Gesellschaft im Blindflug - können Nachhaltigkeitsstrategien uns den Weg weisen?

Gerne habe ich deshalb die Einladung, einen Beitrag zur diesjährigen Vortragsreihe zu leisten, angenommen. Diese befasste sich mit dem Thema "Postkapitalismus". Es ging also um Fragen wie: Was passiert nach dem Kapitalismus? Ist es möglich, Beispiele der zukünftigen Gesellschaftsordnungen schon heute zu erkennen? Ob und wie müsste sich ein verantwortungsvoller Bürger auf die Zukunftsgesellschaft vorbereiten? Warum funktionieren die westlichen Demokratien immer öfter nicht mehr? Gibt es Alternativen zu der westlichen Demokratie? Bedeutet ein Post-modernes Zeitalter eine neue Aufklärungszeit?
Mit einem Vortrag zu Fragen der Nachhaltigkeit und zur Nachhaltigkeitsstrategien - Warum brauchen wir Nachhaltigkeitsstrategien? Welche Länder sind hier bereits aktiv? Welche Chancen liegen in solchen Strategien, welche Fehler werden gemacht? - habe ich das estnische Publikum aufgefordert, sich bewusst mit ihren eigenen Erwartungen an eine "nachhaltige Zukunft" auseinander zu setzen. In der Diskussion mit den Zuhörern hat mich überrascht, wie kritisch die Esten ihre derzeitige gesellschaftliche Situation einschätzen. Trotz hervorragender Wirtschaftsdaten, einem hohen Lebensstandard, niedriger Arbeitslosigkeit, etc. sahen viele Mitdiskutanten die aktuellen Entwicklungen sehr kritisch. Durch die sehr starke Fokussierung von Politik und Gesellschaft auf ökonomische Größen verlieren andere wichtige Aspekte, die eine Gesellschaft ausmachen - sozialer Zusammenhalt, Generationengerechtigkeit, Ökologie - aus dortiger Sicht zu stark an Bedeutung. Für ein Land, das erst 1991 von Russland unabhängig wurde, mit einer noch sehr jungen Marktwirtschaft, hat mich diese selbstkritische Sicht überrascht. Das hohe Maß an Selbstreflektion, das bei den Menschen vorherrscht, mit denen ich in Estland gesprochen habe, hat mich aber auch sehr beeindruckt.
In einem zweiten Vortrag zum Thema des nachhaltigen Konsums "Sustainable Consumption - is it feasible or just an illusion?" habe ich an der Universität von Tartu im Rahmen eines Science Cafes vorgetragen. Die Veranstaltung fand auf Einladung von SA Teaduskeskus AHHAA (www.ahhaa.ee) und dem Deutschen Kulturinstitut Tartu (http://www.dki.tartu.ee/) statt und wurde von der Deutschen Botschaft in Tallinn sowie dem Goethe-Institut unterstützt. Auch hier haben die Teilnehmer der Veranstaltung, Studenten und Professoren der Universität Tartu, sich in der Diskussion für einen deutlichen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung ausgesprochen - weg vom rein quantitativen Konsum hin zu einem Konsumverhalten, das sich an Kriterien der Nachhaltigkeit orientiert, beispielsweise energieeffiziente Produkte, Produkte aus fairem Handel. Es wurde deutlich, dass es allerdings schwierig ist, eindeutige Kriterien für "nachhaltige Produkte" festzulegen. Das Format der Veranstaltung - ein Wissenschaftscafé - fand ich sehr interessant. Es herrschte, wie in einem Café, eine lockere Gesprächs- und Vortragsatmosphäre, die alle Beteiligten zu einer lebhaften Diskussion anregte.








