Buchhändler/Buchhändlerin

Hier
sprechen junge Menschen, die nur ihren Nickname nennen, damit
sie wirklich alles erzählen können.
Buchhaendler2002@yahoo.de,
20, macht eine Ausbildung zum Buchhändler
Leselust
"Dass Franz
Kafka so genial spannend schreibt, hätte ich früher
nicht gedacht. "Weltliteratur" - das klang immer so anstrengend.
Ich habe zwar schon als Kind gern gelesen, am liebsten Ritterromane,
später dann Science-Fiction und Fantasy. Seit ich aber in der
Buchhandlung arbeite, lese ich mich auch durch die Klassiker der
Weltliteratur: Hermann
Hesse und Albert
Camus zum Beispiel finde ich sehr gut. Ich bin richtig
froh, dass ich diese Autoren durch meine Arbeit entdeckt habe.
Dabei hatte ich mich zuerst ja rein intuitiv für ein Praktikum in einer Buchhandlung entschieden. Das hat mir aber so gut gefallen,
dass ich mich gleich für einen Ausbildungsplatz
beworben habe. Wenn man ständig von Büchern umgeben ist, wird
man neugierig. Bei der Leselust, die ich jetzt habe, bin ich ganz
froh, dass ich auf die Bücher Rabatt bekomme."
Kunden
"Neue Bücher auspacken, sie ins Regal einordnen oder sie
auf Tische stapeln - das sind meine weniger spannenden Aufgaben.
In der Berufsschule
haben wir auch betriebswirtschaftliche
Fächer wie Controlling
und Buchhaltung,
aber das kann man erst richtig brauchen, wenn man eine eigene
Buchhandlung leitet. Was mir hier im Laden am meisten Spaß macht,
ist die Beratung. Es gibt die unterschiedlichsten Typen von Kunden.
Manche kommen reingerannt, greifen sich ein Buch, zahlen und verschwinden
gleich wieder. Da fühle ich mich dann ein bisschen überflüssig."
Herzschmerz
"Ältere Leute mag ich da schon lieber, die nehmen sich
gerne Zeit für ein Gespräch und lassen sich von mir Bücher empfehlen.
Da muss ich dann erstmal herausfinden, was derjenige gerne liest.
Von der Gesundheitsbibel
bis zum Herzschmerz-Frauenroman
ist ja theoretisch alles möglich. Ich frage also, was er in letzter
Zeit gerne gelesen hat. Manche beschreiben mir dann nur den Umschlag,
weil sie Titel und Autor vergessen haben. Wenn dieses Ratespiel
nichts
bringt, fange ich an, ein paar Autorennamen zu nennen und
hoffe, dass die Kunden irgendwann "ja, genau!" rufen. Im Zweifelsfall
kann ich die Daten auch am Computer recherchieren."
Schnapsnase
"Mir gefällt es, mein eigenes Wissen weiterzugeben. Ich
kann jemanden mit einem Buch bekannt machen, von dem er vorher
keine Ahnung hatte und das ihn dann total begeistert. Mit den
Kunden erlebt man immer wieder Neues. Einmal kam so ein stämmiger
Typ mit Schnapsnase
herein. Ich habe mir gedacht, der hat sich im Geschäft geirrt,
aber er wollte tatsächlich einen Englischkurs kaufen. Ich schlug
ihm ein paar vor, während wir uns über Fremdsprachen unterhielten.
Als er dabei herausbekam, dass ich kein Französisch kann, hat
er den
Spieß umgedreht und mir alle möglichen Französischkurse empfohlen.
Das war schon lustig."
Frauenberuf
"Ich arbeite gern hier, auch wegen der Kollegen: Das sind
alles Individualisten, von denen viele kreative Hobbys haben,
zum Beispiel Malen oder Schreiben. Als Mann bin ich hier eher
eine Ausnahme, denn Buchhändler ist ein richtiger Frauenberuf
- warum weiß ich auch nicht, aber Frauen scheinen eine besondere
Beziehung zu Büchern zu haben. Später eine eigene Buchhandlung
aufzumachen fände ich schön, aber es ist so schwierig, sich
über Wasser zu halten, dass ich es lieber nicht riskieren
will. Da bliebe mir ja dann vor lauter Stress keine Zeit mehr
zum Lesen."
Protokoll: Monika von Aufschnaiter
| Job-Info |
Buchhändler/Buchhändlerin |
| Voraussetzungen |
Gesetzlich
keine. Die meisten Betriebe stellen Auszubildende
mit Hoch- oder Fachschulreife ein |
| Mindestalter |
Keins |
| So
geht's los |
Praktische
Ausbildung im Betrieb, daneben theoretische Ausbildung in
der Berufsschule und in Lehrgängen |
| Ziel |
Die
Abschlussprüfung bestehen |
| Fertig
nach |
Drei
Jahren |
| So
geht's weiter |
Fortbildung
zum Buchhandelsfachwirt, Handelsfachwirt, Verlagsbuchhändler
oder Verlagsfachwirt. Studium der Buchwissenschaft |
| Wer
bildet aus |
Buchhandlungen,
Berufsschulen, Deutsche Buchhändlerschule in Frankfurt am
Main |
| Verdienst |
Im
ersten Ausbildungsjahr: 612, im zweiten 675, im dritten
742 Euro (brutto) |
| Was
lernt man |
Wareneingang,
Lagerorganisation, Bibliografie und Recherche, Marketing,
Rechnungswesen, Controlling, etc. |
Mehr Infos
Kurzes Berufsprofil beim Arbeitsamt
Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Deutsche
Buchhändlerschule, Frankfurt/Main
Text
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