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International Summer School
Kreativ werden für die lebenswertere Stadt

International Summer School 2018
International Summer School 2018 | Photo (detail): Bettina Radner/Goethe-Institut e. V.

Welchen Beitrag können Bibliotheken zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen leisten? Im Nachklang der „International Summer School“ hat das Goethe-Institut drei Projekte in Russland und der Ukraine ausgezeichnet, die sich mit sozialen und ökologischen Fragen befassen.

Von Patrick Wildermann

Tetiana Marynynich könnte sich keinen besseren Ort als die Bibliothek vorstellen, um für einen umweltbewussten Lebensstil zu werben. „Schließlich erreichen wir Menschen aller Altersklassen, die zu uns kommen um zu arbeiten, zu studieren oder ihre Freizeit zu verbringen“, so die Direktorin der staatlichen Universitätsbibliothek im ukrainischen Sumy. Gerade eine junge Generation sei ökologischen Themen gegenüber sehr aufgeschlossen – und willens, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen oder sich an Aufräumaktionen in der Stadt zu beteiligen. Zuletzt haben Marynynich und ihr Team beispielsweise ein Öko-Quiz unter dem Motto „Leben ohne Müll“ für Schulklassen in Sumy veranstaltet, das spielerisch einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen vermittelte.

International Summer School

Das „Green Library Project“ der Universitätsbibliothek Sumy ist eines von drei Projekten, die im Nachklang der „International Summer School 2018“ im Rahmen eines Wettbewerbs für Stipendiatinnen und Stipendiaten des Goethe-Instituts prämiert und mit einem finanziellen Zuschuss bedacht wurden.  Die „Summer School“ fand in englischer Sprache vom 23. bis 28. Juli 2018 unter dem Titel „Socially Committed, Innovative, Accessible to all: Libraries of the Future contribute to the United Nations Agenda 2030“ an der Hochschule der Medien Stuttgart statt. Im Fokus stand die Frage, welchen Beitrag Bibliotheken zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) leisten können, die in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen verankert sind.  

BibliotheksKonzepte mit Fantasie 

Unter anderem referierte dort Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbandes (DBV), im Modul „Lobbying and Advocacy: How to Bring Libraries Forward“ über Ziel 17 („Strengthen the means of implementation and revitalize the global partnership for sustainable dvelopment“). Sie erläuterte, welche Programme Bibliotheken bereits im Kontext der SDGs verwirklichen – und welche Aktivitäten relevant sein könnten. Der Niederländer Rob Bruijnzeels wiederum widmete sich unter dem Titel „Re-designing the Library!“ dem Ziel 11 („Make cities inclusive, safe, resilient and sustainable“). Bruijnzeels gehört dem „Ministry of Imagination“ an, einer Gruppe, die Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen bei zukunftsorientierten Konzepten unterstützt.

Unter den 30 internationalen Teilnehmenden befanden sich auch 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten des Goethe-Instituts aus Russland, der Ukraine, Weißrussland, Kirgistan, Usbekistan, Georgien, Ungarn, Ägypten sowie Israel. Sie waren aufgefordert, sich mit Projekten zu bewerben, die an ihrer jeweils eigenen Bibliothek die Nachhaltigkeitsziele verfolgen.

Mülltrennung als Modell

Das „Green Library Project“ widmet sich mit Informationsbroschüren und Postern, mit Aufräum-, Recycling- und Mülltrennungs-Aktionen schwerpunktmäßig dem Ziel 11. Schwierig sei es, so Tetiana Marynynich, überhaupt Unternehmen zu finden, die den getrennten Müll fachgerecht entsorgen – „die Infrastruktur ist diesbezüglich in der Ukraine nicht entwickelt“. Dennoch sei es gelungen, das Bewusstsein für die Umwelt-Problematik zu schärfen, nicht zuletzt an der eigenen Universität: „Die Verwaltung unterstützt unser Projekt und hat mittlerweile verschiedene Müllbehälter zur Trennung in allen Abteilungen angeschafft“, berichtet Marynynich.
 
