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Katharina Greve
Der kleine Prinz, ein blöder Schleimer

Die ganze Welt liebt den „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry. Doch in Wirklichkeit ist er nur der blöde Cousin der dicken Prinzessin Petronia, enthüllt die Zeichnerin Katharina Greve in ihrem Comicband.

Von Holger Moos

Greve: Die dicke Prinzessin Petronia © Avant-Verlag Petronia hat es wahrlich nicht leicht. Im Palast ihrer Eltern ist kein Platz für sie. Also bekommt die Thronfolgerin ihren eigenen Planeten in den unendlichen Weiten des Weltalls. Das Problem ist nur: Es ist „der vielleicht mickrigste und langweiligste Klumpen im Universum“. Auf diesem Klumpen namens W857 steht, sitzt und grübelt die mürrische Prinzessin.
 
Sie kann nicht verstehen, dass sogar ihr Cousin, der „Kleine Prinz“, einen größeren Planeten bekommen hat, obwohl er ein ziemlicher Schleimer ist, der erfolgreich um die Gunst seiner Mitmenschen buhlt. Außerdem ist er nicht gerade der Hellste. Petronia weiß viel besser als er, worauf es ankommt: „Mit der Lupe sieht man besser als mit dem Herzen.“

Schrumpfplanet fördert Vorstellungskraft

Katharina Greve, deren Webcomic Das Hochhaus schon beim Avant-Verlag in Buchform erschienen ist, hat seit 2015 in der Zeitschrift Das Magazin und der Tageszeitung taz ihre Petronia-Cartoons veröffentlicht, mit denen sie ihre Hassliebe zur abgedroschenen Figur des „Kleinen Prinzen“ abgearbeitet hat, wie sie in einem Deutschlandfunk Kultur-Interview erzählt. Und diese sind nun unter dem Titel Die dicke Prinzessin Petronia ebenfalls beim Avant-Verlag erschienen.
 
In ihrem neuen Werk packt Greve die Vielfalt und Kakophonie der Welt nicht in ein Hochhaus, sondern bildet sie auf einem Schrumpfplaneten ab. Die Enge des Raumes fördert Petronias Vorstellungs- und Denkvermögen. Ihre Hobbys sind: rechnen, forschen, herrschen. Gerne denkt sie in Widersprüchen: „Mein Planet: winzig. Die Langeweile aber unendlich.“ Sie widmet sich der Evolution, dem Urknall, physikalischen und mathematischen Problemen, etwa dem Gedankenexperiment „Schrödingers Katze“.

Staub – die Zinsen unseres Daseins

Dann bekommt Petronia von ihren Eltern zum Geburtstag den Multifunktionswurm Mirco geschenkt, der ihr nicht nur als Springseil, Koffergurt und Kopfbedeckung dienen, sondern auch zu Raum-Zeit-Reisen verhelfen kann. Er ist allerdings dann doch nicht viel wert – wegen seines eingeschränkten Orientierungssinns und seinem großen Ruhebedarf nach jeder Reise durch ein Wurmloch, landet sie erst mal in einer Telefonzelle am Rande des Universums, anschließend auf Planet Neun, auf dem es absolut gar nichts gibt, und verpasst andernorts die letzte Chance, David Bowie alias Ziggy Stardust zu treffen.
 
Greves Weltraum-Comic parodiert gekonnt diverse klassische Science-Fiction-Vorlagen wie Per Anhalter durch die Galaxis, Star Trek, Alien oder die Idee von Parallelwelten im Multiversum. Es gelingt Greve, die Gefühlswelt ihrer Titelfigur mit wenigen Strichen darzustellen.
 
Petronia neigt außerdem zum humoristischen Philosophieren. So fragt sie sich, ob Camus‘ Sisyphos wohl auch ein glücklicher Mensch wäre, wenn er den Felsen nicht jeden Tag rollen, sondern putzen müsste. Und die übellaunige Heldin liefert Sentenzen für die Ewigkeit, wie etwa: „Staub – das sind die Zinsen des Daseins.“

Greve: Die dicke Prinzessin Petronia, S. 14-15 © Katharina Greve / Avant-Verlag   
Rosinenpicker Greve, Katharina: Die dicke Prinzessin Petronia
Berlin: Avant-Verlag, 2019. 104 S.
ISBN: 978-3-96445-008-1

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