Bildung

Das EU-Projekt klicksafe.de – „Wir stärken die Medienkompetenz.“

Auszug aus dem Werbespot „Wo ist Klaus?“; © klicksafe.deLogo von klicksafe.de; © klicksafe.deSex, Gewalt, Abzocke: Verbotene und unsittliche Inhalte sind im Internet oft nur ein paar Klicks entfernt. Aber man kann sich schützen. Die nötige Medienkompetenz will klicksafe.de fördern – vor allem für Kinder und Jugendliche.

An der Haustür von Familie Vogel klingelt es. Draußen stehen junge Männer mit kahl rasierten Schädeln, Springerstiefeln und Bomberjacken. „Ist Ihr Sohn da?“ fragt einer von ihnen. Die unbedarft wirkende Mutter antwortet freundlich: „Ja, der ist oben in seinem Zimmer, kommt doch rein!“ Auch die zweite Besuchergruppe, die klingelt, schickt die Mutter erfreut nach oben: eine Filmcrew mit einer Pornodarstellerin, die mit „Klausi“ gerne „ein paar neue Stellungen“ ausprobieren möchte.

Auszug aus dem Werbespot „Wo ist Klaus?“; © klicksafe.deSo beginnt ein provozierender Videospot, der immer wieder in Kino und Fernsehen sowie auf Webseiten zu sehen ist. Er gehört zu einer Aufklärungskampagne von klicksafe.de. Im Auftrag der EU-Kommission vermittelt die Initiative Internetnutzern in Deutschland seit 2004 einen kritischen Umgang mit den neuen Medien. „Das Internet ist eine tolle Sache“, sagt Peter Widlok, Sprecher der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, die zusammen mit der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz für klicksafe.de verantwortlich ist. „Das Netz bietet aber nicht nur neue Formen der Kommunikation, es birgt auch Risiken und Gefahren.“ Dafür wolle klicksafe.de die User sensibilisieren: „Unsere Initiative setzt sich für mehr Sicherheit im Netz ein, indem wir die Medienkompetenz stärken.“ Der Schwerpunkt liege dabei beim Ermuntern, nicht beim Ermahnen, so Widlok. „Nur wer bewusst und selbstverantwortlich mit dem Netz umgeht, kann sich und andere schützen.“

Lehrerhandbuch und russische Flyer

Auszug aus dem Werbespot „Wo ist Klaus?“; © klicksafe.de Zur Zielgruppe von klicksafe.de gehört letztlich jeder Internetnutzer. In erster Linie werden jedoch Kinder und Jugendliche angesprochen, da sie gegen problematische Inhalte und unlautere Angebote besonders schutzlos sind. Der Weg führt dabei vorwiegend über Eltern und Lehrer, die in ihrer täglichen Arbeit und über ihre Nähe zu den Kindern und Jugendlichen als Mittler wirken sollen. Auf klicksafe.de finden Erwachsene Informationen über Themen wie Chatten, Soziale Netzwerke, Computerspiele oder Urheberrecht im Internet. „Zu Cyber-Mobbing ist zum Beispiel im letzten Jahr ein Lehrerhandbuch entstanden, das konkrete Hilfestellungen und Materialien für den Unterricht anbietet“, sagt Widlok.

Peter Widlok; © Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen Da in Deutschland rund 20 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben, entwickelt klicksafe.de auch fremdsprachliche Inhalte zur Stärkung der Medienkompetenz. „Die deutschsprachigen Angebote erreichen nicht immer alle Teile der Bevölkerung“, erklärt Widlok. Seit Herbst 2008 hat das Portal deshalb zusätzlich einen türkischsprachigen Bereich, Ende 2009 sind Informationen in russischer Sprache dazu gekommen. Auch Flyer in den jeweiligen Sprachen sind entstanden. „Mit den muttersprachlichen Publikationen bieten wir besonders der Elterngeneration Unterstützung für einen kompetenten Umgang mit den Netz“, so Widlok.

