Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Bibliotheken und soziale Medien
„Macht Bibliotheken wieder großartig!”

Die Zukunft der Bibliothek
Die Zukunft der Bibliothek | © raumlaborberlin im Auftrag von Kulturprojekte Berlin

Mit einem Youtube-Video über US-Präsident Trump erzielt der Kommunikations-manager der Finnish Library Association, Ville Vaarne, über 200.000 Aufrufe. Für Vaarne der Beweis, dass soziale Medien für Bibliotheken ein Muss sind.

Von Leonard Novy

Herr Vaarne, wie hat sich in der Bibliothekslandschaft die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Ansicht nach verändert und wie sieht Ihr Ansatz aus?

Bei meinem Einstieg in die Finnish Library Association haben wir überlegt, wie wir die sozialen Medien anders nutzen können. Ich komme aus der Fernsehproduktion und schlug deshalb vor, Videos zu produzieren. Mittlerweile erreichen wir mit Hilfe von Videos die meisten Menschen und ein anderes, breiteres Publikum, was mich wirklich glücklich macht.

Warum haben Sie sich das Medium Video ausgesucht? Wie sind die Reaktionen?

Ich liebe dieses Medium, weil meiner Ansicht nach Bibliotheken immer noch als statischer Ort angesehen werden und Videos dynamisch sind. Sie handeln von den Dingen, die gerade passieren und die interessant sind. Das Besondere an Social-Media-Videos ist, dass sie sich wie von selbst teilen, wenn sie die Menschen ansprechen.

Obwohl es Social-Media-Videos seit einigen Jahren gibt, sind sie immer noch etwas Neues für das Publikum. Ich liebe die Vorstellung, dass die Bibliothekswelt mit Hilfe von Videos Teil dieser Szene wird. Es ist eine schöne Herausforderung für mich als Profi, diese Videos zu machen. Ich muss meine Kreativität einsetzen, um die Bibliotheksbranche so interessant darzustellen, dass sich die Videos über Social Media verbreiten.

Wie sollte sich die Öffentlichkeitsarbeit von Bibliotheken im Zeitalter der sozialen Netzwerke generell ändern? Sollten sie dort vertreten sein und wenn ja, wie?

Die Digitalisierung sorgt für einen permanenten Neufindungsprozess der Bibliotheken. Deshalb sind die sozialen Medien ein natürlicher Bestandteil dieser ganzen Fragen, ein kleiner, aber wichtiger Teil dieses Prozesses.

Es gibt zum Beispiel mehr als 700 öffentliche Bibliotheken in Finnland. Ich persönlich denke, dass jede einzelne von ihnen zumindest darüber nachdenken sollte, was sie in den sozialen Netzwerken tut und ob sie dort relevant für ihre Community ist. Ob es Wege gibt, die Präsenz in den sozialen Medien zu erhöhen. Das ist eine der Möglichkeiten, mit denen Bibliotheken sich einen neuen Anstrich geben können. Die Bibliotheken sind herausgefordert, ihre Rolle aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu überdenken.
 

Im Moment haben Bibliotheken eine wunderbare Gelegenheit, via Social Media ihre persönliche Beziehung mit ihrem Publikum und den Menschen allgemein zu vertiefen.

Ville Vaarne

Die Daseinsberechtigung für Bibliotheken speiste sich lange aus der Bereitstellung eines Bücherbestandes und anderer Medien. Aufgrund des von Ihnen beschriebenen Prozesses müssen sich die Bibliotheken neu legitimieren, denn ich kann nun überall Bücher lesen. Ist es nicht der Plattform-Charakter für Sprache, der nun wichtiger wird, der Dialog mit den Lesern auf Augenhöhe?

Ja, genau. Im Moment haben Bibliotheken eine wunderbare Gelegenheit, via Social Media ihre persönliche Beziehung mit ihrem Publikum und den Menschen allgemein zu vertiefen.

Sind Videos ein geeignetes Werkzeug, um diese Aufmerksamkeit zu erhalten und Beziehungen herzustellen?

