KARRIERE
96: DER AMERIKANER
Am
Montag morgen geht Niels Jäger, 23, zum Basketball-Training
und in die Sauna. Danach müsste er eigentlich zur Uni, aber die
Versuchung, vorher zuhause den Anrufbeantworter abzuhören, ist zu
groß. Vielleicht ist er ja drauf, der Anruf von MTV.
Niels wartet gerade auf seine zweite Chance als Moderator, nachdem
er vier hektische Wochen lang die Basketball-Show "Inside NBA"
moderieren durfte. Eine amerikanische Karriere
in München: Am Anfang übersetzte er ohne Gehalt Beiträge für die
Redaktion US-Sport beim DSF,
dann machte er dort ein Praktikum, später einen Fleiß-Job
im Archiv. Dort tippte er für 18 Mark in der Stunde Spielzüge und
Korbwürfe ins Computersystem ein. Und dann ging alles rasend schnell.
Bei einem Casting stand er zum ersten Mal vor der Kamera, zwei Wochen
später schon flog er in die USA, um seine ersten Sendungen zu drehen.
"Gleich am zweiten Arbeitstag stand
ich neben Michael Jordan und habe weiche
Knie bekommen", sagt Niels, der sich so einiges vorgenommen
hatte mit seiner Show. "Wir wollten mit guter Musik und Spaß
Leute erreichen, die sich sonst kein Basketball anschauen."
Schon bald bekam Niels erste Liebesbriefe, aber eben auch die Kündigung.
"Wir waren den Herren beim DSF wohl zu abgedreht."
Mit seinen Freunden hat Niels jetzt MTV ein Konzept angeboten und
dort zeigt man sich interessiert. Für den Fall, dass sein Anrufbeantworter
aber weiter schweigt wie bisher, hat Niels einen anderen Plan, reich,
berühmt und sexy zu werden. "Dann gründe ich mit meinen Freunden
Typ E, die erste Münchner Boygroup."
Heiko Rauber
KARRIERE
96: DIE DEUTSCHE
Von Donnerstag an dürfte sich das Leben von Tatjana Trieb
gründlich ändern: dann läuft Caroline
Links Film "Jenseits
der Stille" in den Kinos an. Und die elfjährige
Münchnerin spielt darin ein Mädchen, das wegen ihrer Musikversessenheit
Ärger mit ihren Eltern hat - die beide taubstumm sind.
He, du bist zu spät! Entschuldigung, wir haben in der letzten
Stunde Englisch geschrieben.
Und? Blöd.
Naja. Du wirst ja sowieso Filmstar. Meinst du?
Sieht ganz so aus. Wie kommt man eigentlich als elfjähriges Mädchen
an so eine große Kinorolle? Weiß nicht. Ich weiß
nur, dass die Caroline, unsere Regisseurin, irgendwann bei uns auf
dem Anrufbeantworter war und gesagt hat, dass sie mich mal sehen
will. Keine Ahnung, wie die auf mich gekommen ist.
Hast du sie nie gefragt? Kann sein, dass
sie mich aus dem Video kannte, in dem ich mal mitgespielt habe.
Welches Video? Zu einem Lied. Ich weiß aber nicht mehr,
wie es heißt, irgendwie "C'est La Vie", was Französisches.
Die Band habe ich nicht gekannt.
Du hast natürlich gleich zugesagt, als dir Caroline
die Rolle angeboten hat. Nicht sofort. Weil ja die ganzen Schulferien
draufgingen.
Oje. Genau. Und die Gebärdensprache musste ich auch lernen.
Und ein bisschen Klarinette.
Da hast du ja was für's Leben mitgenommen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das nochmal brauchen werde.
Außerdem mag ich Klavier viel lieber.
Wer ist denn dein Lieblingskomponist? Äh, was?
Na, welche Musik hörst du am liebsten? Die Backstreet Boys.
Mit denen kannst du es vermutlich bald aufnehmen, so starmäßig...
Du spinnst!
Und die können weder die Gebärdensprache
noch Klarinette spielen. Aber besser Englisch.
Christian Seidl |