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Moderne Arbeit in Bibliotheken
„Wir brauchen verschiedene Typen von Mitarbeitern“

Die Zukunft der Bibliothek
Die Zukunft der Bibliothek | © raumlaborberlin im Auftrag von Kulturprojekte Berlin

Die Belegschaft moderner Bibliotheken wird oft als Expertengruppe in Sachen Digitalisierung, Integration und Inklusion gewünscht. „Aber es ist unfair, von einzelnen zu fordern, alles zu lernen“, sagt Nate Hill vom Metropolitan New York Library Council.

Von Samira Lazarovic

Mr. Hill, Sie sind der Executive Director am Metropolitan New York Library Council. Was ist das genau für eine Organisation?
 
Das Metropolitan New York Library Council, auch bekannt als METRO, ist ziemlich einzigartig. Wir sind ein Fachverband für Bibliotheken, Archive Museen et cetera in New York City und Westchester County, der Bibliothekaren und Bibliothekarinnen dabei hilft, durch Kooperation stärker, effizienter und innovativer zu werden. Vom Buchversanddienst bis hin zu Lernprogrammen bieten wir alles an.
 
Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?
 
Gefördert vom Bürgermeisteramt des Chief Technology Officers haben wir eine Fortbildung in Sachen Internet-Datenschutz und Sicherheit entwickelt, die jeweils ein Mitarbeiter aus jeder Bibliothek in New York City in Anspruch nehmen kann. So bilden wir Hunderte Bibliothekare aus. Wenn künftig zum Beispiel jemand in eine Bibliothek kommt und wegen einer für ihn unerklärlichen Sache auf seinem Smartphone beunruhigt ist, dann gibt es dort jemanden, der ihm helfen kann.
 
Wir haben auch ein Labor für diejenigen, die mehr über Digitalisierung und die Migration von Daten aus veralteten Formaten erfahren möchten. Es gibt dort Audio- und Podcasting-Ausstattungen sowie eine Menge funky Magnetbänder, Vintage sozusagen. Wir beschäftigen uns auch mit Metadaten und Software-Entwicklung. So hat die New-York Historical Society uns beauftragt, für sie eine digitale Verwaltung ihrer Bibliotheksbestände zu errichten.
 
Unser Publikum sind explizit die Mitarbeiter der Bibliotheken. Unsere Programme müssen sehr zielgerichtet auf ihre besonderen Bedürfnisse eingehen. Und es ist oft sehr schwierig, diese Programme richtig zuzuschneiden und über die verschiedenen Organisationen hinweg zu implementieren, denn Bibliothekare und Bibliothekarinnen arbeiten alle sehr unterschiedlich.
 
Wie organisieren Sie diese Programme?
 
Wir haben hier 14 brillante Mitarbeiter. Dennoch ist es unmöglich, all die Expertise, die wir brauchen, innerhalb unserer Belegschaft zu finden. Also nutzen wir unser eigenes Mitglieder-Netzwerk, um Experten aufzuspüren. Wenn du die Columbia Universität und die MoMA-Bibliothek zu deinen Mitgliedern zählst, hast du eine so besondere Expertise zur Hand, die musst du nutzen.
 
Welche Fähigkeiten bräuchte ich, um als moderne Bibliothekarin zu arbeiten?
 
Es ist eine Herausforderung, denn die Dienstleistungen, die die Menschen bislang mit Bibliotheken in Verbindung bringen, sind weiter gefragt. Die Leute kommen in eine Bibliothek, um Bücher und Empfehlungen zu erhalten. Also müssen wir all das tun und gleichzeitig die großartigen neuen Rollen übernehmen. Man kann aber von dem Mitarbeiter einer Bibliothek nicht erwarten, einfach immer mehr und mehr verschiedene Dinge zu erlernen. Deshalb glaube ich, dass wir mehr verschiedene Typen von Bibliothekaren brauchen. Klingt das plausibel?

Mitarbeiter einer Bibliothek sollte jemand sein, der von Natur aus neue Herausforderungen sucht.

Absolut. Beim Verfolgen der Diskussion der vergangenen Jahre habe ich mich auch gewundert, wie Bibliothekare neben ihrer Alltagsarbeit noch Experten für die Themen Digitalisierung, Integration und Inklusion sein können.
 
Nicht wahr? Ich denke, eine der wichtigsten Eigenschaften, die Bibliothekare haben können, ist Neugier. Ein eigenes Interesse am lebenslangen Lernen. Gleichzeitig ist es unfair, von jemanden zu fordern, absolut alles zu lernen. Idealerweise sollte ein Mitarbeiter einer Bibliothek also jemand sein, der von Natur aus neue Herausforderungen sucht.
 
Dennoch gibt es eine Menge neuer Technologien da draußen: Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Robotik. Welche dieser Technologien wird aus Ihrer Sicht für Bibliotheken wichtig werden?
 
Bibliotheken spielen so eine wichtige Rolle in der öffentlichen und sozialen Infrastruktur, dass es keine Technologie oder Komponente des modernen Lebens gibt, die nicht auf die eine oder andere Weise in ihr vorkommt. Eine gute Bibliothek ist ein Spiegelbild ihrer Gemeinschaft und der Welt zur aktuellen Zeit.
 
Aber trotzdem: Was ist Ihrer Ansicht nach, das „nächste große Ding“ für öffentliche Bibliotheken?
 
In den vergangenen zehn Jahren meines Berufslebens haben sich die Leute immer wieder gefragt, welche die nächste disruptive Technologie sein wird. Es waren Fragen wie: Was werden wir tun? Wie bleiben wir relevant? Wird es noch Bücher geben? Was ist mit Google? Was ist mit Künstlicher Intelligenz?
 
Eine Sache, die mich hinsichtlich der aktuellen Lage dieses Berufsstandes wirklich glücklich macht – und unglücklicherweise könnte dies mit der aktuell schwierigen globalen Lage zusammenhängen – ist, dass ich in den letzten paar Jahren miterlebe, wie die Menschen über diese Art von Fragen hinwegkommen. Mittlerweile denken wir meiner Beobachtung nach als Berufsstand konstruktiver darüber nach, wie wir Themen wie Informationsverteilung, Gleichberechtigung auch in der Forschung und so weiter bearbeiten. Die Menschen sind viel weniger daran interessiert, die Gimmick-Frage nach dem nächsten technischen Spielzeug zu stellen. Ich weiche also Ihrer Frage ein wenig aus, aber ich bin wirklich froh, dass ich das tun kann!
 
Nate Hill Nate Hill | Foto (Ausschnitt): privat Nate Hill

Nate Hill ist der Executive Director am Metropolitan New York Library Council. Bevor er im Juni 2015 zu METRO kam, arbeitete Hill als Stellvertretender Direktor der Öffentlichen Bibliothek in Chattanooga. Das „Library Journal“ ernannte ihn 2012 zu einem „Mover and Shaker“. Seit seiner Kindheit gehören Bibliotheken zu seinen liebsten Aufenthaltsorten.

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