| Lesequiz |
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Text I
MICHAEL ALTHEN ist Filmkritiker der Süddeutschen
Zeitung und jetzt-Autor. Seit Jahren veranstaltet er eine private Oscar-Wette,
bei der er auch mal selbst den Jackpot gewinnt. Das volle Vergnügen beginnt,
wenn man in der Nacht von Montag auf Dienstag live dabei ist (leider nur
auf Premiere) und auf die Sieger gewettet hat - erst dann wird es spannend,
wer den Preis für den besten Toneffektschnitt kriegt. Wer die wichtigeren
Oscars gewinnt, ist in der Regel nicht schwer zu erraten. Daß "Der
englische Patient" oder "Forrest Gump" groß abräumen würden,
wußte man vorher - mit "Titanic" wird es dieses Jahr nicht anders
sein. Deshalb wird die Wette erst durch ansonsten eher langweilige Kategorien
wie Schnitt, Make-up oder Dokumentarfilm interessant. Kleiner Tip: Den Oscar
für den besten Schnitt gewinnt meistens jener Film, der auch als bester Film
ausgezeichnet wird. Den für die Kamera auch, und den für die Regie sowieso.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn man Leute fragt, ob sie wetten wollen,
sagen die meisten zuerst, sie hätten keine Ahnung oder vieles nicht gesehen.
Dabei macht das nichts: Auch die meisten der 5371 stimmberechtigten Mitglieder
der Academy of Motion Picture Arts and Sciences haben vieles nicht gesehen und
oft keine Ahnung. Das ist im Grunde das beste Rezept für Wetten: der gesunde
Menschenverstand. Welchen Ruf hat ein Film? Welcher Schauspieler ist fällig?
Trotzdem bleiben noch genügend heikle Fragen: Jack Nicholson oder Peter Fonda?
Gloria Stuart oder Kim Basinger? Helen Hunt oder doch wieder eine Engländerin?
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Quiz
Text II
CAROLINE
LINK ist als Regisseurin von "Jenseits der
Stille" in der Kategorie Bester Ausländischer Film nominiert - und muß
im Fall eines Siegs selbst auf die Bühne. Ziemlich klar, was für mich die aufregendste
Kategorie ist. Da muß ich natürlich "Jenseits der Stille" wählen.
Ich kenne meine Konkurrenten nicht, aber alle sollen ziemlich traditionell
sein. Die Russen machen offenbar viel Werbung. Diese ganze Oscar-Sache ist ein
tierischer Streß - und ehrlich gesagt, man muß ja nicht unbedingt gleich
mit dem ersten Film gewinnen. Wenn es klappt, ist es natürlich irre, aber an
eine Dankesrede denke ich noch überhaupt nicht. Jack Nicholson habe ich
gewählt, weil er einfach mal fällig ist. Robin Williams als bester Nebendarsteller
war mir in "Good Will Hunting" zu weinerlich, also Anthony Hopkins.
Das Drehbuch fand ich sehr amerikanisch, es hat mir aber Spaß gemacht, deshalb
müßten Matt Damon und Ben Affleck in dieser Kategorie gewinnen. Und die Kamera
von "Kundun" hat eine Größe in den Bildern, die den Amis sicher gefällt.