsen fördert das Netzwerk ELAN den Austausch von Know-how zum Lernen mit multimedialen Werkzeugen.

Wenn die Studierenden an der Universität Osnabrück in einer Vorlesung des Medieninformatikers Oliver Vornberger auf dem Handy tippen, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie mit etwas anderem als dem Lernstoff beschäftigt sind. Professor Vornberger stellt während seiner Vorlesungen mitunter Multiple-Choice-Fragen, die die Studierenden per Handy beantworten. Die Antworten landen auf seinem mobilen Rechner und das Ergebnis des Feedbacks wird innerhalb von kurzer Zeit über eine Power-Point-Seite sichtbar.

Multimedia-Einsatz in der Hochschullehre

Oliver Vornberger © Oliver VornbergerVornberger ist für das Engagement, mit dem er Studierende beim eigenständigen Lernen unterstützt, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft 2009 mit dem „Ars-legendi-Preis für exzellente Hochschullehre“ ausgezeichnet worden. Sein „Classroom-Quiz“ ist nur eines von vielen multimedialen Werkzeugen, die er in seinen Lehrveranstaltungen nutzt.

Einige davon hat er selbst entwickelt – zum Beispiel das Vorlesungsaufzeichnungssystem „virtPresenter“ und das Autorensystem „media2mult“, mit dem Dozenten ihre auf ganz unterschiedlichen Plattformen verteilten Lerninhalte mit wenig Aufwand aktuell halten können. Beide Systeme sind im Rahmen des Förderprogramms „E-Learning Academic Network“ (kurz: ELAN) des Landes Niedersachsen entstanden und werden mittlerweile an vielen Hochschulen eingesetzt.

E-Learning als Ergänzung zum klassischen Angebot

Logo von Elan; © E-Learning Academic Network NiedersachsenE-Learning ist eines der großen Schlagworte der Hochschuldidaktik. Doch die intelligenten Werkzeuge, die den klassischen Face-to-face-Lernprozess ergänzen, gehören an deutschen Hochschulen längst noch nicht zum Alltag. „Einige Hochschulen sind schon sehr weit“, erklärt Dr. Norbert Kleinefeld, Geschäftsführer des ELAN e. V. „Hier wird bereits ein beträchtlicher Anteil der Präsenzveranstaltungen mit E-Learning-Elementen angereichert.“ An anderen Hochschulen hingegen sei E-Learning immer noch eher etwas Exotisches. „Aber wir sind auf dem Weg dorthin, dass das ‚E‘ in der Lehre selbstverständlich wird.“

Tatsächlich wird E-Learning an Hochschulen in den einzelnen Bundesländern auf sehr unterschiedliche Weise gefördert und unterstützt. Das Spektrum reicht von temporärer Einzelprojektförderung bis hin zur zentral koordinierten Unterstützung von landesweiten Regelangeboten.

Förderung im Netzwerk: Beispiel Niedersachsen

Website von Elan; © E-Learning Academic Network NiedersachsenNiedersachsen hat sich für einen mittleren Weg zwischen zentraler und dezentraler Förderung entschieden. Von 2002 bis Mitte 2009 lief hier das Förderprogramm E-Learning Academic Network. Dessen Ziel war eine breite Vernetzung der an E-Learning interessierten Hochschulen, die in Verbünden zusammenarbeiten und von einer landesweit agierenden Einrichtung unterstützt werden. In drei Programmphasen wurden Pilotprojekte durchgeführt, eine Infrastruktur aufgebaut, Expertise ausgetauscht und E-Learning-Module erstellt.

Ende 2008 wurde der Verein ELAN gegründet, der zurzeit von acht niedersächsischen Mitgliedshochschulen getragen wird. Seine Aufgabe ist es, das nun vorhandene Know-how im Bereich E-Learning den Mitgliedshochschulen dauerhaft zur Verfügung zu stellen. „Wir beraten und unterstützen, wo wir gefragt werden“, sagt Geschäftsführer Kleinefeld. Und dabei geht das Engagement auch über die Grenzen des Bundeslandes hinaus.

ELAN begleitet die Hochschulen etwa bei der Einführung eines Lernmanagementsystems. Damit können Dozenten und Studierende standortunabhängig miteinander kommunizieren, Materialien austauschen, Sprechstunden abstimmen oder Arbeitsgruppen bilden. Aber die Experten von ELAN beraten auch im Bereich der Video- und Multimediatechnik, etwa bei der Aufzeichnung von Vorlesungen. Zudem unterstützen sie die Hochschulen bei der Einführung von elektronischen Prüfungen. „Sehr gefragt ist auch unsere Unterstützung bei Rechtsfragen des E-Learnings“, erklärt Kleinefeld. „Die meisten Anfragen, die wir in diesem Bereich bekommen, sind Fragen zum Urheberrecht.“

E-Learning in der Praxis

Website von Elan e.V.; © Elan e.V.Oliver Vornberger ist einer der Vorreiter in Sachen E-Learning. Er lässt seine Vorlesungen aufzeichnen und legt sie technisch aufbereitet im Podcast-Format ab. „Ich sehe die Videos als Zusatzangebot für die Präsenzstudenten“, erklärt der Professor für Praktische Informatik. Die Studierenden können sich die Vorlesungen mit den dazugehörigen Tafelbildern jederzeit noch einmal im Internet anschauen.

So können sie die Inhalte in ihrem eigenen Tempo nacharbeiten oder sich mit Hilfe der Aufzeichnungen gezielt auf eine Prüfung vorbereiten. Kein Wunder, dass Vornbergers Grundlagen-Vorlesungen längst über die Grenzen Niedersachsens hinaus studienbegleitend eingesetzt werden.

Buchtipp:
Hans-Jürgen Appelrath / Leonore Schulze (Hg.): „Auf dem Weg zu exzellentem E-Learning. Vernetzung und Kooperation der Hochschullehre in Niedersachsen“, Waxmann Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8309-2122-6.
Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2009

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