WorldCat Der größte Bibliothekskatalog der Welt

Screenshot Worldcat
Screenshot Worldcat | Foto (Ausschnitt):© WorldCat

WorldCat ist der größte Bibliothekskatalog der Welt. Die zentrale Datenbank enthält Informationen zu gedruckten und digitalen Publikationen in mehr als 470 Sprachen. Ein außergewöhnliches Werkzeug für die Recherche und die Katalogisierung im Porträt.

Es gibt Dinge, denen kann man beim Wachsen zuschauen. Der WorldCat gehört dazu. Auf der Website des weltgrößten Bibliothekskatalogs kann man beobachten, wie beständig neue Datensätze hinzukommen – im Schnitt sind es sieben pro Sekunde.

Der WorldCat ist mit 250 Millionen Datensätzen und mehr als 1,7 Milliarden Besitznachweisen die weltweit größte Datenbank für bibliographische Nachweise von Bibliotheks- und zunehmend auch Archivbeständen. Die riesige Fundgrube enthält Wissen aus über 4.000 Jahren in mehr als 470 Sprachen und in den verschiedensten Formaten: Bücher, Zeitschriften, eBooks, DVDs, digitale Ressourcen, Sammelwerke, Tonaufnahmen, Partituren, Landkarten, Bildmaterialien, Computerdateien und vieles mehr.

„Mit keiner anderen Quelle kann man so gut nachvollziehen, was irgendwann einmal irgendwo auf der Welt publiziert wurde“, stellt Gabriele Meßmer aus der Abteilung „Bestandsaufbau und Erschließung“ von der Bayerischen Staatsbibliothek fest.

Umfassendes Rechercheinstrument

„WorldCat ist ein umfassendes Rechercheinstrument für jeden Informationssuchenden“, erklärt Berndt Dugall. Neben der großen Menge an Informationen überzeugen den Direktor der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main insbesondere die innovativen Nutzungsmöglichkeiten: „Recherchen via Smartphone oder Tablet sind selbstverständlich. Auch die Verknüpfung von Nachweisen mit nutzerbezogenen Standortinformationen gehört zum Repertoire: So kann sich der Nutzer anzeigen lassen, ob der gesuchte Titel in einer Bibliothek in seiner Nähe vorhanden ist.“

Die Nutzung des WorldCat als reines Recherchetool ist kostenfrei. „Von WorldCat aus wird auch zu Volltexten verlinkt. Sehr hilfreich bei der Recherche ist etwa die Kooperation mit Google. So ist im WorldCat über die Verlinkung mit Google books die Volltextrecherche in mehreren Millionen Titeln möglich“, berichtet Andreas Kliemt vom Referat Information der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Start als regionaler Bibliotheksverbund in Ohio

Was heute als WorldCat bekannt ist, erblickte im August 1971 als OCLC Online Union Catalog and Shared Cataloging System das Licht der Welt. Damals wollten 54 College- und Universitätsbibliotheken im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio ihre Ressourcen kostensparend bündeln. Und OCLC stand für „Ohio College Library Center“.

Was vor mehr als 40 Jahren als regionaler Bibliotheksverbund begann, ist heute ein internationaler Verbund, in dem 10.000 Bibliotheken aus 170 Ländern ihre Bestände nachweisen. Hinter dem WorldCat steht die Non-Profit-Organisation OCLC – seit 1981 bedeutet das Akronym „Online Computer Library Center“.

Enorme Sichtbarkeit der Bestände

Finanziert wird OCLC von seinen Mitgliedern, also den Bibliotheken und anderen Informationseinrichtungen, die am WorldCat teilnehmen. Dabei gibt es unterschiedliche Kostenmodelle, je nachdem, welche Leistungen in Anspruch genommen werden. Die aktive Beteiligung – also etwa das Einbringen eigener Daten sowie die Nutzung fremder Katalogdaten aus dem WorldCat – ist kostenpflichtig.

Doch der finanzielle Einsatz scheint sich für die Bibliotheken angesichts der enorm guten weltweiten Sichtbarkeit der eigenen Bestände – direkt über worldcat.org, aber auch in allgemeinen Suchmaschinen wie Google, Yahoo! oder Bing – zu lohnen. Neben der Deutschen Nationalbibliothek bieten mittlerweile rund 300 deutsche Bibliotheken ihre Titel und Bestände im WorldCat an; größtenteils geschieht dies über die großen Bibliotheksverbünde (GBV, HeBIS, BVB und SWB).

Als großen Nutzen sehen die teilnehmenden Bibliotheken die Möglichkeit, Daten aus dem WorldCat in ihre lokalen Angebote zu übernehmen. „Für uns ist der WorldCat mit seinen vielen Zusatzfunktionen ein wichtiges Werkzeug zur Katalogisierung. Und auch bei der Organisation von Fernleihen ist er sehr hilfreich“, sagt Berndt Dugall. „Für wissenschaftliche Bibliotheken ist die Teilnahme generell ganz sicher ein Gewinn. Insbesondere seine sprachliche Vielfalt macht WorldCat zu einer hervorragenden Ressource für Fremddaten.“

Probleme mit Datenformaten und Nutzungsrechten

Als bislang noch hinderlich empfinden viele Bibliothekare in Deutschland, dass die Daten zur Übernahme in den WorldCat im Format MARC 21 übermittelt werden müssen. In Deutschland war das bisher nicht das Standardformat für den Datenaustausch. „Mittlerweile bieten die Katalogsysteme aber zunehmend diese MARC-Schnittstelle an“, sagt Gabriele Meßmer, die den Export der Katalogdaten der Bayerischen Staatsbibliothek in den WorldCat mitkoordiniert hat. Mit dem neuen Regelwerk zur Katalogisierung – „Resource Description and Access“ (RDA) –, das in den nächsten Jahren in vielen Ländern eingeführt wird, wird der Datenaustausch nochmals erleichtert.

Auch die „WorldCat Record Use Policy“ – also die Richtlinie zur Weiternutzung der Katalogdaten – ist in die Kritik geraten. „Meiner Meinung nach ist sie für die heutige Zeit zu restriktiv“, erklärt Gabriele Meßmer. „Für offene Katalogdaten sollte es keine Nutzungseinschränkungen geben. Allerdings muss man auch sagen, dass diese Richtlinie ständig von den Mitgliedern von OCLC weiterentwickelt wird.“ Und dessen ungeachtet wächst der WorldCat, und wächst und wächst und wächst.