Bildung

Internet im Kinderzimmer – die Jugend und die Medien

Kind am Computer; © colourboxKind am Computer; © colourboxStudien zufolge sind über zwei Drittel der Sieben- bis Zehnjährigen häufig online. Das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen hat sich durch die rasante technische Weiterentwicklung und die Vergrößerung des Themenangebots extrem verändert. Läuft das Internet dem Fernsehen bald den Rang ab?

Anders als noch bei den Eltern gehören Medien aller Art heute zum Lebensalltag Heranwachsender. Laut einer Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (MPFS) von 2008 sind in einem Haushalt mit Kindern durchschnittlich 3,8 Handys, 2,5 Fernseher, 2,3 Computer, 2,1 MP3-Player, jeweils 1,6 Digitalkameras und Internetanschlüsse sowie 1,1 Spielkonsolen vorhanden. Der Zuwachs bei der Nutzung der neuen Medien ist enorm.

Teddybär und Internet

Facebook; © fotolia

Diesen Trend bestätigt auch eine aktuelle Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Ihr zufolge nutzen bereits 71 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen einen vorhandenen Internetzugang im Elternhaus, bei den 15- bis 17-Jährigen sind es sogar 99 Prozent. Selbst in der Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen hat bereits jedes fünfte Kind Internet-Erfahrung. Dabei geht mehr als die Hälfte der Jugendlichen vom eigenen Zimmer aus ins Internet.

12- bis 19-Jährige sehen pro Wochentag nach eigenen Angaben über zwei Stunden fern und sind fast ebenso lange online. Doch bei weiterer Differenzierung verschiebt sich das Bild zugunsten des Internets: Bei den 14- bis 15-Jährigen liegen Online-Aktivitäten und Fernsehen bereits auf gleicher Höhe. Die 16- bis 17-Jährigen sind pro Tag sechs Minuten, die 18- bis 19-Jährigen neun Minuten länger im Netz. Nur die ganz Jungen sitzen lieber länger vor dem Fernseher, als im Netz zu surfen.

Lebenswelt Web 2.0: Communitys boomen

Kinder am Computer; © colourboxDabei verwenden Kinder und Jugendliche das Internet anders als Erwachsene. Neben der Nutzung von Suchmaschinen geht es den Teenagern hauptsächlich um Kommunikation, Austausch, Partizipation und die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. All das bietet das Web 2.0, das „aktive“ Internet, das auch als „Mitmachnetz“ bezeichnet wird. Zu den bekanntesten sozialen Netzwerken und Plattformen gehören Facebook, MySpace, schülerVZ, studiVZ, Wer-kennt-wen? und das Videoportal YouTube.

80 Prozent der 14- bis 19-Jährigen Surfer nutzen wöchentlich Instant Messenger, 85 Prozent verschicken E-Mails. Mehr als die Hälfte beteiligt sich an Online-Communitys , rund zwei Drittel nutzen Chats und Foren. Laut einer Onlinestudie der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF von 2009 sinkt das Interesse an Messaging und Chatten etwa ab dem 30. Lebensjahr deutlich. Ob das in Zukunft auch für die so genannten Digital Natives, die heute 14- bis 29-Jährigen also zutreffe, sei aber noch offen.

Nachfrage nach Videos und Audios steigend

Mediathek des ZDF; © ZDFBisher sehen Heranwachsende noch mit dem Fernseher fern und surfen mit dem Computer. Auf multimediale Endgeräte wie die Internetfunktion eines Mobiltelefons wird nur selten zurückgegriffen. Doch nach den Ergebnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie steigt die Nachfrage nach Videos und Audios im Internet. „Rund ein Fünftel aller Internetnutzer sieht sich zeitversetzt Fernsehsendungen in Mediatheken an“, sagt ZDF-Intendant Markus Schächter in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, „bei den 14- bis 29-Jährigen sind es bereits über ein Drittel“. Im multimedialen Strudel scheinen „eindeutige“ Medien wie Fernsehen und Radio ihre Bedeutung zu verlieren.

Noch treten Internet und Fernsehen aber nicht in Konkurrenz zueinander. Vor die Wahl gestellt, würden sich die Jugendlichen von heute aufgrund seiner Multifunktionalität jedoch eher für das Internet entscheiden.

Vertrauen in Tageszeitungen ist am größten

Jugendliche lesen Zeitung; © colourboxTrotz aller Begeisterung für das Internet: Ein Großteil der Jugendlichen glaubt laut Studien bei widersprüchlicher Berichterstattung am ehesten dem klassischen Medium der Tageszeitung. An zweiter und dritter Stelle stehen Fernsehen und Radio. Informationen aus dem Internet gelten als am wenigsten verlässlich. Deshalb sind klassische Angebote bei jungen Menschen nach wie vor gefragt: Immerhin lesen 43 Prozent der Jugendlichen regelmäßig und 29 Prozent täglich eine Tageszeitung. Aber auch die Online-Ausgaben der Printmedien bekommen mehr Gewicht.

Das Internet als „All-in-one-Medium“, als Plattform für Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen, gewinnt also immer stärker an Bedeutung. Ob sich am Nutzerverhalten der Jugendlichen die Mediennutzung der Bevölkerung von morgen ablesen lässt, ist jedoch fraglich.

Karoline Rebling
arbeitet als freie Publizistin in Frankfurt am Main.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Oktober 2009

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