Bader, Pascal

Nachhaltiger Konsum

Copyright: Pascal BaderCopyright: Pascal BaderEtwa 40 Prozent der heutigen Umweltbelastungen werden durch unser Konsumverhalten verursacht. Der ökologische Fußabdruck, den wir auf der Erde hinterlassen, liegt bei 2,2 Hektar pro Person – auf Dauer tragfähig sind jedoch nur 1,9 Hektar. Wir übernutzen somit bereits heute die Erde und die weltweit vorhandenen natürlichen Ressourcen.
Immer stärker erkennen wir aber auch, dass es nicht reicht, mit der Problemlösung auf andere zu vertrauen: die internationale Völkergemeinschaft, den Staat, die Unternehmen. Es wächst das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass jeder Einzelne Teil des Problems und damit auch Teil der Problemlösung ist. Jeder kann etwas dazu beitragen, dass nachhaltige Entwicklung kein Schlagwort bleibt, sondern Realität wird.
Nachhaltiger Konsum bietet vielfältige Möglichkeiten für jeden Einzelnen als Konsument von Rohstoffen, Energie, Lebensmitteln usw., sich bewusst für umwelt- und sozialverträglichere Produkte zu entscheiden. Bei diesen Konsumentscheidungen können Umweltzeichen wichtige Hilfestellung geben. Letztlich braucht es aber auch staatliche Regulierung, um Anreize sowie gesetzliche Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Konsum zu setzen.
Mit diesen Thesen habe ich im Vorfeld der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl umweltpolitisch interessierte Gäste der Goethe-Institute in Chicago und Boston konfrontiert. Die USA stehen wie kein anderes Land für eine nicht-nachhaltige Lebensweise. Autos mit hohem Spritverbrauch, zersiedelte Städte, kaum wärmegedämmte Wohnhäuser und Fast Food sind die Eckpfeiler des American Way of Life.
Copyright: Pascal BaderMit diesen Bildern im Kopf war ich sehr gespannt, ob das Thema überhaupt genügend Zuhörer finden und wie deren Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit sein würde.
Überrascht hat mich dann aber das enorme Interesse der Menschen. Einige Gäste machten deutlich, dass nachhaltiger Konsum im Grunde überhaupt kein Thema in den USA sei und wie wichtig gerade solche Vortragsveranstaltungen seien, um ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen. Beeindruckend waren auch der hohe Wissenstand vieler Teilnehmer über umwelt- und klimapolitische Zusammenhänge und der Wunsch, die USA möge hier wieder eine Vorreiterrolle spielen. Hier wurde für mich noch einmal deutlich, wie sehr die Politik der US-Regierung und die Stimmung in der Bevölkerung auseinander klaffen. Viele Zuhörer sahen die vergangenen Jahre als eine umweltpolitisch verlorene Ära an.
Im Anschluss an die Vorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Kontrovers wurde dabei u.a. diskutiert, welche Rolle der Staat künftig in der Umwelt- und Klimapolitik einnehmen sollte. Eine sehr starke ordnungspolitische Einflussnahme des Staates wurde zumeist sehr kritisch gesehen. Favorisiert wurden vielmehr freiwillige, marktorientierte Instrumente.
Copyright: Pascal BaderFür mich selbst habe ich aus den beiden Veranstaltungen vor allem zwei Dinge mit genommen: Auf der einen Seite war es erschreckend zu erfahren, wie groß der Nachholbedarf der USA im Umweltschutz tatsächlich ist. Insbesondere im Bereich der Wärmedämmung von Gebäuden liegen riesige Potenziale brach. Auf der anderen Seite hat mich der Aufenthalt aber auch optimistisch gestimmt. Der große Zuspruch der Zuhörer zu dem Thema und der übereinstimmende Wunsch, deutlich mehr für den Umwelt- und Klimaschutz zu tun, lässt hoffen, dass sich dies auch in der Politik der neuen US-Regierung niederschlagen wird.
Kurzbericht zu Vorträgen in Chicago (29. September 2008) und Boston (1. Oktober 2008) von Dr. Pascal Bader, assoziiertes Mitglied des Kreises junger Wissenschaftler des Club of Rome "tt30" und Referent für Grundsatzfragen der Umweltpolitik im Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg

    Deutschland denkt

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