„Qualität und Mehrwert – so bindet man die Leser.“

M. DuMont Schauberg ist Deutschlands viertgrößter Zeitungsverlag. Er gibt unter anderem den Kölner Stadtanzeiger heraus, das Boulevardblatt Express und die Frankfurter Rundschau. Aber hat der Printsektor überhaupt eine Zukunft? Konstantin Neven DuMont, 37, Geschäftsführer bei M. DuMont Schauberg, erläutert warum gedruckte Zeitungen auch künftig ihre Leser finden werden.
Herr Neven DuMont, wie definieren Sie Ihre Unternehmenspolitik?
In ein Unternehmen einzusteigen, die Gewinne abzuschöpfen und dann wieder auszusteigen, ist sicher nicht unser Ziel. Uns geht es nicht in erster Linie um Gewinnmaximierung, sondern darum, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Wir verfolgen langfristige Strategien. Dazu gehört auch, dass wir uns um ein gutes Arbeitsklima für unsere Mitarbeiter bemühen. Bei uns gibt es beispielsweise keine betriebsbedingten Kündigungen.
Diese Strategie scheint sich bewährt zu haben. Immerhin wird der Verlag DuMont Schauberg nun in der zwölften Generation von Familienmitgliedern geführt. Gibt es in der Familie ein Verleger-Gen?
(lacht) Von einem Verleger-Gen höre ich zum ersten Mal. Sagen wir lieber, es gab und gibt in der Familie eine glückliche Befähigung dafür, einen Zeitungsverlag zu führen.
Hatten Sie jemals die Chance, kein Verleger zu werden?
Ich bin sozusagen in diesen Verlag hineingeboren worden, bin mit ihm aufgewachsen. Hier konnte ich mich beruflich weiterentwickeln und schnell Karriere machen. Nein, ich wollte nie etwas anderes machen.
Ist der digitale Umbruch in der Medienlandschaft ein Vorteil oder ein Nachteil für Großverlage im Vergleich zu kleineren, eventuell flexibleren Kleinverlagen?
Ich glaube, dass die großen Verlage im Vorteil sind und die kleineren weiter unter Druck geraten werden. Auf diesen digitalen Umbruch zu reagieren, heißt, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Für solche Investitionen braucht man eine bestimmte Größe. Kleine Verlage haben da sicherlich mehr Schwierigkeiten. Wie in anderen Geschäftsbereichen auch, haben wir es vor allem auch im Verlagsgeschäft mit einer Economy of Scale zu tun.
Wo liegen die Vorteile einer gedruckten Zeitung im Vergleich zu Online-Publikationen?
Zunächst ist es sehr anstrengend, längere Texte im Internet zu lesen. Zudem fehlt das haptische Erlebnis. Und selbst wenn man die Online-Texte, die man lesen möchte, ausdruckt, sind sie nicht so komfortabel zu konsumieren wie Zeitungen. Das gestalterische Element, das bei Zeitungen gezielt eingesetzt wird, um den Lesekomfort zu steigern, fehlt ja völlig.
Was verkauft eine Zeitung, das man nicht anderswo – etwa im Internet – bekommt?
Eine Zeitung bietet ja nicht nur Information und Unterhaltung, sondern auch Orientierung. Es findet eine Vorauswahl dessen statt, was wichtig ist und was nicht. Hinzu kommt die Art und Weise, wie die Themen aufbereitet und zusammengestellt werden. Hier bietet die gedruckte Presse gegenüber dem Internet immer noch ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit. Diese Glaubwürdigkeit zu bewahren, wird immer wichtiger werden. Dazu gehört auch, dass konsequent zwischen Redaktion und Werbung getrennt wird. Für diesen Mehrwert einer gedruckten Zeitung sind immer noch viele Menschen bereit, Geld zu bezahlen.
Wie gehen Sie damit um, dass harte Themen wie Politik und Wirtschaft zunehmend in einem Unterhaltungskontext dargeboten werden müssen, um Publikum zu erreichen?
