Institut français Hamburg „Zugang zum französischen Alltag“

Zeitgenössische Literatur als Fenster nach Frankreich: Christian P. mit dem preisgekrönten Roman von Leïla Slimani
Zeitgenössische Literatur als Fenster nach Frankreich: Christian P. mit dem preisgekrönten Roman von Leïla Slimani | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel

Ein kleines Stück Frankreich mitten in Hamburg: Der Deutsche Christian P. besucht regelmäßig die Mediathek des Institut français und findet dort nicht nur Bücher, sondern auch Möglichkeiten für umfassende Kontakte mit dem Nachbarland.

Schon als Jugendlicher habe ich Frankreich und die französische Sprache lieben gelernt. Mit meiner Schule habe ich an einem Austausch teilgenommen, außerdem hatte ich einen sehr engagierten Französischlehrer, der uns auch mal zu sich nach Hause einlud, um gemeinsam Jacques Brel zu hören. Nach dem Abitur und einer Ausbildung im Hotelgewerbe bin ich sofort nach Frankreich gegangen und habe drei Jahre lang an der Côte d’Azur gelebt. Heute arbeite ich im Lebensmittelgroßhandel, beruflich gibt es da leider kaum Berührungspunkte mit Frankreich. Um die Sprache dennoch zu pflegen, habe ich auf Französisch zu lesen begonnen. Doch erst später, als ich Konversationskurse am Institut français belegte und Sprachprüfungen absolvierte, habe ich die Mediathek im Untergeschoss des Instituts entdeckt.

Stöbern in der DVD-Ecke Stöbern in der DVD-Ecke | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel Die Räume sind nicht groß. Aber es gibt hier eine riesige Auswahl an französischsprachiger Literatur, von Klassikern bis zu Neuerscheinungen. Der deutsche Buchhandel oder die städtischen Bücherhallen hier in Hamburg haben dagegen kaum Titel in französischer Originalsprache im Programm, so dass ich dort nur selten bekomme, was ich suche. Ich lese zum Beispiel immer gerne die Gewinner des „Prix Goncourt“, das ist einer der wichtigsten französischen Literaturpreise. In der Mediathek sind diese Titel, ebenso wie andere Bücher, die die französische Literaturszene gegenwärtig prägen, in der Regel schnell verfügbar.

Die rege Comic- und Graphic-Novel-Szene Frankreichs ist auch in der Mediathek präsent. Die rege Comic- und Graphic-Novel-Szene Frankreichs ist auch in der Mediathek präsent. | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel Auch im Filmregal oder bei den „BDs“ [bande dessinée], wie Comics auf Französisch genannt werden, entdecke ich immer etwas Interessantes. Die TV-Serie Baron Noir etwa, eine Art französisches House of Cards und mindestens ebenso gut. Wenn sie mir nicht von der Bibliothekarin empfohlen worden wäre, hätte ich sie niemals gesehen. Manchmal bringe ich auch meinem Patenkind eine BD oder ein Jugendbuch mit, weil es gerade Französisch in der Schule lernt.

Das Zeitungs- und Zeitschriftenangebot Das Zeitungs- und Zeitschriftenangebot | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel An Bibliotheken gefällt mir die Idee des Teilens. Bücher müssen zirkulieren. In meiner Familie leihen wir die Bücher untereinander aus und kommen darüber ins Gespräch. In der Mediathek ist es ähnlich. Ich hole mir zwar Lektüreideen über die Sprachzeitung Revue de la presse oder andere Zeitungen und Zeitschriften. Aber der persönliche Austausch mit dem Mediathek-Personal oder anderen Nutzerinnen und Nutzern ist ebenso wichtig. So lese ich Bücher, die ich sonst wieder zurück ins Regal geschoben hätte, zum Beispiel Romane von Guillaume Musso. Und ich lerne Franzosen kennen und spreche Französisch. Die Mediathek ist französisches Territorium mitten in Hamburg.

In der Kinderleseecke ist es am gemütlichsten. In der Kinderleseecke ist es am gemütlichsten. | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel Im Institut français sind außerdem regelmäßig französische Autoren zu Gast und lesen aus ihren Werken. Sie signieren bei dieser Gelegenheit auch das Exemplar der Mediathek. Für einen leidenschaftlichen Leser wie mich ist es etwas ganz Besonderes, ein Buch mit Autorenwidmung ausleihen zu können. Vor einigen Monaten war die Prix-Goncourt-Preisträgerin von 2016 Leïla Slimani in Hamburg und hat ihren Roman Chanson Douce [deutscher Titel: Dann schlaf auch du] vorgestellt.

Ein prominenter Platz für die Werke von Leïla Slimani. Ein prominenter Platz für die Werke von Leïla Slimani. | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel Vor kurzem las ich das Buch und zeitgleich wurde Leïla Slimani vom französischen Präsidenten zur Frankophonie-Botschafterin ernannt. Für mich bedeuten solche kleinen Zufälle, dass ich Verbindungen herstellen kann und einen Zugang zur aktuellen Gegenwart in Frankreich finde. Ich wünschte mir deshalb, dass mehr Deutsche von der Existenz der Mediathek wüssten und sie nutzen würden, um häufiger in Kontakt mit unserem Nachbarland, seiner Sprache und Kultur zu kommen.

Christian P. vor seinem Lieblingsregal mit den Romanen Christian P. vor seinem Lieblingsregal mit den Romanen | Foto (Ausschnitt): Marguerite Seidel

Christian P. (Jahrgang 1961) ist gebürtiger Hamburger und im Lebensmittelgroßhandel tätig. Die französische Sprache und Kultur sowie die deutsch-französische Freundschaft sind ihm eine Herzensangelegenheit.
Die Mediathek des Institut français (IF) Hamburg gibt es bereits seit der Eröffnung des IF im Jahr 1951. Sie bietet heute rund 5.000 Medien zur Ausleihe an, vor allem Romane, Comics, Graphic Novels, Kinder- und Jugendliteratur und DVDs. Außerdem stellt sie Medien zum Französischlernen zur Verfügung. Regelmäßig finden hier Veranstaltungen für Kinder statt. Auch eine Schallplattensammlung mit frankophoner Musik ist vorhanden. Nutzerinnen und Nutzer können zudem auf das breite multimediale Angebot der Culturethèque zugreifen, der digitalen Mediathek des IF mit rund 70.000 Titeln.