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Achim Bogdahn
Tiefe Höhen

Berge gibt es in Deutschland nicht nur in Bayern. Achim Bogdahn war auf den höchsten Gipfeln aller deutschen Bundesländer, immer mit prominenter Begleitung.

Von Holger Moos

Bogdahn: Unter den Wolken © Wilhelm Heyne Verlag Deutschland, deine Berge! Da denkt jede*r an die Zugspitze, manche*r vielleicht noch an den Feldberg oder den Brocken, aber dann? Der Rundfunkmoderator Achim Bogdahn hat die höchsten Berge der 16 Bundesländer bestiegen und ein Buch darüber geschrieben. Naja, bestiegen ist bisweilen etwas übertrieben. Begleitet wurde er jedes Mal von einer prominenten Persönlichkeit.

Bogdahn arbeitet seit 1991 für den Bayerischen Rundfunk und moderiert unter anderem das Jugend- und Popkultur-Magazin Zündfunk und die Radio-Talkshow Eins zu Eins. Der Talk. Durch seine langjährige Moderatorentätigkeit lernte er einige seiner Mitwanderer*innen kennen. Bogdahn, dessen Künstlername „Sechzig“ – aus Liebe zum Traditionsklub 1860 München – in seinem Personalausweis steht, ist großer Fußballfan. Kein Wunder also, dass er sich den Borussia-Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aussucht, um mit ihm auf den Langenberg im Sauerland zu wandern, Nordrhein-Westfalens höchsten Berg. Mit seinem ehemaligen Radio-Kumpel und Ex-Bayern München-Profi Mehmet Scholl erklimmt er den Feldberg (Baden-Württemberg).

Sogar ein Müllberg ist höher

Unter den Wolken heißt dieses Buch in Anspielung auf Reinhard Mays Evergreen Über den Wolken. Der Titel passt, denn oft geht es nicht besonders hoch hinaus. Einige der 16 Berge „verdienen die Bezeichnung Berg nicht“, wie Bogdahn im Vorwort unumwunden zugibt. Im Stadtstaat Bremen mussten er und sein Begleiter Henning Scherf, Bremer Bürgermeister von 1995 bis 2005, den höchsten Berg des kleinsten Bundeslandes lange suchen. Die Erhebung im Friedehorstpark ist allerdings auch nur 32,5 Meter hoch. Es gibt in Bremen fast 70 Gebäude, die höher sind, sogar ein Müllberg ist höher.

Das Wandern steht bei Bogdahn nicht im Zentrum. Es geht nicht um alpinistische Höchstleistungen, auch wenn er mit Manuel Andrack, „Wander-Guru“ und Ex-Sidekick von Harald Schmidt in dessen Late-Night-Show, im Saarland auf dem Weg zum Dollberg „die längste Wanderung der Welt im schlimmsten Regen der Welt am einsamsten See der Welt“ erlebt. Stattdessen gilt für ihn ganz eindeutig das altbewährte Motto: Der Weg ist das Ziel. Neben den Gesprächen mit seinen Begleiter*innen ist auch die Anreise ein wesentlicher Teil der jeweils gut 20-seitigen Texte – in der Regel erfolgt diese mit der Deutschen Bahn, als deren Fan sich Bogdahn outet. Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos, wie etwa dieser Willkommensgruß im Harz beweist: „Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug wird auf unbestimmte Zeit halten. Der Grund hierfür sind Kühe auf der Strecke nach Goslar.“

Reisen und abschweifen

Eingestreut werden außerdem jede Menge Anekdoten und unterhaltsames bis unnützes Wissen. Reisen und abschweifen sind eins. Bogdahn beherrscht die Kunst der freien Assoziation. Er schreckt auch nicht vor Kalauern zurück, wie etwa bei der Durchreise durch einen thüringischen Wintersportort: „Zella-Mehlis, das klang wie die Ostantwort auf Cellulitis.“

Man liest die 16 amüsanten Texte des stets gutgelaunten Radiomoderators gerne. Sie strahlen, selbst bei widrigsten Wetter- und sonstigen Bedingungen, etwas grundsätzlich Menschenfreundliches aus. Ein Buch gegen den in Deutschland nicht nur in der dunklen Jahreszeit weit verbreiteten Hang zur Trübsalbläserei.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Achim Bogdahn: Unter den Wolken. Meine Deutschlandreise auf die höchsten Berge aller 16 Bundesländer
München: Wilhelm Heyne Verlag, 2022. 416 S.
ISBN: 978-3-453-27382-5

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