Exakt, sie dienen dazu, dass die Leute mehr über Bibliotheken nachdenken. Bibliotheken sind in Finnland ein Eckpfeiler und vitaler Teil unserer Gesellschaft. Gleichzeitig werden sie für selbstverständlich gehalten. Ich möchte dafür sorgen, dass die Menschen die Bibliotheken aktiver schätzen lernen. Dass ihnen bewusst wird, wie wichtig die finnischen Bibliotheken sind. Aber da liegen die Kompetenzen auf unserer Seite des Tisches. Wenn wir es schaffen, dass die Menschen aktiv über Bibliotheken nachdenken und sie in einem positiven Licht sehen, ist das Ziel erreicht.

Sie setzen sich also für die Bibliothek als Institution und öffentliches Gut ein? Wie sind die Reaktionen? Stoßen Sie auch auf Skepsis?

Sicher ist Skepsis vorhanden. Es gibt einen Graben in der Bibliothekslandschaft. Manche Leute freuen sich darüber, dass Bibliotheken eine aktivere Rolle einnehmen. Andere würden sagen, dass Bibliotheken neutral sein und beispielsweise keine Videos über die Flüchtlingskrise in den sozialen Medien verbreiten sollten. Ich hatte ein Video darüber gemacht, wie die Bibliotheken Flüchtende und Asylsuchende unterstützen. Zwar glaube ich an eine generelle Zustimmung dafür, dass wir diese Menschen unterstützen sollten. Dennoch würden einige argumentieren, dass eine Bibliothek als neutraler Ort keine Position in dieser Frage beziehen sollte. Ich habe nicht viel direkte Kritik gehört, aber sie wurde sicherlich geäußert.
 

Manche Leute freuen sich darüber, dass Bibliotheken eine aktivere Rolle einnehmen.

Ville Vaarne

Ihr bisher erfolgreichstes Video war ein Beitrag über US-Präsident Donald Trump, richtig? Wie hoch war die Reichweite?

Über 200.000 Aufrufe. Ich wollte die Verbindung zwischen Trump und seinem Feldzug gegen Bildung und Intelligenz herstellen und ich wollte mit dem Video genau die Dinge unterstützen, gegen die er kämpft. Als Figur ist Trump im Grunde genau das Gegenteil dessen, was eine Bibliothek repräsentiert.

Wie lange dauerte es von der ursprünglichen Idee bis zur Veröffentlichung des Videos?

Es waren ein paar Tage, wobei die Idee an sich das Schlüsselereignis war, nicht so sehr die Ausführung. Ich will nicht über die Machart mit dem Publikum diskutieren, sondern über meine Idee. Deshalb brauchte ich sehr lange, um diese Idee zu formulieren und mich mit anderen Menschen darüber auszutauschen.

Wenn jemand sagt, er habe nicht das nötige Geld für eine Videoproduktion, was antworten Sie? Was kostet so ein Video?

Ja, es gibt tatsächlich die Befürchtungen, dass man astronomische Summen für so etwas ausgeben muss und das niemand jemals das Geld hat, etwas zu tun, was nicht im normalen Budget enthalten ist.

Für das Trump-Video habe ich beispielsweise einen professionellen Stimmenimitator aus den USA engagiert. Gefunden habe ich ihn bei einem Internet-Service, der „Fiver“ („Fünfer“, Anm. der Redaktion) heißt, wo du fünf Dollar für verschiedenste Arten von Arbeit zahlst. Insgesamt bekam er etwa 50 Dollar Honorar. Die Software ist von Adobe und kostet etwa 50 Euro im Monat. Insgesamt lag das Budget für das Video also bei grob 100 Euro. Das ist nicht viel.

 

Ville Vaarne Ville Vaarne | Foto (Ausschnitt): privat Ville Vaarne war als Journalist für das finnische Fernsehen und Magazine tätig, bevor er vor einem Jahr der Finnish Library Association beigetreten ist. Seine Spezialität sind kurze Social-Media-Videos.

Top