Tatsächlich kann man vor allem im Internet die Tendenz beobachten, dass die Menschen sich stärker für Unterhaltungsthemen interessieren. Was angeklickt wird, gehört eher in diesen Bereich. Auf der anderen Seite, und das gilt vor allem für Tageszeitungen, schätzen nicht alle Leser diese Einbettung. Hier muss man das richtige Maß finden. Das ist zugegebenermaßen eine Gratwanderung.
DuMont Schauberg ist bei der „Frankfurter Rundschau“ eingestiegen. Die auffälligste Neuerung: Die Zeitung erscheint im Tabloid-Format. Warum ist die Größe einer Zeitung so wichtig und warum soll ein kleineres Format für mehr Leser sorgen?
Betrachtet man den weltweiten Zeitungsmarkt – etwa in Großbritannien, Skandinavien oder in den USA –, kann man feststellen, dass sich das Tabloid-Format durchsetzt. Dieses kleine Format ist im Vergleich etwa zum Nordischen Format, in dem die Frankfurter Rundschau bislang erschienen ist, praktischer. Die Seiten sind leichter umzuschlagen, man braucht nicht so viel Platz. Die Frankfurter Rundschau hat ein moderneres Erscheinungsbild erhalten.
Wie viel Zeit geben Sie sich bei diesem ehrgeizigen Projekt, eine traditionsreiche Zeitung wiederzubeleben?
Wir denken, dass wir in ein bis zwei Jahren unsere Ziele erreicht haben werden.
Was bedeutet für Sie das Wort Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich: zufriedene Kunden, ethisch handeln, wirtschaftlich stabil arbeiten, um auf Wettbewerbsveränderungen reagieren und Wettbewerbsbedingungen mitgestalten zu können.
Jüngst schlug Jürgen Habermas vor, der Staat sollte deutsche Tageszeitungen finanziell unterstützen, weil sie unverzichtbare Instrumente einer Demokratie sind. Halten Sie dieses Modell für sinnvoll?
Ich stimme zu, dass Tageszeitungen ein sehr wichtiges Instrument in einer Demokratie sind. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie mitunter wirtschaftliche Herausforderungen meistern müssen. Doch ein staatliches Förderungsprogramm halte ich für bedenklich. Eine solche Idee wurde ja auch schon innerhalb des Bundes deutscher Zeitungsverleger diskutiert, und der Verband hat ein solches Modell abgelehnt. Die Gefahr der Einflussnahme durch die Politik ist zu groß. Das kann man ja auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beobachten. Dort sitzen vielen Politiker in den Gremien, die Einfluss nehmen. Tageszeitungen sind die vierte Gewalt im Staat. Sie kontrollieren die Politik und müssen auf eigenen Füßen stehen.
Sie teilen also nicht die Ängste, dass es mit deutschen Qualitätszeitungen bergab gehen könnte?
In Deutschland gibt es nach wie vor hervorragende Zeitungen. Zwar müssen wir einige Trends mitmachen. Auf der anderen Seite hat die Qualität dieser Zeitungen aber nicht gelitten. Sie ist sogar besser geworden. Auch die Erlössituation hat sich stabilisiert, so dass wir inzwischen eine zufriedenstellende Situation haben.
Ihr Tipp für eine funktionierende Zeitung?
Qualität und Mehrwert – so bindet man die Leser.
| Konstantin Neven DuMont, Jahrgang 1969, absolvierte während seiner Schulzeit verschiedene Praktika im Verlag M. DuMont Schauberg. 1994 Abschluss an der School of Journalism and Communication, Oregon, USA, 1995 Eintritt in den Verlag M. DuMont Schauberg, seit 1999 Mitherausgeber des Express, seit 2004 Sprecher der Geschäftsleitung des Unternehmensbereichs Köln. |
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September 2007
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