Hamburg Hafencity und IBA 2013 Neue Urbanität einer durchmischten Stadt

Blick über die Niederbaumbrücke, circa 1880
Blick über die Niederbaumbrücke, circa 1880 | Foto (Ausschnitt): Georg Koppmann, gemeinfrei

In der Hansestadt Hamburg sind mit der Hafencity und der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 neue Nachhaltigkeitskonzepte im Städtebau verwirklicht.

Das Hamburger Konzept für die neue Hafencity ist ein hoch entwickelter und ehrgeiziger Plan, um die Hansestadt in ihrem urbanen Kern zu erweitern und für eine grüne Zukunft fit zu machen. Berücksichtigt werden Gebäudenachhaltigkeit durch fünf Ebenen der Ressourceneffizienz, eine erweiterte Wärmeenergieversorgung durch technologieoffene und dezentrale Systeme, regenerative Energiequellen, CO2-Benchmark, dazu eine verdichtete Mobilitätsstruktur sowie eine neue Durchmischung der Stadtstruktur mit Konversion von Flächen.

Größtes innerstädtisches Entwicklungsprojekt Europas

Auf Grundlage des 2000 durch den Senat der Stadt beschlossenen Masterplans von Kees Christiaanse / ASTOC hat man ab 2001 den innerstädtischen Hafenrand südlich des Zentrums neu überplant. Zwischen historischer Speicherstadt und Elbe entstand auf einer 157 Hektar großen Fläche eine Stadterweiterung für das Wohnen, Arbeiten und Leben, für Handel, Dienstleistung, Kultur und Tourismus. Die Hamburger Hafencity wurde damit zum größten innerstädtischen Entwicklungsprojekt Europas. Die Prämisse ökologischer Nachhaltigkeit bestimmte dabei nicht nur die Großbauten für Unternehmen wie zum Beispiel Unilever von Behnisch Architekten.

Hohe Standards für Energieeinsparung

Auch die Gebäude für kleine und mittlere Unternehmen, die Wohn-, Schul- und Bildungsbauten setzen hohe Standards hinsichtlich Energieeinsparung und moderner Arbeitsplatzkultur. Ökologische Nachhaltigkeit aber spiegelt sich auch in dem Verkehrskonzept mit verdichtetem öffentlichen Personennahverkehr, vielen Rad- und Fußgängerwegen wider. In der Energieversorgung werden mit Solarthermie, Brennstoffzellen und Blockheizkraftwerken zur Ergänzung des Fernwärmenetzes im neuen Stadtteil am Wasser Zeichen gesetzt.

Internationale Bauausstellung Hamburg 2013

Diese für die Metropole von Morgen elementaren Themenkomplexe Nachhaltigkeit und Klimawandel sind intensiv in die Vorplanungen der Internationalen Bauausstellung Hamburg eingeflossen. Seit 2007 arbeitet die Hansestadt an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen, um am Beispiel der Stadtteile Veddel und Wilhelmsburg die städtebauliche Erweiterung vorhandener Strukturen weit über den ökologischen Aspekt hinaus auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen zu fokussieren. Im Gegensatz zur Veddel war die hinter Deichen liegende Elbinsel Wilhelmsburg als Teil von Harburg eher abgekoppelt von der City.

Kulturelle Vielfalt

Wirtschaft und Infrastruktur sind in diesem Stadtteil bis heute geprägt durch den Freihafen, Schifffahrt, Handel und Industrie. Die Bewohnerschaft ist multikulturell, fast die Hälfte der Wilhelmsburger hat einen Migrationshintergrund. In das Wohnen ist hier lange Zeit nicht investiert worden. Mit der IBA Hamburg kam Bewegung in die Elbinselquartiere hinter den Deichen. Wie sich kulturelle Vielfalt, Energiesparen und soziale Belange mit Ideen und Konzepten für eine neue Urbanität vereinbaren lassen, zeigt das mitten im alten Wilhelmsburg liegende Wohn-Projekt Open-House.

Open-House von Onix

Hier direkt am Vogelhüttendeich im Reihersteigviertel, mit Blick auf den idyllischen Ernst-August-Kanal, entstand ein gemeinschaftlich geplantes Gebäude, das ganz dem Wunsch nach einer durchmischten Bewohnerschaft entspricht. Das Architekturbüro Onix aus Groningen hatte im November 2007 das gutachterliche Verfahren gewonnen und den Bau zusammen mit den Hamburger Kunst + Herbert Architekten realisiert. Im Dezember 2011 sind die ersten Bewohner eingezogen. Bauherren waren die Stadtentwicklungsgesellschaft steg, die Baugenossenschaft Schanze eG, die Baugemeinschaft Schipperort und die Bürger-Solarkraftwerke Rosengarten. Es ist ein Bau, der nicht nur als Energiesparmodell in Passivhausweise mit Solarthermie und zwei Blockheizkraftwerken überzeugt, sondern der städtebaulich, gestalterisch und konzeptuell einen neuen Gemeinschaftsgedanken in das Quartier trägt.

Die Tradition des genossenschaftlichen Wohnens erhält hier durch das Mitspracherecht von Bauherren und Nutzern einen zeitgemäßen Impuls. Der für insgesamt 44 Miet- und Eigentümerparteien konzipierte dreigeschossige Bau ist ein Hybrid, in dem das Stadthausmodell wie auch die Gemeinschaftswohnanlage mit kollektiven Bereichen, Dachlofts und einer Maisonettewohnung verwirklicht ist. Aufdrängen tut sich der weiß verputzte Neubau im Viertel nicht, er fügt sich ein und ergänzt den Altbaubestand. Zum Vorteil seiner Bewohner öffnet sich das Open-House eher der Landschaft und spiegelt mit einer Mischung aus privaten, halböffentlichen und öffentlichen Außenbereichen die Idee vom nachbarschaftlichen Wohnen gelungen wider.

Sich als Gemeinschaft begreifen

Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Bauen, das zeigen zahlreiche weitere Projekte für Wilhelmsburg wie zum Beispiel der Neubau der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt von Sauerbruch Hutton, sind nicht nur mit Gebäudetechnik zu meistern. Es bedarf eben auch der Bereitschaft, überkommene Strukturen zu überdenken, Arbeitswege zu verkürzen, Wohnen und Arbeiten zu verknüpfen und sich wieder stärker als Gemeinschaft zu begreifen, auch wenn nur so weit geht, sich das Blockheizkraftwerk mit seinen Nachbarn zu teilen.