Neue Stadt. Neues Leben. Neue Freiheit. Und 1000 gut gemeinte Ratschläge zum Thema "Studienanfang". Wir sagen, wie es wirklich ist.
Uni und Schule haben nichts gemeinsam.
Wer in der Schule versagt, versagt wegen blöder Lehrer und schlechter
Lehrpläne. Wer an der Uni versagt, versagt eigenständig und eigenverantwortlich.
Alle Vorlesungen sind wichtig.
Denkt man am Anfang. Später denkt man, alle Seminare seien wichtig. Noch später setzt man alles an das Erreichen der Scheine. Zuletzt versucht man nur noch, so schnell wie möglich mit dem Studium fertig zu werden.
Das Abitur ist die schwierigste Prüfung
im Leben.
Nein, im Studium warten auch noch ein
paar. Aber nie wieder wird eine Prüfung so schlimm wie die Führerscheinprüfung.
Im
ersten Semester muss man möglichst viele Scheine machen.
Einige, ein paar, vielleicht zwei, maximal drei, das ist realistisch.
Das erste Semester ist eine Phase der Eingewöhnung. Dazu zählt auch, möglichst
oft mit neuen Bekannten in die Cafeteria zum Milchkaffeetrinken zu gehen.
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Cafeteria in einer Universität
Wer bei der Einschreibung für ein Seminar
zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Na ja. Ein
nettes Lächeln beim Dozenten hat schon manchen Trödler auf die Teilnehmerlisten
gebracht. Oder auch die hartnäckige Weigerung, das Seminar wieder zu verlassen.
Dieses komische Überweisungsformular legt
man erst mal zu den Akten.
Nein! Die Rückmeldung ist fast das Wichtigste, und der Studentenwerks-Beitrag
muss bezahlt sein. Sonst wird man exmatrikuliert. Und verbilligtes Fahren
mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht dann nicht mehr.
Die Uni ist ein Labyrinth.
Und wie. Raumbezeichnungen, und seien sie noch so kryptisch, unbedingt
aufschreiben. Sonst vergehen die ersten zwei Wochen mit verzweifelter
Suche nach den Kursen.
Das beste am Studium sind die Semesterferien.
Die
richtige Bezeichnung lautet "vorlesungsfreie Zeit" und meint, dass man weiterhin
lernen soll. Allerdings: Wer jetzt nicht monatelang durch ferne Kontinente
reist, tut es nimmermehr.
Das Buch, das man am dringendsten braucht,
steht nie in der Bibliothek.
Richtig. Deshalb besorgt man sich Bibliothekenausweise für mindestens
vier Bibliotheken. Die zu organisieren, kann schon ein Semester beanspruchen.
Trotzdem hat man nie alle dabei, weil sonst nichts mehr ins Portmonee
passt. |
Bücherregal in einer Universitätsbibliothek |
Am besten lernt man im Lesesaal.
Man kann allerdings auch zu Hause lernen. Die Vorteile: ein Kühlschrank,
frischer Kaffee, ein Telefon. Die Nachteile: ein Kühlschrank, frischer
Kaffee, ein Telefon.
Die Sekretärin kann im Notfall deinen
Kopf retten.
Allerdings! Zum Beispiel dann, wenn
sie die Macht hat, eine zwei Wochen verspätete Arbeit doch noch anzunehmen.
Auch gegenüber Hausmeistern und Mitarbeitern der Prüfungsämter gilt die eherne Regel: Nett sein.
Mit diesem Studienfach findest du nie
einen Job!
Sagen zum Beispiel deine Eltern. Der
Witz ist nur, dass man das heute bei fast jedem Fach sagen kann. Wer Trends
des Arbeitsmarkts erahnen will, kann böse danebenliegen. Also besser darauf
verlassen, was einem wirklich Freude macht.
Wer was werden will, geht jeden Tag an die Uni.
Nein. Denn die, die was geworden sind, machen es auch nicht so. Orientiere
dich an den Professoren, die sind auch nur Dienstag bis Donnerstag oder
Montag bis Mittwoch da.
