Ervin-Szabó-Stadtbibliothek Budapest „Vom Glück, in einem Schloss lernen zu dürfen”

Ein beliebter Ort ist der Lesesaal im einstigen Ballsaal des ehemaligen Palais Wenckheim.
Ein beliebter Ort ist der Lesesaal im einstigen Ballsaal des ehemaligen Palais Wenckheim. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut

Weil ihre Mutter dort als Bibliothekarin arbeitete, kannte Anna L. mehrere Zweigstellen der Ervin-Szabó-Stadtbibliothek in Budapest. Seit sie studiert, besucht sie auch regelmäßig das prächtige Hauptgebäude.

Der Hauptgrund, weshalb ich so gern hierher komme, ist die Innenarchitektur mit ihrer besonderen Atmosphäre. Mir gefällt die Stimmung dieses Ortes. Nicht jeder hat das Glück, in einem Schloss lernen zu dürfen: Hier kannst du dich wirklich ein bisschen fürstlich oder königlich fühlen. Der „Ballsaal” im ehemaligen Wenckheim-Palast ist der größte und prächtigste Raum, und hier herrscht auch das meiste Kommen und Gehen.

Ich aber mag den Lesesaal der Philosophie und Psychologie am liebsten, den mit der Holztreppe, weil der so warm und heimelig ist. Hier findet sich immer ein Platz für mich.

Annas Lieblingsort ist der Lesesaal der Philosophie. Annas Lieblingsort ist der Lesesaal der Philosophie. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut Wenn ich mich mit anderen Studierenden treffen möchte und wir etwas im Zusammenhang mit unserem Studium besprechen wollen, können wir uns in der Cafeteria im überdeckten Innenhof zusammensetzen, ohne dass irgend jemand daran Anstoß nimmt. Manche betreiben hier auch Sprachunterricht, niemand stört sich daran. Das ist der Ort, wo jeder nach Lust und Laune plaudern und sich austauschen kann …

Ein glasbeckter Innenhof verbindet den alten und den neuen Teil des Gebäudes. Ein glasbeckter Innenhof verbindet den alten und den neuen Teil des Gebäudes. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut Als ich 2013 an die Universität kam, studierte ich zuerst Geschichte. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es in der Zentralbibliothek viel freundlicher ist als zum Beispiel in einem Archiv, wo es deutlich strenger zugeht. Dort kann man sich nur gegen ein gewisses Entgelt und für einen bestimmten Zeitraum aufhalten. Und schon beim winzigsten Laut erntet man vernichtende Blicke. Diese Bibliothek hingegen erfüllt alle meine Bedürfnisse. Die Bibliothekare und Bibliothekarinnen kennen sich aus, sie arbeiten zügig und sind freundlich. Wenn ich zwischen meinen Stunden eine Pause habe, komme ich immer hierher und verbringe die Zeit sinnvoll: Ich lerne oder nutze die Ausleihe.

Die BibliothekarInnen helfen gern. Die BibliothekarInnen helfen gern. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut Den Online-Katalog kann ich hier direkt nutzen, aber ich kann auch schon zuhause meine Auswahl treffen. Sogar eine Verlängerung der Leihfrist oder das Zahlen von Mahngebührern kann ich online erledigen (wobei ich im Allgemeinen nicht zu spät dran bin). Wenn ich etwas aus dem Lager haben möchte, zaubern das Bibliothekspersonal es binnen zwanzig Minuten aus dem riesigen Bestand hervor und geben es mir in die Hand. Erwähnen möchte ich die Fernleihe zwischen den Zweigstellen, die ich ebenfalls für eine wichtige Dienstleitung halte. Denn man könnte sich zwar bei mehreren Zweigstellen anmelden, aber mir fehlt die Zeit, all diese Orte zu besuchen. Da dies die Zentralbibliothek ist, werden einem hier die gewünschten Titel im Handumdrehen gebracht, was sehr bequem ist und eine enorme Zeitersparnis bedeutet.

Nützlich sind auch die von der Bibliothek abonnierten Datenbanken, darüber werden die neuesten ungarischen und ausländischen Zeitschriften, Publikationen oder Bilddatenbanken zugänglich gemacht. Sie sind zwar nur vor Ort zu benutzen, aber wenn man zum Beispiel als Historiker an einem wissenschaftlichen Projekt arbeitet, ist es viel einfacher, die Literatur dazu mit einem Suchprogramm zu durchforsten als mehrere Regale oder gar ganze Säle voller Bücher oder Zeitschriften Stück für Stück durchzublättern. Hervorragende virtuelle Systeme dieser Art sind zum Beispiel das Arcanum oder die Europeana.

Anna nutzt die von der Bibliothek abonnierten Datenbanken häufig. Anna nutzt die von der Bibliothek abonnierten Datenbanken häufig. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut Mittlerweile habe ich mein Studienfach gewechselt, ich studiere jetzt Slawistik und die Sprachen Serbisch und Bulgarisch. Hier benötige ich ebenfalls viel Literatur. Zu jeder Sequenz nennen die Professoren zwei bis drei Bücher, die man – wenn auch nicht auswendig können – doch gelesen haben sollte, sodass ich mir die ungarische Fachliteratur selbstverständlich hier besorge. Es ist für mich sehr beruhigend zu wissen, dass ich hier Quellen finden werde – Material, mit dem ich arbeiten kann. Ich denke dabei auch an abseitigere Themen wie die Volkskunde der Region Ex-Jugoslawiens, die Volkskunst, die Lieder der verschiedenen Volksgruppen, oder gar die Militärluftfahrt – das war mein Steckenpferd in meiner Kindheit. Im Allgemeinen interessiert mich solcher „Blödsinn”, und hier finde ich zu allem Erdenklichen ein Buch oder einen Artikel. Ich sticke zum Beispiel auch, oder fädele Perlen und zu diesen Hobbys hole ich mir Vorlagen und Motive aus verschiedenen Büchern. Man mag kaum glauben, dass man auch zu solchen Themen in der Zentrale der Ervin-Szabó-Bibliothek etwas findet, aber hier gibt es auch das.

Anna stöbert gern. Anna stöbert gern. | Foto (Ausschnitt): Zoltán Kerekes I © Goethe-Institut Und wenn man schon so Vieles ausleihen und sich zahlreiche Notizen machen kann, so wäre es schön, wenn man manchmal einen Stoffbeutel oder irgend eine andere Tüte für seine vielen Materialien bekommen könnte, das wäre ein wahrhaft fürstlicher Service!
 

Anna L. wurde 1993 geboren. Sie ist in Budapest aufgewachsen und lebt hier immer noch. An der Eötvös-Loránd-Universität studiert sie Slawistik und die Sprachen Serbisch sowie Bulgarisch.

Die Zentralbibliothek der Szabó-Ervin-Bibliothek in Budapest residiert seit 1931 im Gebäude des einstigen Palais Wenckheim. Seit Abschluss ihrer Erweiterung im Jahr 2001 steht sie ihren Nutzern mit einem modernisierten Gebäude und zeitgemäßen Dienstleistungen zur Verfügung. Sie ist die größte Institution für Allgemeinbildung in der ungarischen Hauptstadt und verzeichnet 3000 Besucher täglich.
 

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