Der
Sitzenbleiber
Foto: Robin Pieper
Bis
vor einer Woche saß der Hamburger Biologie-Student Florian
Schulz mit anderen Greenpeace-Aktivisten
für mehrere Wochen in 65 Metern Höhe im australischen
Tasmanien auf einem Riesen-Eukalyptusbaum.
Damit protestierte der 25-Jährige gegen die Rodung der Eukalyptus-Bäume,
die nach den Redwood-Bäumen
in Kalifornien die höchsten der Welt sind. Sie können
über 400 Jahre alt und bis zu 85 Meter groß werden,
so hoch wie ein 25-stöckiges Hochhaus.
Florian, warum die Protestaktion?
Hier werden Bäume für die Papierindustrie
in Japan gerodet. Und um Platz zu schaffen für Nutzwälder.
Das Perverse
ist, dass nach dem Roden auch noch Gift ausgelegt wird, um Tiere
wie Wallabies
und Possums
umzubringen, damit die das Saatgut der Nutzwälder nicht fressen.
Wie
kamst du von Hamburg auf den Baum?
Ich bin seit drei Jahren bei Greenpeace als Aktivist
tätig. Die australischen Kollegen haben jemanden gesucht,
der Kletter-Erfahrung hat, und ich habe eine Ausbildung als Kletterer.
Wann
bist du hochgeklettert?
Das war am 13. Dezember. Ich war eigentlich ziemlich
müde. Aber ich musste mir das unbedingt anschauen.
Und,
wie ist es dort oben?
Wunderschön. Alles ist sehr lebendig. Man sieht
riesige Moose an den Bäumen. Es fühlt sich an wie die
totale Wildnis. Es ist ganz anders als ein deutscher Wald.
Wie
habt ihr gelebt?
Wir sind ständig angeseilt, selbst beim Schlafen,
das ist nach einer Weile schon sehr lästig. Wir hatten drei
begehbare Plattformen. Und ein Zelt, das mit jeder Menge High-Tech
ausgestattet war, Satellitentelefon, Laptop und so weiter. Dort
konnten zwei Personen schlafen, ein anderes Zelt hatte noch mal
Platz für vier Personen.
Wie
kocht man auf so einem Baum?
Wir hatten zwei große Mülltonnen. Eine mit
Material und eine voll mit Essen. Und einen kleinen Gasherd. Aber
wir waren auch den Leuten aus dem Base-Camp
am Fuß des Baumes sehr dankbar. Die haben uns oft Essen
gekocht, und das haben wir an einem Flaschenzug
hochgezogen. Das Wasser kam von einem nahe gelegenen Fluss und
die Toiletten, na ja, das waren Eimer.
Deine
Kollegen sind geblieben – welche Reaktionen habt ihr bisher
bekommen?
Der Chef der Grünen war schon da. Und es gibt sehr
viele Menschen, die kommen, ohne zu Greenpeace zu gehören.
Deshalb merkte ich, die Aktion hat Hand
und Fuß, denn das ist wirklich etwas, das auch einfache
Leute unterstützen. Ich bin während meiner Zeit zweimal
in die tasmanische Hauptstadt gefahren, um private Dinge zu organisieren.
Ich kam mit einem Cafébesitzer ins Gespräch. Als er
merkte, dass wir von diesem Baum kamen, meinte er: „Der
Kaffee geht aufs Haus.“ Als ich vor der Abreise noch mal
vorbeikam, hatte er ein Poster von unserer Aktion ins Café
gehängt.
robin-pieper
(bei jetzt.de veröffentlicht am 14.10.2003
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von JETZT Deutsch lernen übernommen am 10.6.2005)
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