Bibliotheken im Sommer Bücher ausleihen im Freibad

Freibadbücherei Biberach
Freibadbücherei Biberach | Foto (Ausschnitt): © biberach-riss.de

Sommerzeit, Urlaubszeit, Lesezeit. Doch in den schönen Monaten zieht es nur wenige Menschen in Bibliotheken. Also denken sich einige für diese Zeit besondere Angebote für ihre Leser aus.

Im Sommer gehen wir dahin, wo die Menschen sind – diese Idee hatte man vor acht Jahren in der Stadtbücherei Biberach in Baden-Württemberg. Und so bauen die Mitarbeiter in den Sommerferien 2014 zum achten Mal einen Stand im städtischen Freibad auf. Vom 28. Juli bis zum 5. September können die Badegäste dort an schönen Tagen zwischen 13 und 17 Uhr Lesestoff und mehr ausleihen. Rund 300 Medien werden auf Bierbänken und in Kisten auf einer Wiese präsentiert: Kinderbücher, Zeitschriften, Comics und Spiele. Daneben sind Sonnenstühle aufgestellt und Decken ausgebreitet, auf denen fast immer Kinder sitzen und in Büchern und Heften stöbern. „Sie nutzen die Freibad-Bibliothek am meisten“, sagt die stellvertretende Bibliotheksleiterin Anne Grauel. „Comics und Spiele sind bei Kindern sehr angesagt, bei Erwachsenen vor allem Zeitschriften und Bilderbücher für Kleinkinder.“

Buch gegen Pfand

Wer etwas ausleihen möchte und keinen Bibliotheksausweis hat, gibt ein Pfand ab. „Die meisten lassen einen Flip Flop oder ein T-Shirt hier“, sagt Grauel. Denn ohne Bibliotheksausweis kann man die Medien ohnehin nur für einen Nachmittag nutzen. Die Ausleihen seien in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, so Grauel. „Im letzten Sommer hatten wir 500 Ausleihen an 17 Tagen“, sagt sie. „Auch, wenn manche Leute unser Angebot nicht nutzen, ist es gut, an einem ungewöhnlichen Ort auf sich aufmerksam zu machen.“

Camping und Lesen

Viel mehr Zeit zum Lesen als die Freibadbesucher bringen natürlich Strand- und Campingurlauber mit. Auf dem Campingplatz Schillig an der Nordseeküste können die Gäste schon seit 1978 Lesestoff ausleihen. Betrieben wird die Campingplatz-Bücherei von der Evangelische Kirche, die mit diesem Angebot ein Pionier war. Der Campingplatz ist einer der größten Deutschlands und bei Dauercampern und Familien in der Ferienzeit sehr beliebt. Die Bücherei ist von Anfang Mai bis September vier Stunden täglich geöffnet und befindet sich in zwei Räumen im gemeinschaftlichen Waschhaus.

Rund 3.500 Medien können die Urlauber dort finden: Romane, auch Hörbücher und viele Spiele. Der Bestand sei immer aktuell, sagt Margarethe Schöbel, Büchereibeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. „Jedes Frühjahr entscheiden wir, welche Neuerscheinungen des letzten Jahres wir einkaufen.“ Unterhaltungsliteratur, aber auch Anspruchsvolles. Finanziert wird die Bücherei vom Oberkirchenrat, die Mitarbeiterinnen arbeiten in Schichten von einer oder zwei Wochen und wohnen auf dem Campingplatz. Sie laden auch zu Spieleabenden und Bilderbuchkino ein, bei dem sie die Bilder von Kinderbüchern an die Wand projizieren und dazu die Texte vorlesen.

Auch hier sind es Kinder und Jugendliche, die das Angebot am meisten nutzen, erzählt Margarethe Schöbel. „Sie lesen vor allem Fantasy-Geschichten“, sagt sie. „Bei den Erwachsenen sind Krimis am beliebtesten.“ Die Nutzer können die Medien 14 Tage lang ausleihen. Die meisten würden aber schon nach ein paar Tagen zurückgegeben, so Schöbel. „Im Urlaub hat man ja viel Zeit“, sagt sie und fügt stolz hinzu: „In einer Saison leihen wir den gesamten Bestand ungefähr fünf Mal aus.“

Lesespaß in den Ferien

Die häufigsten Sommeraktionen von Bibliotheken sind Sommerleseclubs für Kinder und Jugendliche. Es gibt sie in fast allen Bundesländern. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern findet seit 2008 jeden Sommer der Ferienleseclub (FLC) statt. Er wurde von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und der Nordmetall-Stiftung entwickelt. 2014 nahmen 51 Büchereien teil. Das Konzept ist einfach: Kinder ab der 5. Klasse sowie Jugendliche leihen in den Ferienwochen Bücher aus, lesen sie und sprechen dann mit einer Mitarbeiterin der Bibliothek darüber. Wer sieben und mehr Bücher liest, erhält ein Zertifikat in Gold, bei drei bis sechs gibt es Silber, bei ein oder zwei Bronze. Rund 5.000 Kinder und Jugendliche hatten sich im Sommer 2013 angemeldet, 3.200 konnten ein Zertifikat mit nach Hause nehmen. Die FLC-Bücher, aus denen die Kinder in ihrer Bücherei wählen können, sind neu gekauft. Das Geld kommt von Sponsoren vor Ort. Was genau gekauft wird, entscheidet jede Bücherei selbst. Am Ende des FLC gehen die Bücher in den Bestand der Bibliothek über.

Sponsoren selbst finden

In den ersten Jahren zahlte die Nordmetall-Stiftung die Neuankäufe aller Bücher. Gleichzeitig bekamen die Mitarbeiter der Büchereien eine Fortbildung zu Fundraising, in der sie lernten, wie sie selbst Förderer finden können. „Und das machen sie jetzt auch“, sagt Lisa Heyse von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und gibt ein Beispiel: „In Bordesholm hat die örtliche Sparkasse dieses Jahr Geld für 450 neue Bücher gespendet“, sagt sie. Seit fünf Jahren hilft Heyse in der kleinen Gemeinde ehrenamtlich beim FLC und spricht mit den Kindern über die gelesenen Bücher: Was war interessant? Was spannend? Welche Figur hat am meisten gefallen? „Es ist erstaunlich, was den Kindern an Einzelheiten auffällt“, sagt sie. Lisa Heyse findet es wichtig, sich über Buchinhalte auszutauschen: „Das macht die Leseerfahrung intensiver“, sagt sie. „Und die Gespräche zeigen den Kindern auch, dass es interessant sein kann, über Bücher zu reden.“