Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Katapult
Karten, die die Welt erklären

Das Magazin Katapult aus Greifswald will sozialwissenschaftliche Erkenntnisse kreativ und grafisch interessant darstellen. Das klappt sehr gut. Nun sind die 100 besten dieser Grafiken in Buchform erschienen.

Von Holger Moos

100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern © Hoffmann und Campe 100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern heißt das naturgemäß sehr anschauliche Werk. Man erfährt durch die Grafiken so einiges, z.B. dass die Leuchtturmdichte entlang der Küsten Europas viel größer ist als entlang der Küste Afrikas. Wie viele Auslandsreisen deutsche Bundeskanzler/-innen gemacht haben, dass nur sieben Länder auf der Welt mehr Einwohner als Bangladesch haben oder in welche Länder das Vereinigte Königreich nie einmarschiert ist, bleibt auch nicht länger unbekannt.
 
Manche der Grafiken überzeugen durch ihre Schlichtheit, wie etwa die Darstellung, wie viel Platz wir benötigen würden, um die ganze Welt mit Solarstrom oder mit Strom aus Windkraft zu versorgen. Andere wiederum erschließen sich erst durch genauere Betrachtung und die Lektüre des Begleittextes. So zeigt die Weltkarte „Frauen in nationalen Parlamenten“ erst auf den zweiten Blick, dass es weltweit nur drei Länder gibt, in denen mehr Frauen als Männer im Parlament sitzen.

Von den „baHaarmas“ nach „Kamm Bodscha“

Es mangelt den Machern und Macherinnen von Katapult nicht an Witz. Ausdruck dafür sind einige im Buch eingestreute humorvolle Grafiken. Eine Deutschlandkarte macht die Vorliebe hiesiger Friseure und Friseurinnen deutlich, ihre Läden besonders originelle Namen zu verpassen, sei es „KreHaartiv“ im Norden, „baHaarmas“ im Süden „Rheinlocken“ im Westen oder „Kamm Bodscha“ im Osten des Landes . Kreativ, aber etwas derber sind auch die Namen deutscher Punkbands, wie etwa „Erotischer Stuhlgang“, „Analstahl“ oder „Gülleschiss“. Andere Grafiken, die auf den ersten Blick witzig wirken, haben einen ernsten Kern, wie etwa die Schaubilder von schmelzenden Dingen –  Polkappen und Eiscreme – und von solchen, bei denen uns das Schmelzen stört. Übrig bleibt nur die Eiscreme.
 
Die Menge unnützen Wissens scheint grenzenlos: Was die Verbreitung von Heavy-Metal-Bands betrifft, fällt in Finnland die entsprechende musikalische Versorgung mit über 20 Bands pro 100.000 Einwohner weltweit am besten aus – eine Tatsache, die eventuell gehegte Vorurteile bestätigt. Aber wer hätte gewusst, dass London auf dem gleichen Breitengrad wie Dresden liegt?

Auf die Perspektive kommt es an

Der Magazingründer Benjamin Fredrich widersetzte sich einst den Ratschlägen seiner Unternehmensberater, die nicht nur den Printmarkt für erledigt hielten, sondern auch meinten, dass Greifswald kein guter Standort für ein Printprodukt sei: zu klein, zu wenig Infrastruktur. Man würde sich wünschen, dass mehr Führungspersonal dem Rat Benjamin Fredrichs folgen würde: „Wir sind nicht beratungsresistent, man muss nur beharrlich das Gegenteil davon machen, was Wirtschaftsberater einem sagen. Dann sind es die besten Hinweise der Welt. Danke.“
 
Das Infografikbuch macht großen Spaß und versetzt einen immer wieder in Staunen. Die Karte auf dem Cover, die darstellt, dass man vom Südpol aus in jeder Richtung nur nach Norden gehen kann, ist trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Einfachheit etwas verwirrend und erinnert an den Spruch, dass man nur lange genug nach Osten gehen muss, um im Westen rauszukommen. Es kommt eben auf die Perspektive an – mindestens 100 verschiedene Perspektiven der Welterklärung bietet dieser Band. 100 Karten: Dinge, die schmelzen © Katapult / Hoffmann und Campe

Rosinenpicker 100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern
Hamburg: Hoffmann und Campe, 2019. 208 S.
ISBN: 978-3-455-00538-7

Katapult – Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft
Greifswald: Katapult gUG
ISSN: 2509-3053 (erscheint vierteljährlich) 

Top