Das „laute, schnelle Leben hinter dem Business“ – das Magazin „Business Punk“

„Business Punk“ – das ist das Magazin für das „laute, schnelle Leben, das hinter dem Business tobt“, so die Eigenwerbung. Hier geht es um Ideen, Innovationen, Trends, um Start-Ups, Manager und Karriere. Ein Interview mit Verlagsleiter Jan Honsel über Erfolgsrezepte in schwierigem Umfeld.
Herr Honsel, renommierte Wirtschaftsblätter wie die „Financial Times Deutschland“ werden eingestellt. „Business Punk“ darf weitermachen. Mal ganz ehrlich: Wie kommt man eigentlich auf die Idee für ein so ungewöhnliches Format wie „Business Punk“?
Eigentlich ganz einfach: Unser Verlag hat 2008 zu einem Ideenwettbewerb unter den Mitarbeitern des Verlagshauses Gruner und Jahr aufgerufen. Jeder konnte neue Ideen für Online- und Print-Produkte entwickeln und einreichen. Bei den Wirtschaftsmedien von Gruner und Jahr haben damals unter anderem Nikolaus Röttger und Anja Rützel, die für die Out-of-Office-Seite der Financial Times Deutschland gearbeitet hatten, mitgemacht. Mit Hilfe von Kollegen haben sie das Konzept für ein Wirtschaftsmagazin für junge Leute entwickelt und landeten prompt auf dem dritten Platz. Die Zeitschrift wurde dann zunächst probeweise verlegt. Und weil wir gleich mit der ersten Ausgabe eine Auflage von knapp 40.000 Exemplaren erreichten, durften wir weitermachen.
Inzwischen erscheinen wir vier Mal im Jahr. Gerade produzieren wir die elfte Nummer. Nach der üblichen Abkühlung nach der Erstausgabe liegt die Auflage jetzt wieder bei ordentlich über 40.000 Exemplaren. Mittlerweile gibt es Business Punk natürlich auch als App.
Nah dran an den Leuten
Sie wollen das „laute, schnelle Leben hinter dem Business“ darstellen – was bedeutet das?Wir bringen Storys über Menschen mit ungewöhnlichen Ideen, auch mal über einen, der die meisten Flugmeilen der Welt gesammelt hat oder einen Sportwagen-Entwickler. Oder über den Hamburger Spieleerfinder Heiko Hubertz oder den damals neuen Puma-Chef Franz Koch. Den haben die Redaktionskollegen unter anderem beim Joggen begleitet, bei einem Termin in Genua – wir gehen bei „Business Punk“ nah ran an diese Leute, wollen ihre Geschichte erzählen. Es geht bei uns nicht nur um die trockenen Zahlen, sondern eben auch um die Menschen dahinter, was sie erlebt haben, wie sie Herausforderungen annehmen und mit Erfolg umgehen.
Wie kommt das bei Ihren Lesern an?
Unsere Zielgruppe ist jung, die allermeisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Rund 70 Prozent sind männlich, einige studieren noch, andere haben sich gerade selbstständig gemacht oder verdienen ihre erste richtige Kohle. Die wollen keine zehn Tipps für eine erfolgreiche Karriere, dazu sind sie zu realistisch. Wir präsentieren ihnen Geschichten, wie sie jemand abends an der Bar erzählen würde. Daraus kann sich jeder das mitnehmen, was ihn gerade betrifft.
Zum Beispiel?
Gehen oder bleiben war so ein Stück über verschiedene Karrierevorstellungen. Die Redaktion hat dafür mit einem Protegé gesprochen, der nach zwei Jahren aus der Firma ausgestiegen ist, weil er es nicht mehr ausgehalten hat und sich erfolgreich selbstständig gemacht hat. Der zweite Protegé wollte gehen, ließ sich von seinem Oberchef jedoch überzeugen zu bleiben, und ist heute im Vorstand der Firma. Aus solchen Geschichten können unsere Leser sich was abgucken und vielleicht für sich selbst etwas lernen.
