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100 Jahre Bauhaus
Bauhaus – noch immer eine gute Idee

100 Jahre Bauhaus – ein hervorragender Grund zum Feiern! Und ein willkommener Anlass für Verlage, neue Bücher über die revolutionäre Kunstschule zu veröffentlichen. Drei Titel nähern sich dem Phänomen Bauhaus auf besondere Weise.

Von Marit Borcherding

1919 gründete Walter Gropius in Weimar das „Staatliche Bauhaus“. Ein Ausbildungsort, der erstmals Kunst und Handwerk zusammenführte. Das Bauhaus sollte sich als die einflussreichste Bildungsstätte in den Bereichen Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert erweisen.

Bauhäuser in aller Welt

Voss/Molitor: Bauhaus © bebra Verlag Wie sehr die moderne Architektur weit über die Grenzen Deutschlands hinaus von den Innovationen des Bauhauses inspiriert wurde, dokumentiert der Fotobildband Bauhaus – Eine fotografische Weltreise. Jean Molitor, künstlerischer Fotograf, hat auf seinen Reisen durch zahlreiche Länder und Kontinente diesen Einfluss mit der Kamera festgehalten. In einem Interview erklärt Molitor, das er seine Aufnahmen gerne um 5 Uhr morgens macht: „Mir ist wichtig, die Häuser so zu fotografieren, dass sie zeitlos wirken. Dass sie dem Gedanken des Architekten nahekommen.“ Folgerichtig sind seine in dem Band versammelten Fotografien allesamt schwarzweiß und zeigen in fast kühler Ästhetik zumeist nur die Häuser, keine Menschen, keine Autos, nichts, was den Blick auf die Gebäude verstellt oder von ihnen ablenkt.
 
Die Texte von Kaija Voss, Journalistin und Dozentin für Architekturgeschichte, beschreiben ausführlich und anschaulich zugleich, wie sich das Neue Bauen in Deutschland und der Welt abbildete: in Chemnitz, Frankfurt am Main, Zwickau und Hamburg ebenso wie in Prag, Istanbul, Miami oder Tel Aviv. Ein sich plausibel ergänzendes Werk aus konzentrierten Fotoinszenierungen und aus Texten, die einen ebenso konzentrierten und gut lesbaren Überblick anbieten, noch dazu sowohl auf Deutsch wie auf Englisch.

Kompetente Netzwerkerin

Revedin:  Jeder nennt mich hier Frau Bauhaus © DuMont Dass Frauen in der fortschrittlichen Lehranstalt Bauhaus zwar einen Platz hatten, aber doch eher in den als weiblich angesehenen Bereichen wie Weberei und Textilkunst vorkamen, ist mittlerweile bekannt. Inzwischen werden diese Frauen auch nach und nach von den hinteren Plätzen ins Licht der Öffentlichkeit gebracht. Das hat sich auch die Architekturprofessorin Jana Revedin vorgenommen. Sie widmet sich in ihrem Buch Jeder nennt mich hier Frau Bauhaus dem Wirken von Ise Frank. Sie war die zweite Frau des Bauhausgründers Walter Gropius, aber sie war so viel mehr, wie dieses als biografischer Roman deklarierte Buch unterhaltsam und informativ zugleich zu zeigen vermag. Ise Frank, Buchhändlerin, Literaturkritikerin und Journalistin, gab ihre Arbeit in einer Münchner Buchhandlung auf und folgte Walter Gropius nach Weimar – nicht nur der Liebe wegen, sondern weil sie sich für das Projekt begeisterte: „Hier durfte man ausprobieren, korrigieren, neu beginnen, besser machen, wieder korrigieren … Jedes Projekt schien sich seine eigene Dimension zu schaffen, die aus dem Austausch von Meinungen und Erfahrungen der verschiedenen Disziplinen entstand … Es war, wollte Ise einen Vergleich für ihr eigenes Metier finden, wie Texteschreiben im Kollektiv, und zwar mit einem Traumteam aus Kraus, Mann, Huxley und Virginia Woolf ...“
 
Fortan war sie diejenige, die sich handfest und klarsichtig um Organisatorisches kümmerte, während ihr Mann eher weniger alltagsbegabt war. Sie warb Mäzene an, wenn die Pleite drohte, sie betrieb Öffentlichkeitsarbeit mit fundierten Fach- und Pressetexten, und sie war es, die sich als erste für das mit modernsten Gerätschaften ausgestattete „Haus der emanzipierten Frau“ einsetzte. Vor allem sorgte Ise Frank dafür, dass die Bauhausideen auch nach der von den Nazis erzwungenen Zerschlagung und der Emigration weiterlebten. Das  Buch, das teils auf Quellen basiert und teils fiktiv ist, schließt nicht nur eine Kenntnislücke über wesentliche Bauhausprotagonistinnen, sondern erzählt auch anrührend über die Frauenfreundschaft zwischen Ise Frank und der nicht minder schillernden Fotografin Irene Hecht.

Fragen – Antworten – Fragen

Bahr: Das ist das Bauhaus! © E.A. Seemann Henschel Im Laufe einer hundertjährigen Geschichte gerät die eine oder andere Bauhaus-Essenz schon mal in Vergessenheit. Das Jubiläum ist da ein guter Anlass, alle Bauhaus-Ideen, -Visionen und die bis heute reichenden Auswirkungen kompakt zusammenzuführen und vorzustellen. In ihrem Buch Das ist das Bauhaus versuchen die Autorin Gesine Bahr und die Illustratorin Halina Kuschner genau das. Mit einem einleuchtenden Konzept: Sie nähern sich dem Thema, indem sie unter der Überschrift „Was war das Bauhaus?“ Fragen stellen, und zwar exakt 50: von „Warum heißt das Bauhaus Bauhaus?“ über „Warum waren Stahl und Glas so beliebte Materialien?“ bis hin zu „Wie feierte man ein Bauhausfest?“
 
Die Antworten umfassen in der Regel jeweils zwei bis drei Seiten und sind sehr verständlich geschrieben und dabei durchaus mit Details angereichert – eine intelligent gemachte und kurzweilige Lektüre für Bauhaus-Einsteiger/-innen jeglichen Alters und solche, die ihr Wissen umstandslos auffrischen wollen. Ein dickes Plus sind die Illustrationen von Halina Kirschner. In den Bauhausfarben Rot, Gelb und Blau gehalten, sind sie viel mehr als nur dekorative Elemente zwischen den Texten, sondern transportieren schön plakativ Ideen und Esprit der Kunstschule.
Zu Anfang dieses Buches wird behauptet: „Das Bauhaus war vieles – nur nicht langweilig.“ Nach der Lektüre aller drei Werke bietet sich eine knappe Antwort an: Stimmt! 
 
Rosinenpicker Voss, Kaija & Molitor, Jean: Bauhaus. Eine fotografische Weltreise / A photographic journey around the world
Berlin: bebra Verlag, 2018. 240 S.
ISBN: 978-3-89809-152-7

Revedin, Jana: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus
Köln: DuMont, 2018. 304 S.
ISBN: 978-3-8321-8354-7
Dieser Titel ist in unserer Onleihe erhältlich

Bahr, Gesine: Das ist das Bauhaus! 50 Fragen - 50 Antworten (Illustriert von Halina Kirschner)
Leipzig: E.A. Seemann Henschel, 2019. 192 S.
ISBN: 978-3-86502-408-4

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