Studenten müssen nicht pünktlich sein.
Die Zeitangaben sollte man trotzdem kennen: c.t. heißt cum tempore und
bedeutet, dass das Seminar oder die Vorlesung 15 Minuten später anfängt
als angegeben. s.t. heißt sin tempore und bedeutet, dass die Veranstaltung
so anfängt, wie es dasteht. Wenn nichts dabei steht, gilt das Gleiche.
Bei Vorlesungen muss man unbedingt mitschreiben.
Und zwar so deutlich, dass man es später auch noch lesen kann. Keinen
der Zettel verlieren. Die Blätter abheften. Wem das alles zu viel ist,
der freundet sich mit dem Trottel aus der ersten Reihe an, der immer so emsig kritzelt.
Seminararbeiten
sind eine Wissenschaft für sich.
Es gibt Studenten, die zumindest eine daraus machen. Tatsache ist, dass
man wissenschaftlich arbeiten soll und schreiben können muss. Genauso
wenig wie man nur ein einziges Buch abschreiben darf, muss man aber auch
nicht gleich fünfzig lesen.
Das erste Referat ist immer das schlimmste.
Meistens ja, zu totaler Panik besteht allerdings kein Grund. Schließlich
ist jeder mal dran - und jeder ist froh, wenn es vorbei ist. Ein etwas
blödes, albernes, aber nicht dummes Mittel gegen Nervositätsattacken:
Stell dir einfach alle anderen nackt vor.
Wer organisiert ist, kommt weiter.
Klar. Kluge Studenten haben zum Beispiel immer Ein- oder Zweieurostücke
für die Schließfächer dabei. Zum Wechseln findet sich grundsätzlich nie
jemand. |
Schließfächer |
Wer studiert, hat keine Zeit für einen
Nebenjob.
Für Mediziner mag das zutreffen. Bei Studien
wie Politik oder Kunstgeschichte empfiehlt es sich sogar, nebenbei zu
arbeiten. Am besten in dem Bereich, den man sich später als Beruf vorstellen
könnte.
Der Mensabesuch ist eine Mutprobe.
Einmal muss man da gewesen sein. Wenn es schmeckt, was selten genug der
Fall ist, hat man spätestens um halb drei wieder Hunger.
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Mensa-Menü |
Würden die Studenten besser zusammenhalten,
könnten sie auch mehr erreichen.
Tja. Möglicherweise.
Man kann auch ganz leicht Fachschaften und Studentenorganisationen beitreten.
Die sind etwas für engagierte Leute, die gerne viel reden und gerne viel
zuhören, um dann alles noch mal zu bereden. Oft kommen auch gute Sachen
dabei raus - die wahren Schwierigkeiten beginnen aber, wenn man irgendwann
nicht mehr mitmachen will.
Die Studienzeit ist die schönste Zeit
im Leben.
Solange sie dauert, will keiner diese
Wahrheit für wahr halten. Fünf Jahre später allerdings zitiert man sie
gerne. Mit feuchten Augen. Garantiert.
Am
Anfang kann man sich ganz schön allein fühlen.
Wenn man fürs Studium in eine fremde Stadt gezogen ist - auf jeden Fall.
Deshalb ruhig zu jedem Semesteranfangsfest oder Erstsemesterparties gehen und fleißig Telefonnummern
sammeln. Auch wenn die meisten ungewählt im Papierkorb landen. Je größer
dein Netzwerk ist, desto höher die Chance, dass wenigstens einer deiner
neuen Bekannten aufs schwarze Brett geschaut hat,und dir sagt, dass
Vorlesung des Professors wieder mal ausfällt. Oder dass einer, wenn du
die Vorlesung verpasst hast, tatsächlich für dich mitgeschrieben hat.
Anne Siemens/ Tina Kowall
(Bilder: © iwouldstay / Flickr (Cafeteria); © Jasper J. Carton / Pixelio (Bücher); © RainerSturm / Pixelio (Schließfächer), © Stephan Mosel / Flickr (Essen))
Zusätzliche
Links zum Thema Studium in Deutschland
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