| Ich habe eine Theorie.
Ein Würstchen ist ein Würstchen ist ein Würstchen.
Aber es war mal ein Schwein.
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Das sieht Herr S. leider nicht so.
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- Scheinlogik. Fehlende Argumentationsleistung. Bezug? Ausdruck?
- Aber Herr S., erkennen Sie denn nicht die zu Grunde liegende These?
Die unverantwortliche Reduktion des Lebens auf die reine Nahrungsquelle,
die ethischen Konflikte?
- ???
- Vergessen Sie's. Es war ein Witz.
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Deutsch-LK, montags, dritte & vierte. Die eingesperrten Vögelchen
blicken aus dem Fenster, in den knallblauen Himmel, der irgendwo
weit, weit oben Freiheit verspricht. Manche hören zu, manche arbeiten
mit, manche träumen vom letzten Sex, manche von Magnum
Double, manche vom ersten Sex, manche von der nächsten
Freistunde. Manche sind schulleichenblass, andere süchtig nach Leben.
(Aber keine falschen Schlüsse, bitte! Die krassesten Schulleichen,
Biedermännchen und -weibchen und grauen Mäuschen haben oft die schmutzigsten
Gedanken.)
Okay, jetzt gerade in diesem Moment sitze ich hier und fische Anaphern,
Metaphern, Euphemismen und Ellipsen aus einer Rede von Weizsäcker.
Sehr nett, wirklich. Es ist still und draußen klimpern Sonnenstrahlen
über die Wiese. Ppprrch-Ppprrch. So lacht unser Deutschlehrer. Wirklich.
Ppprrch-Ppprrch. Hat wohl irgendwas Witziges in der Klausur entdeckt,
die er gerade korrigiert. Jetzt schreibt er die Note drunter. Sieht
irgendwie nach mangelhaft aus.
Ich kann mich nicht richtig konzentrieren (kann ich eigentlich nie).
Mir schwirrt "Oh yeah" von Ash
im Kopf rum, fühlt sich an wie Cherry
Coke mit tausend Eiswürfeln, oder wie bei dreißig Grad
Celsius über die Autobahn brettern und den Kopf aus dem Verdeck
halten, wie Sommerfete ohne Ende. Und außerdem.
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Außerdem geht draußen gerade der Mensch mit den lustigen Haaren
und den ernsten Augen vorbei. Er ist also da. Da kann ich das Biolernen
in der Pause haken. Er ist da draußen, gar nicht so weit entfernt,
schlurft durch das glitzernde Gras, durch die Sonnenstrahlen. Wo
kommt er her? Wo geht er hin? Jeder einzelne Mensch in dieser Oberstufe,
eigentlich jeder in dieser verdammten Schule kennt ihn irgendwie,
aber keiner so richtig. Er taucht auf jeder Fete auf, gehört irgendwie
überall dazu, doch es weiß keiner, wo er wohnt. Na ja, das liegt
wohl auch daran, dass er jedem etwas anderes erzählt, wenn er dann
mal geradeheraus gefragt wird. Er kommt mir vor, als hätte er keine
Vergangenheit, höchstens eine konstruierte, wie eine Figur aus einem
Film oder einem Buch. Er kommt mir vor, als würde er schon immer
durch die Sonnenstrahlen auf diesem Schulhof schlurfen.
Paul Sky sagt, dass er fähig ist, das Leben zu spüren. So ist das.
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Das Klingeln!!! Sieh an.
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Mit dem Klingeln ist es so: Je sehnsüchtiger wir darauf warten,
desto zäher tropfen die Minuten dahin, zäh wie Haargel; aber wenn
wir an etwas sehr Schönes denken, oder wenn die Diskussion dann
wirklich einmal im Halbjahr lebhaft wird und wir plötzlich aus dem
Schlaf gerissen werden (Hups - war das echt mein Tischnachbar, der
da gerade was gesagt hat?), überrascht uns das Klingeln quasi von
hinten. Es versetzt uns einen Endorphin-Stoß, der nur von einem
Gratis-Snickers gestoppt werden kann. Oder vom ersten heißen Frühlingssonnenstrahl.
Oder vom Lächeln einer bestimmten Person.
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Mit jedem Schritt, den ich draußen in der Sonne im Vogelzwitschern
im Kippendunst im Stimmengewirr mache, fällt eine Anapher oder Metapher
oder Ellipse von mir ab. Ich rede mit Leuten, die ich mag, darüber,
dass Twix früher Raider hieß (damals, als wir noch klein und unschuldig
waren und die Sommer endlos schienen) und dass der Himmel nachts
über Paris hell ist und die Wolken dunkel.
Dann lege ich mich zu E. und S. auf die Wiese. Sie lernen Bio. Sollte
ich vielleicht auch tun. Statt dessen wühle ich mich in Gras und
Gänseblümchen und blinzele in den weiten Himmel. Ich schließe die
Augen und fühle mich fast als Pflanze, ganz eng mit dem Boden verwachsen.
Ich beginne gerade, Fotosynthese zu betreiben, als sich Paul Sky
neben mich setzt.
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Was weiß ich über Paul Sky? Alle achten ihn irgendwie,
obwohl die Sportler-Yuppie-Konservativlinge ihn nicht so richtig
ausstehen können. Dummerweise ist meine Mädchenclique durch diverse
Querverbindungen eng mit den Sportler-Yuppie-Konservativlingen in
Kontakt. Er hat verwuschelte Haare, die er Gerüchten
nach jeden Morgen eine halbe Stunde so stylt, braune Augen, Riesenhosen,
fünf weiße Kaninchen und einen Hang zu poetischen Äußerungen in
Form von irgendwelchen Song-Lyrics.
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