Konzerthaus Blaibach Ein perfektes Zusammenspiel

Konzerthaus Blaibach, Innenraum
Konzerthaus Blaibach, Innenraum | Foto: Edward Beierle

Weit ab vom Musikbetrieb der Großstädte hat der Architekt Peter Haimerl für die kleine oberpfälzische Gemeinde Blaibach ein neues Konzerthaus errichtet. Es ist ein architektonischer Blickfang und Ort für regionale und internationale Musikkultur.

Mit dem Bau des neuen Bürgerhauses im Jahr 2012 fing alles an, aus den Fördermitteln des Landes Bayern wurde das Modellprojekt „Ort schafft Mitte“ initiiert. Die 2000-Einwohner-Gemeinde Blaibach im Landkreis Cham, nahe der tschechischen Grenze zählt zu den Regionen, die man gezielt finanziell unterstützt, um sie vor dem wirtschaftlichen und demografischen Kollaps zu bewahren. Die Ideen für den Aufbau von der Mitte her aber kamen aus der Kommune selbst. Der Münchner Architekt Peter Haimerl schnürte zusammen mit den Bürgern Blaibachs ein Projektpaket, in dessen Zentrum nicht nur das Bürgerhaus stand, sondern auch das 2014 eröffnete Konzerthaus.

Der Bau sollte ausschließlich der Musik und der Qualität des Klanges dienen und kein Haus für Kulturmix sein. Das ursprünglich anvisierte Baubudget von knapp 1,7 Millionen konnte durch private Sponsoren, Förderungen und durch die Unterstützung der Bürger weiter aufgestockt werden. Für eine kontinuierliche Bespielung des Hauses sorgt das von Bariton Thomas E. Bauer und der Pianistin Uta Hielscher gegründete Musikfestival Kulturwald – auch eine Initiative, die direkt aus der Region kommt.

Gut geerdet

Das monolithische Gebäude besitzt moderne Klarheit und archaische Kraft und ist halb in der Erde versunken. Mit einer eigenwilligen Melange aus regionalen Materialien wie behauenem Granitbruchstein, mit Ortbeton und Glas zeigt sich der Bau selbstbewusst und bodenständig, zugleich aber auch bescheiden elegant. Er ist angepasst an die Topografie der Hanglage und folgt in seiner gekippten Form mitsamt der vielfach geschlitzten Wände den Anforderungen der Akustik.
 
  • Konzerthaus Blaibach, Innenraum Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach, Innenraum
  • Konzerthaus Blaibach, Innenraum Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach, Innenraum
  • Konzerthaus Blaibach Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach
  • Konzerthaus Blaibach Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach
  • Konzerthaus Blaibach Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach
  • Konzerthaus Blaibach, Innenraum Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach, Innenraum
  • Konzerthaus Blaibach, Innenraum Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach, Innenraum
  • Konzerthaus Blaibach, Foyer Foto: Edward Beierle
    Konzerthaus Blaibach, Foyer

Vom neuen, im Materialcharakter ähnlich gestalteten Platz am Bürgerhaus führt der Weg über eine offene Treppe unter den Felsen hinab in das mit Holz ausgekleidete Foyer. Von hier aus gelangt man in den Konzertsaal des Musikhauses. Es ist beeindruckend, wie der Architekt Peter Haimerl dem engen Terrain einen so großzügigen Raum abtrotzte. Rund 200 Zuhörer finden Platz in dem ansteigenden Parkett, die ebene Bühne ist ausgelegt für 60 Musiker. Der Konzertsaal hat geneigte Wände, die sich unregelmäßig überschneiden. Eine ausgeklügelte und feinsinnig inszenierte Faltung dieser aus Glasschaumschotterbeton gefertigten Wände ermöglicht einen sehr guten Klang. Dieses neuartige Material fand bislang seine Anwendung eher im Industriebau. In Kombination mit der indirekten Beleuchtung aus Licht- und LED-Systemen entfaltet die poröse Oberfläche des Betons eine spektakuläre Wirkung. Die aus Drahtrohr mit Stahlhalterungen auf offene Tribünenstufen montierte Bestuhlung ist dezent zurückhaltend und wirkt scheinbar schwerelos. Die Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Technik werden durch die Dramaturgie des Raumes förmlich aufgehoben.

Inneres und Äußeres in Einklang gebracht

Mit einem Rückgriff auf erzählerische und symbolische Dimensionen der Architektur aber auch durch das gekonnte Spiel mit der Topografie und der historischen Identität des Ortes entwickelt Peter Haimerl einprägsame Bilder von skulpturaler Kraft. Dass Vorhandenes und Gewachsenes als unerschöpfliche Inspirationsquelle dienen kann, hat er bereits mit dem Umbau des alten „Blauen Hauses“ zum Bürgerhaus in Blaibach vorgeführt. Das außen mit Beton ummantelte Gebäude hat sein historisches Innenleben mit Wänden aus Lehmziegeln und dem Keller aus Granitstein bewahrt. Die Böden und Türen sind aus Tannenholz in der Tradition der Stubenböden, die Fenster aus Lärchenholz und die Wände mit weißer Kalkfarbe gestrichenen. Im Inneren werden alte und neue Funktionen, sowie zeitgemäße und nachhaltige Materialität miteinander in Einklang gebracht.

Dass architektonische Qualität als Katalysator für Veränderungen genutzt werden kann, das haben die Menschen in Blaibach erfahren. Das Konzerthaus und das Bürgerhaus stellen eine Perspektive für ihre Gemeinschaft und den Erhalt ihrer Kultur dar. Als nächstes soll das in der Ortsmitte gelegene alte „Waidlerhaus“ behutsam als Unterkunft für gastierende Künstler umgebaut werden und aus alten leerstehenden Häusern könnten Ferienwohnungen werden.