Knotenpunkt unterschiedlicher Engagements

Auszug aus dem Werbespot „Wo ist Klaus?“; © klicksafe.de Seine Projekte realisiert klicksafe.de zusammen mit so unterschiedlichen Partnern wie Microsoft, T-Online, RTL, ProSieben und SchülerVZ, der evangelischen Kirche, dem Deutschen Kinderschutzbund oder der Verbraucherzentrale NRW. „Im Sinn des EU-Auftrages verstehen wir uns als Knotenpunkt, an dem Aktivitäten unterschiedlicher Akteure gebündelt werden“, sagt Widlok. Die Partner bringen ihre Erfahrungen und Ressourcen ein. Für den Spot Wo ist Klaus? zum Beispiel war die Frankfurter Werbeagentur Ogilvy & Mather kostenlos tätig. „Für die Firmen sind solche Engagements auch immer gut für das eigene Image“, meint Widlok.

Klicksafe.de wiederum nutzt laut Widlok die Kontakte seiner beiden Trägerorganisationen: „Die Landesmedienanstalten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind für die Aufsicht bei den privaten Medien zuständig und haben dadurch einen direkten Draht zu Sendern wie RTL und SAT1, die unsere Spots umsonst ausstrahlen.“ Eine Zusammenarbeit mit ARD und ZDF gibt es hingegen nicht – offenbar aus Konkurrenzgründen: „Die öffentlich-rechtlichen Sender sind uns gegenüber leider reserviert.“

Nicht-kommerziell und staatlich unabhängig

Auszug aus dem Werbespot „Wo ist Klaus?“; © klicksafe.deAbhängigkeiten schafft ein derart strukturiertes Netzwerk aus Sicht von klicksafe.de aber nicht: „Wir brauchen uns möglichen kommerziellen Interessen unserer Partner nicht zu unterwerfen“, sagt Widlok. Denn klicksafe.de verfügt jährlich über ein Budget von einer Million Euro. Die eine Hälfte davon bezahlt die EU, die andere Hälfte steuern die Medienanstalten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bei, die sich wiederum aus Rundfunkgebühren finanzieren. Deshalb ist das Projekt auch nicht von staatlichen Stellen oder Steuereinnahmen abhängig. Klicksafe.de könne sich somit ganz auf die Inhalte konzentrieren, so Widlok. „Lediglich der EU müssen wir über unsere Arbeit Rechenschaft geben.“

Bisher mit Erfolg: Seit 2004 wurde das Projekt immer wieder verlängert. „Wir haben uns bei den Ausschreibungen jedes Mal erfolgreich um diese Aufgabe beworben“, erklärt Widlok. Die bisher erwirkte Zunahme der Medienkompetenz in Deutschland lasse sich hingegen nicht exakt in Prozentzahlen messen. „Aber wenn wir 2009 allein in Nordrhein-Westfalen zu 850 Elternabenden an Schulen eingeladen wurden, ist das ein deutliches Zeichen.“ Ebenfalls von Breitenwirkung zeugt der mehrfach ausgezeichnete Spot „Wo ist Klaus?“, der mittlerweile europaweit zu sehen ist. Ob auf isländisch, slowenisch oder griechisch – alle Versionen enden mit der Aufforderung: „Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen – dann machen Sie es doch auch im Internet.

1999 startete die Europäische Union einen Aktionsplan zur Bekämpfung von illegalen, unerwünschten oder schädlichen Inhalten in Internet. Dazu gehört die Aufklärung der Bevölkerung und die Pflege der Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Mit der Verabschiedung des „Safer Internet Programme 2009 – 2013“ durch das Europäische Parlament und den Rat Ende 2008 ging das Programm in die mittlerweile dritte Runde und wurde um weitere vier Jahre verlängert.
Dominik Reinle
ist Diplom-Soziologe und arbeitet als freier Journalist in Köln, unter anderem für die Internetredaktion des Westdeutschen Rundfunks.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2010

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