Einer ganz anderen Herausforderung stellt sich das Projekt „The Upgrade of Multi-Sensory Room for Blind and Visually Impaired Children“ in der russischen Republik Udmurtien: hier leben über 10.000 sehbehinderte oder blinde Menschen, darunter eine Vielzahl von Kindern. Zwar existieren für sie spezielle Schulen und Hilfsreinrichtungen. Doch wie Anna Semenova berichtet, Direktorin der Nationalbibliothek Udmurtien, decken sie nicht den Bedarf – „weswegen wir unsere Ressourcen auf dieses Feld der sozialen Arbeit ausweiten“.

MusikTische und SandMalerei

Der „Multi-Sensory Room“ der Nationalbibliothek, der mithilfe der Projektprämie des Goethe-Instituts weiter modernisiert werden konnte, bietet den sehbehinderten und blinden Kindern eine Reihe von individuellen Lerneinheiten sowie Gruppen-Programmen – darunter das partizipative Spiel „A journey to the Land of Tales“, das auf Werken des russischen Dichters Korney Chukovsky basiert und die jungen Teilnehmenden spielerisch mit dessen Charakteren vertraut macht. „Besonders häufig genutzt wird auch ein Musik-Tisch für Kinder bis drei Jahre, der verschiedene Arten von Klang erzeugt und so die Aufmerksamkeit anzieht“, erzählt Semenova. An einem weiteren Tisch können die Kinder Sand-Zeichnungen erstellen, was Fantasie und Kreativität fördert.

Soziales Engagement stiften

Börse für gebrauchte Gegenstände, Universitätsbibliothek Tambow Börse für gebrauchte Gegenstände, Universitätsbibliothek Tambow | © Universitätsbibliothek Tambow Das Projekt „Impact Network“ schließlich – das wiederum Entwicklungsziel 11 adressiert („Sustainable Cities and communities“ – findet an der staatlichen Universitätsbibliothek im russischen Tambow statt. Hier hat Olga Suslowa, Leiterin der Regional Universal Scientific Library, „einen Mangel an sozialen Aktivitäten und gesellschaftlichem Engagement“ beobachtet. Mit einer breit gestreuten Informationskampagne ist es gelungen, rund 20 Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen, die als aktivistisches Netzwerk fungieren. In Zusammenarbeit mit Schulen aus der Region werden Initiativen zu umweltbewusstem Verhalten gestiftet oder Börsen organisiert, auf denen Kleider und Bücher getauscht werden können. „Jetzt teilen wir unsere Ideen mit anderen lokalen Bibliotheken, um sie zu ebenfalls zum Engagement zu ermutigen“, so Suslowa. Auch 2019 wird wieder eine „International Summer School“ an der Hochschule der Medien Stuttgart stattfinden. Im Mittelpunkt stehen vom 16.bis 21. September dann die Herausforderungen des digitalen Wandels.

 

International Summer School 2019 zum Thema „Digital Transformation“

Die International Summer School 2019 findet vom 16.– 21. September 2019 an der Hochschule der Medien Stuttgart statt. Sie ist ein gemeinsames Projekt des Goethe-Instituts und der Hochschule der Medien Stuttgart und richtet sich an Studierende der Informations- und Bibliothekswissenschaften sowie an Berufstätige aus dem Informations- und Bibliotheksbereich. 

Die Summer School bietet die Möglichkeit, sich mit internationalen Kolleg*innen auszutauschen. Zu verschiedenen Aspekten des Themas „Digital Transformation“ werden vier Module (in englischer Sprache) angeboten.

Ausführliche Hinweise und den Link zur Registrierung finden Sie auf den Webseiten der Hochschule der Medien:
www.hdm-stuttgart.de International Summer School 2019: 16.- 21.September 2019 an der Hochschule der Medien Stuttgart © International Summer School 2019

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