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Die jüngsten Deutschen

Einleitung

Das Leben fängt bei Null an. Man wird geboren, und dann fängt die Lebensuhr an zu laufen, wie die Stoppuhr bei einem Videorekorder. Wenigstens hier sind alle Menschen gleich. Der neueste Mensch, der jüngste Deutsche – ein schöner Titel, den man im Durchschnitt gerade mal 40 Sekunden lang innehat. Dann wird irgendwo in diesem Land schon das nächste Baby geboren, man wird älter, und das Leben nimmt Fahrt auf. Manche Menschen sind auch danach immer wieder die Jüngsten. Weil sie etwas früher können als andere: Rechnen, Fußball spielen oder Wählerstimmen gewinnen. Diese Rekordhalter werden dann zum Maßstab für Eltern, Lehrer und Personalchefs, indem sie markieren, was schon möglich ist. Wir anderen, die normal Eingeschulten des Lebens, begegnen diesen Jüngsten misstrauisch. Weil sie uns das Gefühl geben, wir hätten irgendwo unterwegs die Zeit vertrödelt. Für die Karriere ist das Alter ein Statussymbol, und die Jüngsten schmückt es solange, bis sie nicht mehr die Jüngsten sind. Bis einer kommt, dessen Jahrgang höher ist als der ihre. Dann wandern die Scheinwerfer weiter, und sie reihen sich ein, ins Heer der Normalen, mitsamt der Erkenntnis: Auf das Alter hat man keinen Einfluss, es gibt keinen Pausenknopf, der Film des Lebens läuft weiter.

In der Bibel der Zahlenfreaks, dem Guiness-Buch der Rekorde, finden sich „die jüngste Pilotin“, der „jüngste Cowboy“ und der „jüngste Astronaut“. Aber ein Rekord ist nur eine Zahl, die man für bewundernswert erklärt hat. Das Leben dahinter muss nicht angenehm oder aufregend sein. Der jüngste deutsche Arbeitslose zum Beispiel ist fünfzehn Jahre alt. Er hat nach einigen Wochen seine Lehrstelle verloren und hätte sicher gerne auf das Prädikat verzichtet. Genau wie das jüngste geschiedene Ehepaar. 17 und 18 Jahre sind die beiden alt. Hier reduziert sich der Altersrekord auf das, was er eigentlich nur ist: ein statistisches Ereignis. Wir haben uns auf die Suche nach ein paar Menschen hinter solchen Zahlenspielchen gemacht und gefragt, wie es den jüngsten Deutschen so geht.

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Zusammengestellt von aarni-kuoppamaeki, tobias-moorstedt, franziska-schwarz, barbara-streidl, dirk-vongehlen und silke-wichert.