| Einmal
ein Delfin sein? Oder Designerin mit eigenem Laden? Virtuelle
Welten wie Second
Life kennen kaum Grenzen. „Mein wunderbares
Ich – Der Alltag in Second Life“ lautet der Titel
einer Dokumentation, die die Menschen hinter den Second Life-Figuren
zeigt. Ein Gespräch mit Susanne Jäger, der Regisseurin
des Films.
Eine
Doku über Second Life:
Ist das nicht vor allem Werbung für diese virtuelle Welt?
In meinem Film geht es gar nicht um Second Life an sich,
sondern um die Leute, die in Second Life aktiv sind.
Mir ging es um den Zusammenhang zwischen ihren Aktivitäten
in Second Life und dem realen Leben, um individuelle
Spielarten.
Wie
sind Sie an das Thema rangegangen?
Ein befreundeter Künstler hat mich auf Second Life
aufmerksam gemacht, ich kannte das auch nicht. Deswegen bin ich
vorurteilsfrei da rangegangen. Ich habe vor dem ganzen Hype,
im Oktober 2006 mit der Recherche begonnen und habe das Thema
dann verschiedenen Sendern
angeboten. Da kannte noch niemand Second Life. Es hat
relativ lange gedauert, bis dann der WDR
Interesse daran hatte.
Und
was ist in dem Film dann zu sehen?
Es geht um fünf Leute, die ich nach längerer Recherche
gefunden hatte. Ich wollte die Vielfalt von Second Life
zeigen. Außerdem war es mir wichtig, Leute zu finden, die
ernsthaft dabei sind und denen es nicht nur um irgendwelche Sex-Sachen
geht. Viele Künstler nutzen Second Life zum Beispiel
als Plattform, Bands
geben internationale Konzerte, was sie sonst nicht
könnten, weil sie einfach nicht so bekannt sind. Mich hat
fasziniert, dass da so viel in Second Life passiert,
wovon man im realen Leben gar nichts mitkriegt.
Einer der Protagonisten im Film hatte ein Jobangebot
in Second Life bekommen und ist im realen Leben von Paris
nach China gezogen, für diesen Job. Und man kann dort Sachen
machen, die man im wirklichen Leben nie machen kann. Ein anderer
Protagonist ist zum Beispiel ein totaler Delfin-Fan. Sein Avatar
in Second Life ist ein Delfin und hat dort ganz viele
andere Delfin-Freunde.
Das
klingt eher begeistert. Was ist Ihr persönlicher Eindruck
von Second Life?
Ich sehe Second Life vor allem als Plattform, die aber
nicht so speziell ist, wie man nach dem Hype vielleicht dachte.
In China zum Beispiel gibt es inzwischen viele Plattformen, die
ähnlich funktionieren. Als Plattform hat es gute und schlechte
Seiten. Gut finde ich, dass Leute mit gleichen Interessen sich
austauschen können, egal, wo auf der Welt sie sind. Schlecht
ist, dass es dort wie im richtigen Leben Perverse
gibt, die nur komische Sexnummern wollen. Und wenn jemand
ein total isoliertes Leben führt und nur noch in Second
Life unterwegs ist, ist das natürlich auch schlecht.
Ich habe da aber keine endgültige Meinung, weil sich das
auch ständig verändert.
Was
war die wichtigste Erfahrung oder Erkenntnis bei der Arbeit?
Ich hatte nach einiger Zeit tatsächlich Gefühle für
diese Figuren. Das konnte ich mir vorher nicht vorstellen, weil
die ja eher lächerlich aussehen, wie Puppen. Ich konnte mir
nicht erklären, wie Leute sich in eine andere Figur verlieben
können. Aber wenn man den persönlichen Austausch miterlebt,
entwickelt man wirklich Emotionen für diese Figuren.
Text:
nina-heinrich
(bei jetzt.de veröffentlicht am 28.08.2007, von JETZT Deutsch
lernen übernommen am 20.10.2008)
Text
als RTF-Datei zum Herunterladen
Der Film zum Text:
Mein
wunderbares Ich – Der andere Alltag in Second Life (ca. 44 min.)
Den im Text thematisierten Film kann man auf
der Blog-Seite von Joachim Stein, dem zweiten Autor des Filmes,
anschauen und herunterladen. Die Premiere des Dokumentarfilmes fand im August
2007 statt - und zwar sowohl im 'realen' Leben in der Berliner
"Galerie 35", als auch in newBerlin
in Second Life.
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