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Motor der Innovation - Die Fraunhofer Gesellschaft

Copyright: Deutscher ZukunftspreisErkenntnisse mit greifbarem Nutzen – darum geht es der Fraunhofer-Gesellschaft, Europas größter Wissenschaftsorganisation für angewandte Forschung. Sie arbeitet an Schwerpunkten in der ganzen Spannbreite der Naturwissenschaften und Technik. Das Ziel: Europa soll bis 2010 in wichtigen Bereichen zum weltweiten Technologieführer werden.

Grippe oder eine andersartige schwere Erkältung? Der Arzt testet ein paar Bluttropfen auf einer Art Scheckkarte und weiß dann genau, woran der Kranke leidet und welches Medikament diesem Patienten am besten hilft. Ein mikroelektronischer Biochip macht´s möglich. Entwickelt hat ihn ein Forscher des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie in Itzehoe. Mit zwei Kollegen der Hightech-Firmen Siemens und Infineon macht er jetzt aus der Erfindung eine Innovation, ein marktgängiges Industrieprodukt. Bundespräsident Horst Köhler belohnte das Gemeinschaftswerk im November mit dem "Deutschen Zukunftspreis 2004".

Anwendungsorientierte Forschung in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen, das ist das Markenzeichen der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG). Ihr Name erinnert an den Münchener Optiker und Erfinder Joseph Fraunhofer (1787 - 1826). Hauptgesellschafter sind der Bund und deutsche Bundesländer. Sie wollen über die Gesellschaft Forschungs- und Entwicklungsvorhaben vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen unterstützen. Die öffentlichen Hände finanzieren die rund sechzig FhG-Institute in Deutschland praktisch nur zu einem Drittel, das meiste Geld müssen sie selber als Aufträge einwerben. Die liegen derzeit bei rund 900 Millionen Euro im Jahr. Mit der hohen Selbstfinanzierung unterscheidet sich die FhG wesentlich von den anderen öffentlichen Forschungsorganisationen in Deutschland, also der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz. Deren Interessen zielen mehr auf noch marktferne Grundlagenerkenntnisse.

Die Forschungspalette der FhG reicht von der Biomedizinischen Technik über Werkzeugmaschinen bis zur Solarenergie. Die Fragestellungen sind aber keineswegs immer nur produktorientiert. So geht es auch um Arbeitsorganisation und deren Optimierung. In der "Rationalisierung" der Betriebsabläufe liegt gerade bei schon hoch entwickelten Technologien eine zusätzliche Quelle der Wertschöpfung. Durchweg siedelt die FhG ihre Institute im Bannkreis von Universitäten an. Sie haben manchmal die Größe mittlerer Unternehmen. Das Aachener Institut für Produktionstechnologie beschäftigt beispielsweise dreihundert Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten bei der FhG 13.000 Personen. In der Regel sind die Institutschefs zugleich Lehrstuhlinhaber an der Hochschule. Sie werden von gemeinsamen Berufungskommissionen ausgesucht.

Wer auf den globalisierten Forschungsmärkten erfolgreich sein will, muss gleichwohl vor Ort agieren und reagieren. Deshalb betreibt die FhG sechs Forschungszentren zum Beispiel für Laser in den USA und mehrere Repräsentanzen in Südostasien. "Das Erfolgsrezept im Ausland heißt Joint-Ventures, Zusammenarbeit mit einheimischen Partnern", erklärt Frieder Meyer-Krahmer vom FhG-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung. Ein Beispiel ist das Sino-German Mobile Communications Institute in Berlin und Peking. Ähnlich arbeitet die FhG mit Hochschulen in Skandinavien und Osteuropa zusammen. Beim logisch nächsten Schritt, so Meyer-Krahmer, kommt es auf die Kooperation mit jeweils national verankerten Industriepartnern an, vor allem im Binnenmarkt der Europäischen Union.

"Im internationalen Wettbewerb nicht zuletzt um Forschungsmittel der Europäischen Union müssen wir uns spezialisieren", rät Meyer-Krahmer. "Wir müssen die thematischen Schwerpunkte so setzen, dass wir damit zum Marktführer werden!" Diesem Ziel dienen "Institutsverbünde", die von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus gemeinsam an bestimmten Leitthemen arbeiten. Solche Verbünde bestehen beispielsweise bereits für neue Werkstoffe oder die Life Sciences. Die Fraunhofer Informations- und Kommunikations-Gruppe mit siebzehn teilnehmenden Instituten ist gegenwärtig der größte europäische Forschungsverbund auf diesem Gebiet. Gerade auf ihm will die Europäische Union bis 2010 zum weltweiten Technologieführer werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist mit Hochdruck dabei.

Hermann Horstkotte
Der Autor ist Wissenschaftsjournalist in Bonn.

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Januar 2005

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