Schulbibliothek in Hamburg-Bergedorf „Die Bibliothek ist mein Arbeitsraum“

Recherchieren oder chillen: Jovan gefällt hier alles.
Recherchieren oder chillen: Jovan gefällt hier alles. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert

Jovan geht gerne zur Stadtteilschule Bergedorf – und genauso gerne in ihre Bibliothek. Hier kann er entspannen, sich austauschen und engagiert arbeiten. Das hat seiner Projektgruppe sogar einen Preis eingebracht.

Die Bibliothek gehörte von Anfang an zu meinem Leben dazu, als ich vor dreieinhalb Jahren nach Bergedorf kam – ich hatte mir diese Schule ja auch selbst ausgesucht. Zuerst habe ich alle Fantasy-Bücher rauf und runter gelesen. Und das mache ich immer noch, wenn’s was Neues gibt. Alleine dadurch wird die Bibliothek für mich zum schönen Ort. Mit der Zeit habe ich dann kapiert, was man alles entdecken kann, wenn man anfängt, richtig zu recherchieren. Katrin, die Bibliothekarin, hat mir gezeigt, wie es geht. 

Genügend Rechner zum Recherchieren und am Ende des Raums die gemütliche Leseecke Genügend Rechner zum Recherchieren und am Ende des Raums die gemütliche Leseecke | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Jetzt finde ich auch Bücher und Medien zu den Themen, die mich interessieren, etwa japanischer Kampfsport – ich bin Buddhist – und Zeitgeschichte. Das sind zwei völlig verschiedene Bereiche, was man schon an den Büchern sieht, die ich zur Zeit lese: die Fantasy-Serie Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin und die Autobiografie Neonazi von Timo F. 

Jovan in seinem Lieblingssessel direkt am Fenster Jovan in seinem Lieblingssessel direkt am Fenster | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Mit Fantasy tauche ich ab in andere Welten. Neonazi erklärt mir, was ich als Antifaschist nicht verstehen kann: Und ich will wissen, wie diese Neonazis ticken. Ich sehe keinen Widerspruch darin, dass ich so unterschiedliche Literatur mag, denn ich kann klar unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Fantasy-Welten. Ich verstehe das eher als thematische Vielfalt, und diese Vielfalt ist auch der Grund, weshalb mir die Bibliothek so gefällt.

Das Bibliotheksteam hilft bei allen Fragen. Das Bibliotheksteam hilft bei allen Fragen. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Die Bibliothek hat täglich werkstags geöffnet, und ich kann ganz entspannt zu allen möglichen Gelegenheiten hierherkommen: in den Pausen, wenn eine Stunde ausfällt, bei der Projektarbeit, alleine oder mit Freunden. Es gibt sogar ein kleines Café, das von Schülerinnen geführt wird. Wir können die Bücher übrigens auch ausleihen. Das läuft etwas anders als in den öffentlichen Bibliotheken der Stadt. Wir sind ja hier bekannt, die Ausleihe gehört zum Schulsystem. 

Abhängen, Träumen, Nachdenken - auch das ist Bibliothek. Abhängen, Träumen, Nachdenken - auch das ist Bibliothek. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Ich chille gerne in der Bibliothek, aber sie ist für mich kein Wohn-, sondern ein Arbeitsraum. Und das meine ich ganz positiv. Ich mag Schule, ich mag diese Schule, und ich arbeite gerne in der Bibliothek – manchmal auch für die Bibliothek. Besonders gefreut habe ich mich, als ich bei der Auswahl und beim Kauf neuer Bücher mithelfen konnte.

Manchmal hilft Jovan auch in der Bibliothek mit. Manchmal hilft Jovan auch in der Bibliothek mit. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert Es würde mir gefallen, in die Studienbibliothek auch Bücher für jüngere Leser einzustellen und insgesamt mehr Bücher und andere Medien für Jungen. Es scheint schwer zu sein, das Angebot für Jungen größer zu machen. Ja, und leiser könnte es ab und zu auch sein.

In der geräumigen Studienbibliothek finden auch Veranstaltungen und Vorträge statt. In der geräumigen Studienbibliothek finden auch Veranstaltungen und Vorträge statt. | Foto (Ausschnitt): © Stadtteilschule Bergedorf Was wir mit der Schulbibliothek machen, dafür gibt es gerade jetzt ein richtig gutes Beispiel: Ich bin Mitglied der Geschichtswerkstatt der Schule. Wir arbeiten immer hier in der Studienbibliothek. Sie ist Treffpunkt, Tagungsort und Arbeitsmittel. Unser letztes Projekt war die Geschichte der russischen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges, von denen viele in den Gartenbetrieben Hamburg-Bergedorfs schuften mussten. 650 von ihnen sind hier begraben. Wir haben dafür gerade den diesjährigen Bertini-Preis verliehen bekommen. Prima, was?

Für das Geschichtsprojekt gab es den Bertini-Preis für junge Menschen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren Für das Geschichtsprojekt gab es den Bertini-Preis für junge Menschen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben in Hamburg engagieren. | Foto (Ausschnitt): © Birgit Dankert

Jovan T., Jahrgang 2003, besucht die Klasse 8D der Stadtteilschule Hamburg-Bergedorf. Zusammen mit seinen Eltern, dem Bruder und einer Katze wohnt er in einem gemütlichen Haus mit viel Platz. 
Die Stadtteilschule Bergedorf ist eine reformpädagogisch orientierte Gesamtschule in einem modernen Stadtbezirk Hamburgs mit historischem Kern. Die Schule ist für ihre zahlreichen Aktivitäten zu Klimaschutz, Inklusion, Kultur und für ihre Bibliothek bekannt und ausgezeichnet worden. 170 Lehrende und Betreuende, daneben ehrenamtlich tätige Eltern und die Schüler selber gestalten das Schulleben, in das die Schulbibliothek voll integriert ist. Auch die Bewohner Bergedorfs sind nach dem Prinzip der sich öffnenden Schule in der Bibliothek willkommen.