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Lernen von den Alten: Armin Maiwald
Der Mann, der die Maus erfand.
Hintergrundinformation für
Deutschlernende
Die
Sendung mit der Maus ist eine bekannte Kindersendung im deutschen
Fernsehen. Mit ihren intelligenten und witzigen Erklärungen, wie Dinge
hergestellt werden, besitzt sie nicht nur bei Kindern Kultstatus.
Um den Kindern in der Stadt
zu zeigen, "dass Milch und Eier nicht im Kühlschrank wachsen", entwickelte
Armin Maiwald Ende der sechziger Jahre zusammen mit zwei Kollegen die
"Lach- und Sachgeschichten". Erst 1971 kam die Maus dazu und mit ihr begann
der Erfolg der lehrreichen Serie. Armin Maiwald, 60 Jahre alt, tritt regelmäßig
selbst in den Sendungen auf. Bevor er beim Fernsehen zu arbeiten begann,
studierte er Geisteswissenschaften und arbeitete nebenher als Komparse
beim Theater. Maiwald ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.
Wozu sind gute Freunde da?
Wenn Sie mich nach der Maus fragen: Für sie haben wir Freunde erfunden,
damit sie Spielpartner hat. Der Elefant hilft der Maus. Er macht seinen
Rüssel lang, und dann läuft die Maus über einen Graben.
Seitdem die Ente dazugekommen ist, gibt es viel mehr Chaos. Die Freunde
der Maus sind dazu da, mehr Dramatik in die Geschichten zu bringen und
die Probleme müssen die Freunde dann gemeinsam lösen.
Wie kann ich komplizierte Dinge einfach erklären?
Man kann da nie auf seine Routine zurückgreifen, manchmal renne ich
tagelang rum und denke: "Wie erklärst du das nur?" Die klassischen
Sachgeschichten wie "Das Streichholz" gibt es nicht mehr, denn in
den Fabriken sieht man heute nichts mehr von den Arbeitsabläufen.
Heute haben sie eine Riesenmaschine, da kommt vorn ein Pulver rein und
hinten das fertige Auto raus.
Kann ich für die Maus zu alt werden?
Ich gucke auch noch regelmäßig die Sendungen. Und ich lerne
auch immer noch was Neues aus den Beiträgen der anderen Kollegen.
Es gibt aber Fernsehsendungen, für die mir meine Zeit zu schade geworden
ist, zum Beispiel Talkshows. Ich kann es auch nicht ertragen, alle zwanzig
Minuten mit Werbung aus einer Geschichte gezogen zu werden.
Soll ich auf die große Liebe hoffen?
Man darf die Geduld nicht verlieren, denn jeder, der seine große
Liebe gefunden hat, ist ein glücklicher Mensch. Meine Frau und ich
haben sehr früh gemerkt, dass wir beide ähnlich verrückt
und gleichzeitig auch sehr unterschiedlich sind. Meine Frau ist Kostümbildnerin
und sehr modebewusst, und ich habe immer nur die gleichen Klamotten an.
Ich bin seit über dreißig Jahren in keinem Laden mehr gewesen.
Wichtig ist, dass man sich aufeinander einlässt, auch zusammen schweigen
kann. Ob die Maus jemals verliebt war, kann ich nicht sagen, denn niemand
weiß, ob sie männlich oder weiblich ist. Außerdem ist
die orangene Maus ja keine natürliche Maus: Sie macht den Bauch auf
und hat ein Uhrwerk drin oder ihr Schwanz ist der Propeller für ein
Flugzeug.
Warum Kinder?
Ich halte die Neugier der Kinder für unseren besten Verbündeten,
ein richtiges Lebenselixier. Ich meine Neugier nicht im voyeuristischen
Sinn, wie beim Bildzeitungs-Journalismus. Das interessiert mich nicht.
Die unverstellte Neugier der Kinder halte ich für die eigentlich
spannende. Kinder denken nicht: Oh, das darf ich vielleicht gar nicht
fragen. Kinder sind das Wichtigste, was wir haben und es gibt ja viel
zu wenig Kinder.
Muss ich Angst haben vor dem Tod?
Ich bin schon mehrmals fast über die Klinge gesprungen. In meinen
ersten fünf Lebensjahren, während des Kriegs, habe ich mehr
Tote gesehen, als andere in ihrem ganzen Leben. Ich habe in Luftschutzkellern
gesessen, wo Bomben reingefallen sind und bin mit Zügen gefahren,
die von Tieffliegern angegriffen wurden. Meine Mutter und ich sind aus
dem fahrenden Zug rausgesprungen, haben uns auf die Wiese geschmissen
und nachher ist nur die Hälfte der Leute wieder aufgestanden. Das
prägt. Ich bin dem Schicksal deshalb völlig ergeben. Einige
Male habe ich mich auch richtig verletzt: Bei Dreharbeiten ist mir vor
ein paar Jahren eine Fahnenstange auf den Kopf gefallen, so dass ich im
Krankenhaus genäht werden musste. Zum Glück hatte ich keinen
Schädelbruch. Ein andermal bin ich mit einem brennenden Hubschrauber
über Schottland abgestürzt - das hätte jedes Mal mein letztes
Minütchen sein können. Durch glückliche Fügung, Schicksal,
den lieben Gott, was auch immer, war es das bis heute nicht. Meine Sanduhr
ist noch nicht abgelaufen. Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich versuche,
so zu leben, als sei jeder Tag mein letzter.
Text:
Oliver Tepel
Photo: Albrecht Fuchs
Text
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