Wenn Jens
Gallion, 23, von der Kripo
befragt würde, ob er Feinde hätte, käme er sicher auf mehr als tausend
Namen. Und jeden Monat kommen neue Gegner dazu. Jens Gallion ist
nicht etwa das jüngste deutsche Mafiamitglied, und er ist auch kein
Fußballhooligan. Er kämpft gegen Computerviren. Solange er auf einen
Studienplatz an der Universität
Hamburg für den Studiengang Wirtschaftsinformatik wartet,
arbeitet er für das "Anti-Virus Emergency Response Team"
der Firma Network Associates in Hamburg. Das Unternehmen beschäftigt
sich mit der Sicherheit von Netzwerken. Verzweifelten Privat- oder
Geschäftskunden, die vor einem schwarzen Bildschirm sitzen und glauben,
ein Virus sei schuld, hilft Jens per Telefon, E-Mail oder Fax. Manchmal
reicht es schon, die Kunden darauf hinzuweisen, den Rechner einzuschalten.
Schon mit neun
Jahren beschäftigte sich Jens mit den Computersprachen BASIC und
PASCAL, später programmierte er den PC seines Vaters zum Vokabelabfrager.
Eines Tages entdeckte er auf seinem AMIGA
2000 seinen ersten Computervirus namens Lamer Exterminator
- dieser virtuelle Schwarzenegger zerstörte nach und nach Jens'
Disketten. Sein Interesse war geweckt: "Mich reizte die Suche
nach dem Fehler." Seitdem feilt Jens an immer neuen Programmen
gegen bekannte oder neue Viren, die durch das Internet immer schneller
und weiter verbreitet werden. Was sind das für Leute, die solche
unerwünschten digitalen Kettenbriefe verschicken, damit großen Schaden
anrichten und sich strafbar machen? "Meistens sind es junge
Typen, deren Computerwissen in kriminelle Bahnen gelenkt worden
ist. Sehr oft haben sie ein sehr großes Profilierungsbedürfnis,
weil sie in der realen Welt nicht beachtet werden." Das kann
Jens nicht passieren: Sein Wissen ist sehr gefragt. Obwohl er bisher
nur Abitur hat, verdient er so viel wie ein Gymnasiallehrer. "Wissen
allein reicht nicht", meint Jens allerdings. "Neben der
Fähigkeit, Viren erkennen und Systeme reparieren zu können, muss
man auch eine gute Telefonstimme haben und gerne beraten."
Gregor
Wildermann
Keine Angst vor der Virus-Warnung!
Zur Zeit kursieren im Internet eine Menge unsinniger Warnungen
vor gefährlichen Viren, die per E-Mail übertragen werden. Die
Warnungen stammen angeblich von einer großen Computerfirma. Meistens
wird der Empfänger aufgefordert, diese Warnung an möglichst viele
andere Computernutzer weiterzuschicken. Tatsächlich gibt es die
meisten Viren überhaupt nicht, vor denen auf diese Art gewarnt
wird. Die Warnungen sind meistens Datenmüll, oder - noch übler
- sie transportieren selbst einen Virus. Wer sich nicht ganz sicher
ist, findet unter www.stiller.com eine Auflistung der beliebtesten
und lustigsten Falschmeldungen.
Achtung:
Die folgenden Zeilen sind virusinfiziert
Insgesamt
gibt es 43000 Computerviren, davon sind aber nur hundert gefährlich
und verbreitet. Die folgenden vier Viren sind zur Zeit die Bekanntesten.
- URLsnoop
- der Spion
Charakter: neugierig. Methode: das Versenden aller E-Mail-Adressen
des befallenen Rechners nach China. Folge: Irgendwo in China sitzt
jetzt jemand auf einem fetten E-Mail-Adressbuch. Sonst ist kein
Schaden bekannt.
Befällt: Windows- Systeme.
- Melissa
- die Stripperin
Charakter: klatschsüchtig.
Methode: schleicht sich als vertrauenswürdige E-Mail eines Bekannten
ins System und verspricht eine Liste mit Passwörtern für Porno-Homepages.
Folge: versendet sich selbst an fünfzig Personen aus dem E-Mail-Adressbuch.
Und garniert Word-Texte mit Zitaten aus "Die Simpsons".
Befällt: Windows-Systeme.
-
Win95/CIH - der Berserker
Charakter:
böse.
Methode: löst am 26. Tag eines bestimmten Monats, dem Datum der
Tschernobyl-Katastrophe, den Super-GAU im Computer aus, indem
er einen wichtigen Chip, das BIOS, unbrauchbar macht.
Folge: Der Rechner lässt sich nicht mehr starten.
Befällt: Windows-Systeme.
-
Der Auto-Boot-Worm - das Karnickel
Charakter: fortpflanzungsgierig.
Methode: kopiert sich auf alle Disketten und Server, die er erreichen
kann. Nach einiger Zeit stielt er dem PC Rechenzeit und löscht
Dateien.
Folge: am Anfang unentdeckt, zerstört er schleichend alle installierten
Programme.
Befällt: Macintosh-Systeme.
An
die Arbeit - Erste Hilfe
Die
Hausarbeit besteht nur noch aus Hieroglyphen, der Bildschirm ist
schwarz, aus dem Drucker quillt Unsinn. Alle Vorsichtsmaßnahmen
wurden beachtet, nie eine unbekannte Diskette ins Laufwerk gesteckt,
keine obskuren Homepages angeklickt - doch jetzt: ein Computervirus.
Vier Tipps für die erste Hilfe:
1. Den Computer
ausschalten und mit einer nicht infizierten, schreibgeschützten
Originaldiskette starten.
2. Haben sich
die Dateien auf dem Rechner auffällig verändert, sind zum Beispiel
länger geworden? Dann hat sich der Computer einen Virus eingefangen.
3. Hoffentlich
hilft jetzt ein Virenscanner. Das sind kleine Programme, die Viren
aufspüren und vernichten. Der bekannteste Virenscanner kommt von
der Firma McAfee.
4. Hilft alles
nichts? Dann bleibt nur noch, Rat bei einem Fachmann einzuholen.
Zum Beispiel beim Hamburger
"Virus Test Center".
Birgit
Ackermann/Stefan Kuzmany
Text
als RTF-Datei zum Herunterladen
|