Stadtbibliothek Flensburg „Hier findet noch Literatur statt!“

Sigrid D. will keine Lesung verpassen in der Stadtbibliothek Flensburg
Sigrid D. will keine Lesung verpassen in der Stadtbibliothek Flensburg | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert

Sigrid D. hat sich schon immer für Literatur interessiert. Aber dass sie bei den Lesungen in der Stadtbibliothek Flensburg die Autorinnen und Autoren hautnah erleben kann, gefällt ihr ganz besonders. 

Wie ein Autor sein Buch vorstellt, ja schon wie er es zur Hand nimmt oder die Seiten umschlägt, verrät mir so viel, dass ich immer wieder fasziniert bin. Der Text, die Gesten, die Körpersprache – dieses Zusammenspiel zu beobachten, führt mich in die Literatur. Wenn Autorin oder Autor es zulassen, eröffnet eine anschließende Diskussion zudem eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Literatur und Thema. Aber selbst wenn sich jemand verschließt, erkenne ich daraus etwas.

Ein vielfältiges literarisches Angebot: Plakatwand in der Bücherei Ein vielfältiges literarisches Angebot: Plakatwand in der Bücherei | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Oft bin ich zusammen mit einer Freundin bei den Veranstaltungen in der Flensburger Stadtbibliothek oder treffe gute Bekannte. Wir sprechen uns ab über Lesungen, die uns beide interessieren. Die Meinung der anderen interessiert mich. Wir genießen jedes Mal die fachkundige Einführung: Da hat jemand das Buch vorher gründlich gelesen und will mir nicht nur etwas verkaufen. Getränke stehen immer bereit, und wenn die Stimmung danach ist, wird das Gespräch mit dem Autor in einem nahen gemütlichen Restaurant fortgesetzt.

Großer Andrang: Die Schriftstellerin Lena Gorelik liest in der Flensburger Stadtbibliothek. Großer Andrang: Die Schriftstellerin Lena Gorelik liest in der Flensburger Stadtbibliothek. | Foto (Ausschnitt): © Stefanie Oeding Auf diese Weise sind die Literaturlesungen und Gespräche im Lesegarten oder Vortragsraum über die Jahre für mich zur Hauptattraktion der Stadtbibliothek Flensburg geworden. Die regionale Nähe ist genauso geboten wie die große Literatur. Ich lerne einheimische Autorinnen und Autoren, Anfänger und weltbekannte Schriftsteller bis zur Nobelpreisträgerin Herta Müller kennen – schon diese Vielfalt ist ein Genuss. Kleinere Lesungen finden inmitten der Regale statt – da entsteht eine intime Atmosphäre, die ich besonders mag. Und wenn dann eine Autor von Weltregionen erzählt, deren Kultur, Politik und Konflikte uns sonst hauptsächlich in den Nachrichten erreichen, kann der Abend auch mal zu einer Sternstunde des menschlichen Verständnisses werden. Das zieht dann immer weitere Kreise.

Ein besonderer Ort: der Lesegarten Ein besonderer Ort: der Lesegarten | Foto (Ausschnitt): © Stefanie Oeding Neuerscheinungen werden präsentiert, Autorengruppen treffen sich, mal steht für zwei, drei Veranstaltungen die Lyrik im Vordergrund. Alle sind überall eingeladen. Diese offene Teilhabe am Literaturdiskurs ist richtig demokratisch. Die Stadtbibliothek Flensburg stemmt das zusammen mit ihren vielen Kooperationspartnern – mir fallen da Buchhandlungen, Schulen, Hochschulen, ein Förderverein und Stiftungen ein. Das macht mir Mut. Ich fühle mich ernst genommen und weiß, dass auch mein Beitrag respektiert wird.

Demokratischer Literaturdiskurs: Sigrid D. schaut den Programmplanerinnen über die Schulter. Demokratischer Literaturdiskurs: Sigrid D. schaut den Programmplanerinnen über die Schulter. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Flensburg hat es als Literaturstadt in sich: an der Grenze zu Dänemark, mit einer deutschen und dänischen Bibliothek, in regem kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern, auch mit der deutschen Minderheit jenseits der Grenze. Übersetzungen von Literatur sind ein großes Thema im Zentrum der deutsch-skandinavischen Literaturszene. Zum Hieronymustag, an dem die Goethe-Institute den „Gläsernen Übersetzer“ vorstellen, habe ich hautnah die professionelle Seite des Literaturaustausches kennengelernt.
Gerne würde ich über Plakate und Lokalpresse hinaus per Rundbrief persönlich eingeladen werden. Es stürmt so vieles auf einen ein, man übersieht manches. Ich will ja nichts verpassen!

Eine persönliche Einladung fände Sigrid D. gut. Eine persönliche Einladung fände Sigrid D. gut. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert

Sigrid D. (Jahrgang 1943) studierte Germanistik und Kunst. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin und bildete Lehrer aus. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder groß gezogen. Kreativ arbeitet sie an Texten und bildender Kunst.
Die Stadtbibliothek Flensburg gibt es schon seit 1905. Seit 2007 befindet sie sich im zweiten Stockwerk eines Einkaufszentrums. Eine Fahrbücherei gehört seit 1973 dazu. Neben den Online-Angeboten verfügt die Stadtbibliothek Flensburg über 122.800 Medieneinheiten vor Ort.
 

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