Zum Glück hat Andreas Meyer aus Ravensburg am Bodensee
keine Freundin. Der 21-jährige sagt nämlich: "Wer auf der
Gorch Fock
mitsegeln will, sollte nicht gebunden
sein."
Seit drei Jahren schippert Andreas als Hauptgefreiter zur See mit der
Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Deutschen Marine, auf den
sieben Weltmeeren und hat dabei schon eine ganze Menge gelernt:
Kartoffeln schälen und Segel nähen, navigieren und Taue reparieren.
Und dass man die Windrichtung gut einschätzt, wenn man sich übergeben
muss. Sogar bügeln und Wäsche zusammenlegen beherrscht Andreas
mittlerweile ganz gut. "Bei uns an Bord wird auf Sauberkeit
und Ordnung geachtet. Darum muss ich auch jedes Mal einen Antrag
stellen, wenn ich mir einen Bart stehen lassen will." Erst
wenn seine Vorgesetzten das Gesuch unterschreiben, kann Andreas
unrasiert und in Matrosenuniform einen Landgang machen. In südlichen
Ländern ist ein weißer Matrosenanzug Pflicht, aber Andreas bevorzugt
den blauen Arbeitsanzug. "Die weiße Uniform wird immer so
schnell schmuddelig." Sehr oft kann er die Ausgehuniform
eh nicht tragen, denn die Arbeit an Deck hat Vorrang. Wirkliche
Knochenarbeit ist das Hochziehen des Großsegels bei starkem Wind.
Fünfzig Matrosen müssen ihr Gewicht einsetzten, um das 2,8 Tonnen
schwere Segel in Position zu bringen. "Da muss jeder Griff
sitzen", sagt Andreas, "wenn man das falsche Seil losmacht,
kann ein Leben auf dem Spiel stehen und jemandem fällt ein Masten
auf den Kopf."
Wenn Andreas Ende des Jahres wieder zurück nach Ravensburg geht, wird
er ab und zu noch auf dem Bodensee segeln. Navigieren wird er
dort nicht müssen. Aber das Bügeln, das hat er fürs Leben gelernt.
ANNE PETERSEN