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Schulgeschichten
[beeilung]

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| hesses rat
Also heute wieder dorthin gehen - und auf lächerliche
Weise für den Ernstfall proben. Den Ernstfall Leben. Von dem wir
nicht wissen, wann er beginnt. Oder sind wir mittendrin? Egal, wer
probt, versagt nicht, denke ich. Von weitem sehe ich es schon, dieses
anmutige, stolze Gebäude. Nur nicht vom Weg abkommen, sonst kommt
man unters Rad, ließ
Hermann Hesse einst einen Pädagogen
sagen. Die Umrisse werden klarer. Gehe ich ihnen entgegen, oder
kommt er auf mich zu? Ich erreiche das Tor. Früher der Eingang zum
Paradies, gesäumt von Gras und Blumen. Sagt man. Das muss schon lange her sein.
Katharina Lubitzsch, Kropstädt |
warten auf kristina Und
dann ab zur Schule. Ich fahre so oft es nur geht mit dem Fahrrad.
Als ich kleiner war, habe ich mir immer vorgestellt, dass
mein Rad ein Pferd ist. Es war zwar froschgrün, hieß aber schließlich
Pegasus. Jetzt ist Pegasus im Ruhestand, ersetzt durch ein elegantes
weißes Damenrad. Manchmal treffe ich mich vor dem Gartentor mit
Kristina. Aber eigentlich hat es auch Vorteile, alleine zu fahren.
Es ist schon stressig, wenn man um 7.30 Uhr verabredet
ist, und sie ist dann nicht da. 7.31 Uhr, 7.32 Uhr... Warten oder
nicht? Wenn ich dann einfach losfahre und sie kommt dann doch noch
dreißig Sekunden vor Stundenbeginn die Treppe hochgehetzt, folgt
in der kleinen Pause oft Szenario "Beleidigte
Leberwurst ": "Aber ich war doch um 7.33 Uhr da, sei
nicht so hektisch." Blah, blah. Mittlerweile haben wir einen
Kompromiss gefunden: Wenn ich ohne sie losfahre, spieße ich jetzt
immer ein Blatt auf den Gartenzaun - dann weiß sie Bescheid.
Annette Leyssner, Berlin |
in der S9
Als
Erstes bin immer ich da. Dann kommen Patrick, Cédi und für Louise
halten wir die Türe des wartenden Zuges noch einen Moment offen.
Allmorgendlich zur selben Zeit, am selben Ort und genau in dieser
Reihenfolge. Allmorgendlich im dichten Menschengedränge der S9 stehen,
noch ein bisschen weiterschlafen, mit den Bewegungen des Zuges mitschaukeln.
Heute lehnt sich Patrick leise an mich, sein Haar duftet nach Bettwärme
und die gespannten Lippen schimmern und glänzen noch vom Schlaf.
Wir steigen aus, grüßen die ersten Lehrer und dann gehen wir
vier Kindergartenfreunde wie jeden Morgen schweigenden Einverständnisses
nebeneinander zur Schule. Am Eingang ein kleines, warmes "Tschüß",
und jeder geht in seine Klasse.
Alexandra Kübler, 19, Greifensee/Schweiz |
wenn
wolle kommt
Jeden Morgen werde ich nun
damit konfrontiert werden. Nach außen scheint alles normal,
aber für mich und ihn wird es anders sein. Ich werde zusammenzucken,
wenn ich ihn mit Ina sehe. Zwei Monate werde ich wohl durchhalten
müssen. Dann sind Sommerferien.
Zwei Monate. Jeden Morgen. Sein Pfeifen im Gang zu hören, bevor
er überhaupt zu sehen ist. In Zukunft soll es mir nichts mehr ausmachen?
Ich soll versuchen nicht darauf zu achten. Wie denn, wenn alle rufen,
sobald sein Pfeifen ertönt: "Oh, Wolle kommt."
Dann wird er um die Ecke biegen, mich
fett anlächeln, schließlich hat er mich lieb und mir einen guten
Morgen wünschen. Ich werde die Ballance halten
zwischen nicht zu fies und nicht zu nett antworten. Damit alles
normal abläuft. Damit er mich nicht fragt, was denn los sei und
wieso das jetzt so blöd laufen müsse.
Ann-Katrin Rahe,
19, Tübingen |
danke,
marian
7.55
Uhr: Noch einmal tief Luft holen, ein Blick in die spiegelnde Glastür
des Eingangs - ja, die Frisur passt noch - und die Schule verschlingt
mich in ihrem Labyrinth. Vier graue Steintreppen nach oben, im beigen
Treppenhaus ausgestelle Linoldrucke,
die schwarzen Rahmen wie missbilligend gerunzelte Augenbrauen, vereinzelt
dunkelgrüne Blattpflanzen auf den Treppenabsätzen und eine gelbe
Gießkanne. Oben: braunes Linoleum,
die gackernden Fünftklässler und die Klassenzimmertür. Marian steht
schon auf dem Gang, schaut mir entgegen. Gelfrisur, marineblauer
Pullunder, einen Kopf kleiner als ich, aber mit der Gewissheit unbekannter
Herkunft, jede haben zu können. "Morgen, siehst heute gar nicht
so schlecht aus, ehrlich." "Danke, Marian, deine Frisur
sieht dafür schleimig aus wie immer. Ehrlich."
Katharina
Bosch, 16, 83308 ???? |
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