Bibliothek des Ruhrgebiets in Bochum „Sie ist das Gedächtnis der Region“

Der Freihandbereich mit wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften der vergangenen 30 Jahre
Der Freihandbereich mit wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften der vergangenen 30 Jahre | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick

Seit fast zwanzig Jahren nutzt der Historiker Dietmar Bleidick die Bibliothek des Ruhrgebiets. Ihr Bestand zur Geschichte und Gegenwart dieser Region ist europaweit einzigartig. Doch nicht nur deswegen ist sie etwas ganz Besonderes.
 

Ich kam erstmals Ende der 1980er-Jahre im Rahmen meines Geschichtsstudiums in Kontakt mit der Bergbau-Bücherei. Im Jahr 1859 gegründet, ist sie die größte und älteste der drei Bibliotheken, die später in der Bibliothek des Ruhrgebiets zusammengeführt wurden. Noch heute erinnere ich mich an meinen ersten Besuch: Sämtliche Schwierigkeiten der Literaturrecherche zu einer Seminararbeit waren auf einen Schlag beseitigt. Die inspirierende Breite der Zeitschriften- und Buchbestände waren nicht zuletzt ausschlaggebend für meine Entscheidung, mich im Studium stärker mit der Geschichte des Ruhrgebiets zu befassen. Es folgten eine Magisterarbeit und eine Dissertation zu Bergbauthemen.
  Im gut sortierten Handapparat des Lesesaals Im gut sortierten Handapparat des Lesesaals | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick Als die Bibliothek des Ruhrgebiets im Haus der Geschichte in Bochum 1999 eröffnete, war ich einer der ersten Nutzer. Sie ist etwas ganz Besonderes, das Gedächtnis des Ruhrgebiets. Die Bestände reichen zeitlich bis tief ins 19. Jahrhundert zurück. Es gibt in Deutschland und wohl auch in Europa keine andere Bibliothek mit einem besseren Angebot zur allgemeinen Sozial-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte, zur nationalen und internationalen Montangeschichte wie auch zur Geschichte der sozialen Bewegungen. Deswegen bildete das Haus eine wichtige Basis für meine universitäre Lehre, meine publizistischen Aktivitäten und meine Habilitation.

Recherche an der Altkartei – trotz digitalisierter Suche manchmal die bessere Wahl. Recherche an der Altkartei – trotz digitalisierter Suche manchmal die bessere Wahl. | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick Ich gehöre bis heute zu den Intensivnutzern der Bibliothek, besuche sie monatlich etwa dreimal und benutze jährlich mehrere Hundert Titel. Dass ich diese Arbeiten weiterhin selbst übernehme und nicht Mitarbeitern überlasse, hat mehrere Gründe. Zum einen bietet es die Möglichkeit, Buch- und Aufsatzliteratur sowie Zeitschriftenartikel direkt auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen und Begleitrecherchen durchzuführen.

Die Ausleihtheke am Bibliothekseingang – immer gut für ein nettes Gespräch. Die Ausleihtheke am Bibliothekseingang – immer gut für ein nettes Gespräch. | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick Andererseits bedeutet ein Bibliotheksbesuch für mich auch eine Auszeit vom Schreibtisch und die Gelegenheit zu Gesprächen mit dem außerordentlich netten Bibliothekspersonal. Im Eingangsbereich erinnern alte Druckmaschinen an die frühere Nutzung des Gebäudes. Sie ergänzen wirkungsvoll das schon durch die Raumhöhe und die großen Fenster geprägte Ambiente des ehemaligen Druckereisaals.

Im lichtdurchfluteten Lesesaal dürfen Bücher auch einmal länger liegenbleiben. Im lichtdurchfluteten Lesesaal dürfen Bücher auch einmal länger liegenbleiben. | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick Die Bibliothek verfügt nur über einen kleinen Freihandbereich, der sich im Erdgeschoss direkt an die Ausleihtheke anschließt und zudem einige Räume in der ersten Etage umfasst. Hier befindet sich auch die umfangreiche Zeitschriftenauslage. In der Regel bestelle ich meine Wunschtitel aus dem Magazin per E-Mail vor und widme mich ihnen dann in dem großen Lesesaal.

Die Zeitschriftenauslage enthält alle wichtige Titel aus den wissenschaftlichen Fachbereichen der Bibliothek und dem Ruhrgebiet. Die Zeitschriftenauslage enthält alle wichtige Titel aus den wissenschaftlichen Fachbereichen der Bibliothek und dem Ruhrgebiet. | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick Vor allem aber leihe ich mir Literatur aus. Gibt es auch etwas zu verbessern? Da fallen mir nur typische Gedanken aller Bibliotheksnutzer wie verlängerte Öffnungszeiten und Leihfristen ein. Vielleicht könnten auch seltene, ältere Zeitschriftenbestände digitalisiert werden.

Der Bibliotheksbesuch ist auch eine Auszeit vom Schreibtisch. Der Bibliotheksbesuch ist auch eine Auszeit vom Schreibtisch. | Foto (Ausschnitt): Dietmar Bleidick

Die Bibliothek des Ruhrgebiets im Bochumer Haus der Geschichte des Ruhrgebiets entstand zwischen 1995 und 1999 mit dem Ziel, die literarische Hinterlassenschaft der Region zu sichern und systematisch zu sammeln. Die Grundlage des heute rund 500.000 Medien umfassenden Bestandes bildeten drei Bibliotheken: die bereits 1859 gegründete Bergbau-Bücherei in Essen, die Bücherei der in Bochum ansässigen Industriegewerkschaft Bergbau und Energie sowie die Bibliothek des früher an der Ruhr-Universität Bochum beheimateten Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung.