„Quarks & Co.“ – Von der Idee zur Sendung
Wenn ihre Mutter jeden Beitrag der Sendung verstanden hat, weiß Monika Grebe, dass sie einen guten Job gemacht hat. Denn als Redakteurin der Wissenschaftssendung „Quarks und Co.“ ist das ihr Ziel: „Unsere Sendung soll hochkomplizierte Zusammenhänge so gut erklären, dass jeder Zuschauer sie versteht.“
Quarks und Co. ist eines der erfolgreichsten Wissenschaftsmagazine im deutschen Fernsehen. Seit 1993 gibt es die Sendung der Landesrundfunkanstalt Westdeutscher Rundfunk Köln (WDR), die wöchentlich 45 Minuten lang ein wissenschaftliches Thema beleuchtet. In jeder Folge werden mehrere Beiträge gezeigt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas auseinandersetzen. Die Sendung will informativ und gleichzeitig unterhaltsam sein. Sie richtet sich nicht an ein Fachpublikum, sondern an alle, die Interesse haben. Eine knappe Million Zuschauer schalten deshalb auch ein, das ist ein Anteil von 3,1 Prozent des Fernsehpublikums – für eine Informationssendung sehr viel. Um ihnen wissenschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln, gibt es Experimente im Studio mit überraschenden Effekten. Der Moderator Ranga Yogeshwar – der auch die Idee zum Sendeformat hatte – stellt sich dabei gerne mal dem Selbstversuch. Der Physiker und Wissenschaftsredakteur fuhr zum Beispiel als Beifahrer mit Formel-1-Pilot Nick Heidfeld und ließ untersuchen, wie sein Herz auf Aufregung reagiert. Und er testete die Auswirkungen von Alkohol an sich selbst – indem er sich unter wissenschaftlicher Kontrolle betrank.
Mit Zeichentrick Fakten vermitteln
Bei der Sendung Der verletzliche Riese über den Kölner Dom, die Monika Grebe betreute, spielte auch die Visualisierung mit grafischen Elementen eine wichtige Rolle. Der Titel spielt darauf an, dass das meistbesuchte historische Bauwerk Deutschlands eine Dauerbaustelle ist. Die Fakten rund um die gothische Kathedrale verdeutlichte ein Zeichentrickbeitrag. Anschauliche Größenvergleiche und beeindruckende Zahlen machten den Zuschauern die Dimensionen der drittgrößten Kirche der Welt klar.Doch bis es soweit war, galt es für Redakteurin Monika Grebe, Fleißarbeit zu leisten. Ihr erster Weg führte in die Stadtbücherei. Sie besorgte sich Lesestoff über das Kölner Wahrzeichen. „Erst, wenn ich einen Überblick über den Stoff habe, treffe ich mich mit unseren Mitarbeitern zur Themensuche.“ An jeder Sendung sind rund sechs freiberufliche Autoren beteiligt; sie setzen die Beiträge um. Insgesamt arbeiten mehr als 20 Autoren für Quarks und Co. Fast alle haben ein wissenschaftliches Studium bestanden, sei es Physik, Geschichte oder Musik. Monika Grebe selbst hat ein Biologiestudium abgeschlossen.
Überraschende Geschichten bevorzugt
Bei einem ersten Treffen mit den Autoren sammelt Grebe die besten Ideen. Dabei sucht sie vor allem nach den überraschenden Aspekten, nach Geschichten, die noch unerzählt sind. Viele Vorschläge kommen auf den Tisch, einige werden verworfen, andere werden von den Autoren weiterverfolgt. Sie interviewen Experten und lesen Fachliteratur. Bei einem zweiten Treffen werden die Themen festgezurrt. „Die Beiträge sollen informativ und neu sein, sich aber auch spannend erzählen lassen“, erklärt Grebe. Beim Kölner Dom war das zum Beispiel die Geschichte der beschädigten Glocke: Im Jahr 2011 ging der Klöppel der Glocke kaputt. Nun arbeiten Wissenschaftler an einem neuen, der exakt so klingen muss wie der alte. Um dem Thema Dramatik zu verleihen, wurden die Forscher in den Mittelpunkt eines Beitrags gestellt. Würde es ihnen gelingen, den richtigen Ton zu treffen? Die Kamera begleitete die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit, bis der Klöppel aufs Gramm genau das richtige Gewicht hatte, um die Glocke zum Läuten zu bringen. Ein wahrer Klangkrimi.Was passiert, wenn der Dom bebt?
Auch vor besonders schwierigen Themen schrecken die Redakteure nicht zurück. So beschäftigt sich ein Beitrag mit der Stabilität des Doms. „Dabei geht es um Eigenfrequenz und Resonanz – also um hochkomplizierte physikalische Zusammenhänge“, sagt Grebe. Aber genau da sieht sie die Aufgabe von Wissenschaftsjournalisten: die Dinge so zu vereinfachen, dass jeder sie versteht – allerdings ohne dabei zu ungenau zu werden oder gar Unwahrheiten zu verbreiten. Die Redaktion baute zur Visualisierung der wissenschaftlichen Fragestellung ein Modell im Studio. Es entstanden drei verschieden hohe Türme, die bei einem Ruck des Bodens unterschiedlich stark in Schwingung gerieten. „So konnten wir zeigen, was bei einem Erdbeben mit dem Dom passiert und warum er nicht gleich umkippt“, sagt Grebe. „Ich glaube, dass sich auf diese Weise jedes noch so schwierige Thema verständlich machen lässt.“Letztes Feilen bis zur Aufzeichnung
Erst wenn genau feststeht, wie der Beitrag im Fernsehen aussehen soll, werden die Drehtermine vereinbart. Nach dem Dreh müssen die Autoren die Beiträge schneiden und vertonen. Beim Entstehungsprozess kann sich noch viel ändern: Manchmal lassen sich die Beiträge nicht umsetzen oder die Recherche ergibt unerwartete Ergebnisse. Dann wird das Konzept angepasst. „Die Sendung lebt von Anfang bis Ende“, sagt Grebe. „Sie verändert sich permanent.“ Die Aufgabe der Redakteurin ist es, diesen Prozess zu koordinieren. Schließlich wird das Drehbuch für die Sendung geschrieben und Grebe trifft sich mit dem Moderator Ranga Yogeshwar. Mit ihm bespricht sie die geplanten Studioexperimente. Grafiker und Bühnenbilder werden ebenfalls einbezogen. Bis zum Tag der Aufzeichnung wird an der Sendung gefeilt. „Wenn sie endlich ausgestrahlt wird, gucke ich sie mir oft zu Hause auf der Couch an“, sagt Grebe. „Oder mit meiner Mutter.“ Die ist schließlich ihre wichtigste Kritikerin – und hat bisher immer alles verstanden.ist freie Journalistin und Autorin für den WDR.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Mai 2012
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
internet-redaktion@goethe.de