„Social Media sind unser Zuhause“
Wie groß ist Ihre Online-Gemeinde?
Unsere Website ist bisher noch eher eine „Landingpage“ mit Blog. Wir nutzen zurzeit vor allem Social Media und da am meisten Facebook. Das ist quasi unser Zuhause; und das vieler in unserer Zielgruppe ebenfalls. Auf unserer Facebook-Site haben wir mehr als 58.000 „Freunde“. Mit denen zusammen passiert eine ganze Menge. 2012 haben wir zusammen mit dem Onlinespiele-Anbieter Bigpoint Leser und User aufgerufen, uns über eine Facebook-App die Frauen und Männer unter 40 Jahren vorzuschlagen, die in ihren Jobs innovative Ideen entwickeln und neue Wege gehen. Oder unsere „Freunde“ posten Fotos und Grafiken, die dann ins nächste Heft aufgenommen werden, wenn sie zu einer Geschichte passen. Ganz plastisch ist, was passierte, als sich einmal die Abo-Auslieferung verzögerte. Auf Facebook war schon der Titel des neuen Heftes zu sehen. Ein Sturm der Entrüstung. Heute stellen wir ein Foto ins Netz, wenn die ersten Exemplare aus der Druckerei kommen – dann kann jeder sehen: Jetzt beginnt der Versand. Früher gab es die mehr oder minder anonyme Rückkopplung via Leserhotline – heute voll sichtbar via Facebook. Das erfordert auch in unseren Verlagsprozessen neues Denken – und das ist gut so!
Wo finden Sie Ihre Themen?
Wir treffen eine Menge Leute, sehen uns Vorschläge von außen an, die von unserer Facebook-Gemeinde kommen. Nicht zu vergessen: Ein wichtiger Teil des redaktionellen Konzepts ist der Lifestyle. So haben wir den Pop-Sänger Robbie Williams porträtiert, der nach dem Auslaufen seiner Plattenverträge ein neues Geschäftsmodell auf die Beine stellen musste. Die Kollegen haben Johnny Rotten besucht, den Sänger der Sex Pistols, oder den Golf-Profi Martin Kaymer oder Surfer vor der Küste Liberias.
Zutaten für den Erfolg: Service, Qualität, Atmosphäre
Die Wirtschaftspresse ist derzeit ziemlich unter Druck. Auch in Ihrem Verlag wurden zuletzt mehrere Titel eingestellt. Wie kann „Business Punk“ als Wirtschaftsmagazin überleben?Das geht nur auf vielen Kanälen: über Facebook, Twitter, die App, über die man sich gegen Gebühr das ganze Heft herunterladen kann. Wir sind überzeugt, dass unsere starke Marke eine Zukunft hat. Es gibt alles im Internet, das ist wie beim Kochen: Jeder kann es, die Zutaten sind überall zu bekommen, und mit einem bisschen Geschick schmeckt es auch. Und trotzdem gibt es überall Restaurants, wo man essen geht. Weil die Leute den Service schätzen, die Qualität, die Empfehlungen des Chefkochs, die Atmosphäre, die Umgebung. So ist es auch mit den Print-Produkten.
Wir müssen die Leser ernst nehmen, uns ihr Feedback abholen, ihnen etwas bieten – und dann abonnieren sie auch unser Heft – ob als App oder in Print. Für sie ist Business Punk zudem ein sehr spannender Werbeträger. Wir haben nicht nur eine sehr interessante und ansonsten nur schwer zu erreichende Zielgruppe, sondern bieten immer wieder kreative Kooperationsformate über alle unsere Kanäle hinweg, die wir gemeinsam mit Agenturen und Kunden entwickeln.
stellte die Fragen. Er ist freier Journalist in Berlin und leitet eine Agentur für Text und Gestaltung (www.thomas-ppr.de).
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März 2013
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