Kein
Geld, um dir dein Studium und das Leben in der tollen neuen Stadt
zu finanzieren? Macht nichts. Das geht den meisten so. Aber mit
etwas Papierkram und Behördenstress kommst du schon an dein Geld
- du musst es nur irgendwann zurückzahlen.
Du bist an deiner Wunsch-Uni eingeschrieben.
Ein WG-Zimmer
hast du auch gefunden. Aber plötzlich merkst du, wie teuer
das Leben ist. Pünktlich
zum Ersten muss
die Miete überwiesen werden, teure Bücher stehen ganz oben auf der
Literaturliste des Pflichtseminars. Knapp 640 Euro gibst du als
Normalstudent monatlich aus, sagt die Statistik. Das meiste Geld
geht für Wohnen und Ernährung drauf. Aber wo kommt es her?
Keine Panik: Das Gesetz steht auf deiner Seite. Steckst du noch
in der Ausbildung, müssen dich deine Eltern finanziell unterstützen.
Theoretisch kannst du diese Unterstützung mit Hilfe des Bafög-Amts
sogar einklagen.
Doch wer will schon
die eigenen Eltern vor den Richter zerren
- es
gibt auch andere Wege zum Geld. Der erste führt zum Studentenwerk.
Dort informiert man dich darüber, wie viel Förderung dir nach dem
Bundesausbildungs-Förderungsgesetz
(Bafög)
zusteht.
Da es Bafög erst nach der Antragstellung gibt, erledigst du diese
am besten direkt nach der
Einschreibung.
Staatliche Förderung erfolgt abhängig von deinem Einkommen und Vermögen
beziehungsweise dem deiner Eltern. Wohnst du noch zu Hause, kannst
du bis zu 377 Euro bekommen, andernfalls maximal 466 Euro. Für Mietkosten
über 133 Euro im Monat und die Krankenversicherung gibt es Zuschüsse.
Auch wenn nur knapp ein Drittel der Studenten Anspruch auf Bafög
hat, lohnt sich ein Antrag.
Im April vergangenen Jahres ist das Bafög umfassend reformiert worden;
du kannst jetzt einfacher und mehr Geld bekommen, im besten Fall
und inklusive aller Zuschüsse 585 Euro. Damit lässt es sich doch
schon mal leben.
Nachteil: Schnelles Studieren ist wichtig. Als Bafög-Student musst
du nach dem vierten Semester dein
Zwischenprüfungszeugnis
vorlegen; generell gibt es Bafög nur bis zum Ende der
Regelstudienzeit
. "Bei schwerwiegenden Gründen wie Krankheit, Schwangerschaft,
Mitarbeit in Hochschul-Gremien oder auch Nichtbestehen wichtiger
Prüfungen, kann die Förderung jedoch verlängert werden", sagt
Werner Hensgen, stellvertretender Leiter des Amts für Ausbildungsförderung
beim Münchener Studentenwerks.
Die Rückzahlungs-Bedingungen sind human. Die Hälfte des Bafögs ist
geschenkt, die andere wird erst fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer
fällig. Die folgenden zwanzig Jahre zahlst du dann monatlich 105
Euro, bis zu einem Gesamtbetrag von maximal 10000 Euro. Belohnt
werden auf Antrag besonders schnelle und fleißige Studenten: Gehörst
du zum ersten Drittel deines Examensjahrgangs, darfst du bis zu
25 Prozent des Darlehens behalten. Wirst du vor der Regelstudienzeit
fertig, erlässt man dir maximal 2560 Euro.
Bafög ist mit einer Menge Papierkram und Behördengängen verbunden.
Das raubt Zeit und Energie, die du vielleicht lieber in deine Studien
steckst - dann könntest du dich auch um ein Stipendium bemühen.
Die gibt es bei Stiftungen von Parteien, Konfessionen oder auch
aus privater Hand. Neben guten Zensuren ist dafür soziales Engagement
wichtig. Bewerben musst du dich selbst und die Geldgeber in Auswahlgesprächen
überzeugen. Klappt alles, gibt es gemäß der Bafög-Grundlagen Geld;
die Zeiträume variieren. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung
zahlt ab Studienbeginn, nach einem Jahr Probe bis zum Ende
der Regelstudienzeit. Bei der Heinrich-Böll-Stiftung
der Grünen
kannst du dich hingegen erst im Hauptstudium bewerben. Der Vorteil
von Stipendien: Du musst nichts zurückzahlen. Der
Haken:
Die Leute wollen beste Noten sehen.
Bafög, Stipendium, schön und gut. Dumm nur, wenn deine Eltern ein
paar Euro zu viel verdienen, dich jedoch nicht ausreichend unterstützen
können. Zusätzlich bist du mitten im Examensstress. Jobben? Keine
Zeit. Wenn du selbstsicher bist, versuchst du bei einer Bank einen
Kredit zu bekommen. In Österreich etwa ist es durchaus üblich, Studenten
je nach Studienabschnitt und Verwendungszweck Geld zu leihen. Damit
in Deutschland ein Kredit auf dein Konto fließt, müssen deine Eltern
für dich
bürgen oder andere Sicherheiten bieten, sonst besteht kaum
eine Chance.
Da hilft wieder der Staat. Seit April 2001 gibt es den sogenannte
Bildungskredit: Vollzeitstudenten können monatlich niedrig verzinstes
Geld vom Staat kriegen, das persönliche Einkommen bleibt unberücksichtigt.
Das Gute: Es werden keine Sicherheiten verlangt, der Bund bürgt
für dich. Außerdem ist vollkommen egal, was deine Eltern verdienen.
Hast du deine Zwischenprüfung bestanden, kannst du bis zu 7200 Euro
beantragen, gezahlt wird in Monatsraten zu 300 Euro.
"Benötigt der Studierende für seine Diplomarbeit einen Computer
oder eine Menge Bücher, kann er eine einmalige Zahlung von bis zu
sechs Monatsraten bekommen", erzählt Elisabeth Fawale, Leiterin
des Referats Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts. "Auch
zusätzlich zum Bafög." Der Bildungskredit lässt sich sogar
splitten.
Im fünften Semester kannst du mit dem ersten Teil vielleicht ein
Pflichtpraktikum im Ausland finanzieren, mit dem zweiten Teil dann
das Jahr vor dem Examen. Anders als Bafög wird der Bildungskredit
von Anfang an verzinst, momentan mit 4,66 Prozent. Die erste monatliche
Rückzahlung von 120 Euro wird vier Jahre später fällig. Verdienst
du noch sehr wenig, kann dies auch verschoben werden. Dann sammeln
sich aber immer weiter Zinsen an.
Alles klar? Mit ein bisschen Aufwand und Geduld kommt jeder Student
an Geld. Und wenn dir das alles zu blöd ist, bleibt immer noch der
Griff zum Telefon: "Wer
wird Millionär"
sucht immer schlaue Kandidaten.
Text:
Christine
Ritzenhoff
Heft Nr. 9 - 2002
Illustration: lee, ruzi, smal
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